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Augenärzte warnen

Besser keine Kontaktlinsen im See oder Pool tragen

Kontaktlinsen können Kleinstverletzungen im Auge fördern und gelten als großes Risiko für Hornhautentzündungen mit Akanthamöben als winzige, allgegenwärtige Parasiten. Das Infektionsrisiko kann durch Schwimmen mit Haftschalen in Seen oder schlecht gereinigten Freibädern und Pools noch zusätzlich gesteigert werden.
Christiane Berg
10.05.2022  12:00 Uhr

»Nisten sich Akanthamöben in der Hornhaut ein, können sie eine schwerwiegende, hartnäckige Akanthamöben-Keratitis hervorrufen«, warnt Professor Dr. Björn Bachmann, Leiter des Zentrums Hornhaut an der Uniklinik Köln. Die Akanthamöben-Hornhautentzündung ist überhaupt erst in Erscheinung getreten, seit es Kontaktlinsen gibt, erläutert er in einem aktuellen Statement der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

So sei bekannt, dass 90 Prozent aller Menschen, die an einer Akanthamöben-Keratitis erkranken, weiche Kontaktlinsen tragen. Diese Linsen gelten nicht nur als gefährlich, weil Akanthamöben an ihrer hydrophilen Oberfläche besonders gut anhaften können. Weiche Linsen verschlechtern außerdem die Sauerstoffversorgung der Hornhaut und machen sie so besonders anfällig für winzige Verletzungen an der Oberfläche. »So können die Parasiten leichter in die Hornhaut eindringen«, erklärt Bachmann.

Er verweist auf eine österreichische Studie, die vor Kurzem in der Zeitschrift »Scientific Reports« erschienen ist. Die Studie bestätigt internationale Erkenntnisse, dass eine Zunahme der Inzidenz der Akanthamöben-Keratitis bei Kontaktlinsenträgern insbesondere in den Sommermonaten und gerade im August mit erhöhter Wasser-Exposition assoziiert ist. Deshalb sollten Kontaktlinsenträger niemals mit den Haftschalen Schwimmen gehen. »Wenn doch, dann nicht untertauchen und dabei womöglich noch die Augen unter Wasser öffnen, ohne eine Taucherbrille zu tragen«, so lautet seine dringende Empfehlung.

»Hauptursache für eine Akanthamöben-Keratitis ist die fehlerhafte Reinigung der Haftschalen«, berichtet Bachmann. Leitungswasser sollte dabei vermieden werden, da auch dieses kontaminiert sein kann. Die Behältnisse seien regelmäßig zu wechseln und die Aufbewahrungsflüssigkeit nach den Angaben des Herstellers anzuwenden und zu erneuern.

Was sind die Symptome einer Amöben-Keratitis?

Eine Akanthamöben-Infektion macht sich durch ein verschlechtertes Sehvermögen und Rötung der Augen sowie teils auffällig starke Schmerzen bemerkbar. Die Betroffenen seien zudem blendungsempfindlich und kneifen häufig die Augen. Nach kurzer Zeit zeige sich eine entzündliche, mitunter auch ringförmige Trübung in der Hornhaut. Wer Kontaktlinsen trägt und innerhalb der ersten Woche nach einem Badeausflug unter den beschriebenen Symptomen leidet, sollte nicht zögern und sich sofort in augenärztliche Behandlung begeben. 

Der Nachweis der Parasiten erfolgt unter anderem über Abstriche, Gewebeproben und bildgebende Verfahren, kann sich jedoch schwierig gestalten. Es kommt häufig zu Fehldiagnosen. »Oft wird die Akanthamöben-Keratitis mit einer Herpesvirus-Infektion verwechselt«, erläutert der Kölner Hornhautexperte.

Rechtzeitig und richtig diagnostiziert ermögliche die frühe Identifikation einer Amöbenkeratitis jedoch eine erfolgreiche Therapie, die von der topischen Antibiotika/Antiseptika-Kombinationsbehandlung bis hin zur chirurgischen Intervention reichen kann. Das könne allerdings sehr lange dauern und Monate intensiver Therapie erfordern. Nicht selten sei eine Hornhauttransplantation unumgänglich.

Bachmann macht wie die Studienautoren deutlich, dass sich durch Schärfung des Bewusstseins der Allgemeinbevölkerung für die Notwendigkeit der strikten Sorgfalt und Pflege der Linsen beziehungsweise frühzeitigen Diagnose und Behandlung der Keratitis Komplikationen jedoch vermeiden lassen.

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