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SARS-CoV-2

Berichte über Reaktivierung des Virus

Wie lange hält eine erworbene Immunität gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 an? Berichten aus Südkorea zufolge könnte die Infektion nach überstandener Erkrankung reaktiviert werden. Genaues ist aber noch unklar.
Annette Mende
14.04.2020
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Eine durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion schützt möglicherweise nicht immer vor einer erneuten Infektion. Einen Bericht über einzelne genesene Covid-19-Patienten, die erneut positiv auf das neue Coronavirus getestet wurden, hatte es bereits Ende Februar gegeben (»JAMA«, DOI: 10.1001/jama.2020.2783). Weitere folgten; zuletzt war in einer Online-vorab-Veröffentlichung auf »Clinical Infectious Diseases« die Rede davon, dass 25 von 172 zuvor negativ getesteten Patienten (14,5 Prozent) zu einem späteren Zeitpunkt erneut einen positiven SARS-CoV-2-Nachweis gehabt hätten (DOI: 10.1093/cid/ciaa398/5817588).

Die Fallberichte widersprechen der Annahme, dass Menschen nach einer durchgemachten Covid-19-Erkrankung für mindestens ein bis zwei Jahre immun gegen eine erneute Infektion sein sollten. Möglicherweise handelt es sich aber auch gar nicht um eine Reinfektion, sondern um eine Reaktivierung des Erregers. Das Virus könnte in diesem Fall im Körper eines Infizierten persistieren, ohne in Nasen-Rachen- oder sonstigen Abstrichen nachweisbar zu sein, und bei einer Schwächung des Immunsystems wieder zum Vorschein kommen. Diese Möglichkeit brachte am Freitag Jeong Eun-kyeong, die Direktorin der südkoreanischen Gesundheitsbehörde KCDC, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ins Spiel. In Südkorea hatte es zuletzt 91 Fälle von zunächst negativ und dann wieder positiv getesteten Patienten gegeben.

Laut Professor Dr. Lothar Wieler gibt es hierfür aber auch andere mögliche Erklärungen. »Es ist noch unklar, was wir dort genau sehen«, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) heute bei einem Pressebriefing zu den Berichten aus Südkorea. Nach Meinung der meisten Fachleute sei es nicht plausibel, dass es sich um Reinfektionen handele. Eine mögliche Erklärung des Phänomens sei, dass das erste Testergebnis falsch negativ gewesen sei. Eine andere Möglichkeit bestehe darin, dass Covid-19-Patienten nach überstandener Erkrankung noch eine Weile lang Virusgenom von SARS-CoV-2 ausschieden, das aber nicht mehr infektiös sei.

Momentan wisse niemand, ob alle genesenen Covid-19-Patienten immun gegen SARS-CoV-2 seien und wie lange die Immunität gegebenenfalls anhalte. Hierfür gebe es lediglich Hinweise von anderen Coronaviren. Daher sei es auch noch zu früh, etwa über ein Kennzeichnung von Genesenen und deren Rückkehr zum normalen Alltag nachzudenken. »Wenn Menschen immun sind, wäre es großartig, das zu wissen«, sagte Wieler. Derzeit sei aber über den Immunitätsstatus von Genesenen noch zu wenig bekannt. Aufgrund der Alterung des Immunsystems kann die Immunantwort etwa bei älteren Menschen weniger effektiv und / oder weniger nachhaltig ausfallen.

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