Pharmazeutische Zeitung Online
AMK
Narkolepsie

Auslösende T-Zellen identifiziert

Die seltene neurologische Erkrankung Narkolepsie, bei der Patienten unter einer übermäßigen Schläfrigkeit leiden, ist höchstwahrscheinlich eine Autoimmunerkrankung. Schweizer Forscher haben bei Narkolepsie-Patienten T-Zellen identifiziert, die als Auslöser infrage kommen. Warum diese jedoch gebildet werden, ist unklar. Einen vermuteten Zusammenhang mit dem Impfstoff gegen die Schweinegrippe konnten die Forscher nicht bestätigen.
Annette Mende
21.09.2018
Datenschutz bei der PZ

Narkolepsie bedeutet anfallsartiger Schlaf. Betroffene berichten von exzessiver Tagesmüdigkeit, gegen die auch ausgiebiger Nachtschlaf nicht hilft und die so ausgeprägt sein kann, dass Patienten ohne Vorwarnung einfach einschlafen. Hinzu kommt häufig ein Verlust des Muskeltonus, eine sogenannte Kataplexie. Bei dieser als Typ-1-Narkolepsie bezeichneten Form der Erkrankung sind bestimmte Nervenzellen im Hypothalamus zugrunde gegangen, die das Neuropeptid Hypocretin produzieren. Fehlt das Symptom Kataplexie und ist der Hypocretin-Spiegel im Gehirn normal, spricht man von Typ-2-Narkolepsie.

Mehrere starke Indizien sprachen bislang dafür, dass der Verlust der Hypocretin-produzierenden Nervenzellen die Folge einer Autoimmunreaktion darstellt – ohne dass die auslösenden Immunzellen jedoch gefunden worden wären. Diese Lücke schließt nun eine Arbeitsgruppe um Dr. Daniela Latorre von der Università della Svizzera italiana in Bellinzona. Wie die Forscher im Fachjournal »Nature« berichten, wiesen sie bei allen 19 von ihnen untersuchten Narkolepsie-Patienten bestimmte CD4+-T-Zellen nach, die sich gegen Oberflächenantigene auf Hypocretin-produzierenden Neuronen richteten. Entsprechende Zellen waren auch bei drei von zwölf Kontrollpersonen ohne Narkolepsie nachweisbar, allerdings in 10-fach niedrigerer Konzentration.

Die Forscher überprüften anhand der T-Zell-Isolate auch die Theorie, dass die Impfung gegen die Schweinegrippe Narkolepsie ausgelöst haben könnte. Dieser Verdacht war aufgekommen, nachdem es infolge der großen Impfkampagne mit dem pandemischen Impfstoff Pandemrix® in Finnland und Schweden zu einem starken Anstieg der Narkolepsiefälle bei jungen Menschen gekommen war. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) nahm daraufhin ihre Empfehlung der Pandemrix-Impfung für Unter-20-Jährige zurück, obwohl ein kausaler Zusammenhang bis heute nicht eindeutig belegt ist.

Auch die Ergebnisse von Latorre und Kollegen können diesen Verdacht nur teilweise ausräumen. Zwar reagierte keiner der isolierten T-Zell-Klone, als die Forscher sie mit einem Impfstoff gegen den Schweinegrippe-Erreger H1N1 behandelten. Sie hatten aber statt des umstrittenen Pandemrix-Impfstoffs den nicht adjuvantierten Impfstoff Influvac® verwendet. Zudem hatten die untersuchten Patienten ihre Narkolepsie ursprünglich nicht infolge einer Grippeerkrankung oder -impfung entwickelt. Ob der mittlerweile nicht mehr erhältliche Impfstoff Pandemrix tatsächlich Narkolepsie ausgelöst hat, bleibt somit weiter offen.

DOI: 10.1038/s41586-018-0540-1

Foto: Shutterstock/Aleksey Kurguzov

DOI: 10.1038/s41586-018-0540-1

Mehr von Avoxa