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Weltgesundheitsbericht

Woran die Menschen sterben

18.12.2012
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Von Christina Hohmann-Jeddi /  Den bislang umfassendsten Bericht zu Gesundheitsrisiken und Erkrankungen weltweit haben Experten nun in London vorgestellt: Ihm zufolge sind Bluthochdruck, Alkohol und Rauchen die größten Gesundheitsgefahren.

Über fünf Jahre haben 486 Autoren aus 50 Nationen die Daten von Millionen Menschen aus 187 Länder analysiert und ausgewertet. Herausgekommen ist der bisher umfassendste Bericht zur Weltgesundheit. Die Ergebnisse der »Global Burden of Disease Study 2010 (GBD 2010)«, an der auch die Weltgesundheitsorganisation WHO mitgearbeitet hat, wurden nun in London vorgestellt und im Fachjournal »The Lancet« veröffentlicht. Nach den Statistiken starben weltweit mehr als neun Millionen Menschen im Jahr 2010 an den Folgen von Bluthochdruck. Damit ist Hypertonie die weltweit größte Gesundheitsgefahr, gefolgt von Rauchen, das 6,3 Millionen Menschenleben kostete, und Alkohol mit fünf Millionen Todesfällen. Die drei Faktoren haben sogar Hunger im Kindesalter als Risiko überholt.

In den vergangenen zehn Jahren ist den Statistiken zufolge Fettleibigkeit zum großen Problem geworden. Lag diese bei einer vergleichbaren Untersuchung aus dem Jahr 1990 noch auf Platz 10, ist sie nun auf Platz 6 in der Welt gestiegen. Mehr als 3 Millionen Todesfälle seien 2010 auf einen zu hohen Body-Maß-Index (BMI) zurückzuführen gewesen. Damit hat Übergewicht als Gesundheitsgefahr erstmals Unterernährung überholt. Diese ist von Platz 6 in 1990 auf Platz 8 zurückgefallen. In Südasien gehört Luftverschmutzung durch schädliches Heizmaterial weiterhin zu den größten Risiken.

 

Deutliche Fortschritte gibt es bei der durchschnittlichen Lebenserwartung Neugeborener: Sie hat sich seit 1970 bei den Männern um 11,1 Jahre auf 67,5 Jahre erhöht. Bei Frauen gab es sogar ein Plus von 12,1 auf 73,3 Jahre. Die höchste Lebenserwartung der Welt hatten im Jahr 2010 Frauen in Japan mit 85,9 Jahren und Männer in Island mit 80 Jahren. Für Deutschland werden für 2010 in den Statistiken 82,8 Jahre für Frauen und 77,5 Jahre für Männer genannt. Eine erfreuliche Verbesserung ist bei der Kindersterblichkeit zu verzeichnen: Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren sind im weltweiten Vergleich seit 1970 um 60 Prozent zurückgegangen. Damit fiel der Rückgang stärker aus als alle Vorherssagen. Doch es bleibt noch Raum für Verbesserungen: Jedes Jahr stirbt eine Million Kinder unter fünf Jahren an impfpräventablen Erkrankungen wie Rotavirus-Infektionen oder Masern.

 

Die Forscher stellten auch fest, dass mehr junge und mittelalte Erwachsene an Krankheiten und Verletzungen sterben. Die Zahl der Todesfälle in der Gruppe der 15- bis 49-Jährigen stieg ab 1970 um 44 Prozent. Gründe hierfür sehen die Autoren hauptsächlich in kriegerischen Auseinandersetzungen und in der Aids-Epidemie, die jedes Jahr 1,5 Millionen Menschen das Leben kostet. Eine Kernaussage des Berichts ist, dass die längere Lebenserwartung ein längeres Leben mit mehr Krankheiten mit sich bringt. Bei einem detaillierten Blick auf die Länder wird den Experten zufolge deutlich, dass die große Lücke bei der Lebenserwartung zwischen reichen und armen Regionen noch genauso groß ist wie vor 40 Jahren.

 

Auch bei den Krankheiten variierten die Gefahren in den unterschiedlichen Regionen der Welt stark, erklärte Majid Ezzati vom Imperial College London, der an dem Bericht mitgearbeitet hat. »Insgesamt können wir aber eine wachsende Belastung für Risikofaktoren erkennen, die bei Erwachsenen zu chronischen Krankheiten führen, wie Krebs, Herzproblemen und Diabetes. Gleichzeitig sinkt der Druck durch Risiken, die mit Infektionskrankheiten bei Kindern in Verbindung gebracht werden.«

 

Ausnahme Afrika

 

Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit Armut seien an den meisten Orten gesunken, zum Beispiel in Asien und Lateinamerika. In Afrika südlich der Sahara seien sie aber weiter die größte Sorge. Hier ist auch die Lebenserwartung deutlich weniger gestiegen als in allen anderen Regionen der Welt, nämlich nur um knapp 10 Jahre seit 1970. Infektionen, Kinderkrankheiten und Müttersterblichkeit machen immer noch 70 Prozent der Krankheitslast aus, während es in anderen Regionen nur noch etwa 20 Prozent sind.

 

»Die gute Neuigkeit ist, dass wir sehr viel tun können, um die Gesundheitsrisiken zu reduzieren«, sagte Ez­zati. Im Kampf gegen Bluthochdruck etwa müsse der Salzgehalt von Lebensmitteln gesenkt und der Zugang zu frischem Obst und Gemüse verbessert werden. Mangelernährung sei in den vergangenen zehn Jahren weniger geworden. In Afrika sei sie aber weiterhin ein großes Problem. /

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