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Alliance Boots

Was wird aus Vivesco?

03.12.2013
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Von Daniel Rücker, Monaco / Die Apothekenkooperation Vivesco hat 1100 Mitglieder. Sie werden sich vermutlich auf einen neuen Namen einstellen müssen. Nach der Übernahme durch Alliance Boots steht Vivesco nun vor derselben Entwicklung wie die Muttergesellschaft Andreae-Noris Zahn AG (Anzag).

Seit dem Frühjahr 2013 firmiert der Pharmagroßhändler Anzag unter dem Namen Alliance Healthcare. Die Apothekenkooperation Vivesco behielt damals noch ihren Namen. Doch damit dürfte es bald vorbei sein. Bei einem Treffen der Alliance-Boots-Apothekenkooperationen am 28. und 29. November in Monaco kündigten die Alliance-Boots-Gründer Ornella Barra und Stefano Pessina an, die Marke Alphega weiter zu stärken. Alliance Boots unterhält in acht europäischen Ländern Kooperationen inhabergeführter Apotheken. In sechs tragen diese Kooperationen bereits den Namen Alphega, in den Niederlanden geht die Apothekenkooperation Kring im kommenden Jahr in Alphega auf. In Deutschland ist die Entscheidung offiziell noch nicht gefallen. Man habe sich noch nicht endgültig entschieden, sagte Ornella Barra in Monaco. In ihren Statements machten sie und Pessina aber deutlich, Alphega werde »eine immer wichtigere internationale Marke«.

 

Vertrauen noch nicht sehr groß


Die deutschen Vivesco-Apotheker in Monaco sahen die Umbenennung kritisch. Viele wollen den eingeführten Namen Vivesco gerne behalten. Die Marke sei eingeführt und bekannt. Deshalb scheinen manche Vivesco-Apotheker eher bereit, zu einer bestehenden deutschen Kooperation zu wechseln als eine in Deutschland bislang vollkommen unbekannte Marke aufzubauen.

Außerdem ist das Vertrauen zu Alliance Boots noch nicht sehr groß. Alphega ist zwar eine Kooperation ausschließlich für inhabergeführte Apotheken, gleichzeitig betreibt das Unternehmen aber auch Apothekenketten in den Ländern, die dies erlauben. Zudem hat sich der US-amerikanische Pharmagroßhändler Walgreens bei Alliance Healthcare eingekauft und hat die Option, das Unternehmen komplett zu übernehmen. Auf der anderen Seite hat eine internationale Apothekenkooperation mutmaßlich bessere Einkaufskonditionen als eine auf Deutschland begrenzte Kooperation. Ein interessantes Angebot auch für deutsche Apotheker dürften dabei sicher die Eigenmarken von Alliance Boots sein. Deshalb sieht der Vivesco-Beiratsvorsitzende Wolfgang Kempf in einer europäischen Kooperation die größeren Chancen für Apotheker als in der Perspektive, als Einzelkämpfer den Erfolg zu suchen.

 

Derzeit ist für die Vivesco-Apotheker noch nicht abzuschätzen, was der Wechsel zu Alphega bedeuten würde. In einer Pressekonferenz während der Veranstaltung in Monaco bekräftigte Vivesco-Geschäftsführer Oliver Prönnecke, alle aktuellen Leistungen von Vivesco blieben erhalten und würden durch Alphega-Leistungen ergänzt. Welche zusätzliche Leistungen dies sein könnten, blieb aber offen. Weder Prönnecke noch Ornella Barra wollten dazu Stellung nehmen. Man werde bis zu Frühjahr in sieben Vivesco-Apotheken verschiedene Leistungen testen und dann entscheiden, welche sich für den deutschen Markt eigneten.

 

Deutsche Apotheker unschlüssig

 

Den Vivesco-Apothekern bleibt nun ein knappes halbes Jahr, zu entscheiden, ob sie zu Alphega gehen oder sich eine andere Kooperation suchen. In Monaco zeigten sich die meisten deutschen Apotheker noch unschlüssig. Mitentscheidend ist, wie stark Alliance Boots auf die Vorstellungen der deutschen Apotheker eingeht. Die Apothekenkooperation Alphega wird ab dem kommenden Jahr 6000 Mitgliedsapotheken haben, in Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Russland, Tschechien und dann ab 2014 in den Niederlanden und wahrscheinlich auch in Deutschland. In kurzen während des Kongresses eingespielten Filmen über Apotheken in den Mitgliedsländern offenbarte sich ein im Vergleich zu Deutschland niedrigerer Standard.

 

Zumindest gewöhnungsbedürftig ist auch das präsidial-exzentrische Auftreten der Firmengründer Barra und Pessina. Die beiden inszenierten sich in Monaco bisweilen als die Verkünder eines Apotheken-Evangeliums. Außerdem vermittelten sie den Eindruck, Alphega greife in anderen Ländern deutlich stärker in die Abläufe einer Apotheke ein als deutsche Apotheker dies akzeptieren würden. /

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