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Ernährung

Fructosehaltige Getränke fördern Gicht

30.11.2010  12:20 Uhr

Von Susanne Heinzl / Der Konsum von fructosehaltigen Süßgetränken, wie Limonade oder Orangensaft, erhöht das Gichtrisiko bei Frauen. Dies ergab eine prospektive Beobachtungsstudie, die im Fachjournal »JAMA« (doi: 10.1001/jama.2010.1638) publiziert wurde.

Gicht ist eine weit verbreitete, sehr schmerzhafte Erkrankung. Ihre Inzidenz ist in den vergangenen 30 Jahren um fast das Dreifache angestiegen. Dieser Anstieg der Gichterkrankungen falle zusammen mit der Zunahme des Fructosekonsums in der Gesellschaft, schreiben Hyon K. Choi von der Boston University School of Medicine und seine Kollegen in der JAMA-Veröffentlichung.

Schon seit Längerem ist bekannt, dass Fructose den Harnsäurespiegel indirekt erhöht, weil beim Abbau des Fruchtzuckers in der Leber verstärkt AMP aus ATP entsteht. AMP wiederum dient als Substrat des Purinstoffwechsels, dessen Endprodukt Harnsäure ist. Wenige Minuten nach Konsum eines mit Fructose gesüßten Getränks oder nach dem Verzehr von süßem Obst steigt die Harnsäurekonzentration im Blut und später auch im Urin. Mit den Daten der Health Professionals Follow-Up Study hatten Choi und Mitarbeiter bereits vor zwei Jahren zeigen können, dass der Konsum von fructosehaltigen Getränken das Risiko für eine Gicht bei Männern erhöht. Nun untersuchten sie anhand der Daten der Nurses’ Health Study, ob ein solcher Zusammenhang auch bei Frauen besteht. Von 78 906 Frauen, die zu Beginn der Untersuchung nicht an Gicht erkrankt waren, standen über einen Zeitraum von 22 Jahren Daten zum Getränkekonsum zur Verfügung, die mithilfe von Fragebögen erhoben worden waren. Im untersuchten Zeitraum erkrankten 778 Frauen an Gicht. Der Konsum mit Fructose gesüßter Getränke erhöhte das Gichtrisiko eindeutig. Bei einem gesüßten Getränk pro Tag stieg das Risiko um 74 Prozent, bei zwei und mehr gesüßten Getränken täglich erhöhte sich das Risiko 2,4-fach im Vergleich zu Frauen, die nur einmal im Monat ein solches Getränk konsumierten. Ein Glas Orangensaft täglich – Orangen sind besonders reich an Fructose – erhöhte das Risiko um 41 Prozent, zwei und mehr Gläser um das 2,42-Fache. Obwohl die Risikoerhöhung durch Fructose bei Frauen deutlich ausgeprägt war, ist das absolute Gichtrisiko für Frauen eher niedrig. Sie erkranken deutlich seltener als Männer. Choi wies darauf hin, dass Ärzte die Harnsäure-erhöhende Wirkung von Fructose im Hinterkopf behalten sollten. Als Alternative kämen Diätgetränke infrage, denn sie erhöhten das Gichtrisiko nicht. /

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