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Arzneimittelsicherheit

Weltweiter Schlag gegen Fälscher

24.11.2009
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Von Daniel Rücker / Gefälschte Arzneimittel sind ein weltweites Problem. Deshalb gehen die Behörden verschiedener Industrieländer nun gemeinsam gegen die Täter vor. In der vergangenen Woche sind ihnen zahlreiche Fälscher ins Netz gegangen.

In einer konzertierten Aktion mit dem Namen »Pangea 2« haben die Arzneimittelbehörden aus 24 Ländern gemeinsam mit Polizei und Zollbehörden zwischen dem 16. und 20. November die Betreiber von 751 illegalen Internet-Apotheken kontrolliert. 72 Websites, über die gefälschte oder verschreibungspflichtige Arzneimittel verkauft wurden, konnten danach abgeschaltet werden.

Außerdem wurden rund 16 000 verdächtige Päckchen aufgefunden und 995 beschlagnahmt. Zudem wurden 167 000 gefälschte Tabletten sichergestellt. Nach Angaben von Interpol wird jetzt gegen 22 Personen ermittelt, unter anderem wegen des illegalen Verkaufs und der Beschaffung nicht zugelassener oder rezeptpflichtiger Medikamente. »Das vorrangige Ziel von Operation Pangea 2 ist der Schutz der Öffentlichkeit durch die Beschlagnahmung gefälschter, rechtswidriger Medikamente, die Unterbindung illegaler Verkäufe über das Internet und die Verfolgung von Personen, die potenziell das Leben unschuldiger Verbraucher aufs Spiel setzen«, erklärte Interpol-Generalsekretär Ronald Noble. Gleichzeitig sollte mit der internationalen Aktion die Öffentlichkeit sensibilisiert werden, keine Medikamente von unkontrollierten Websites zu kaufen, weil hier das Risiko beträchtlich erhöht sei, gefälschte, minderwertige oder gefährliche Produkte zu erhalten, heißt es in einer Stellungnahme des Bundeskriminalamtes (BKA), das die Aktion in Deutschland koordiniert hatte.

 

Die Ermittler konnten bei der Aktion nach BKA-Angaben umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmen, darunter angebliche Nahrungsergänzungsmittel aus dem Lifestyle- und Bodybuildingbereich, nicht zugelassene und gefälschte Potenzmittel sowie anabole Steroide und Wachstumshormone. Zeitgleich führte der Zoll gezielte Kontrollen durch, um illegale Arzneimittel aufzuspüren, die auf dem Postweg von außerhalb der EU nach Deutschland geliefert wurden.

 

Arzneimittel nur über Apotheken

 

In Deutschland wurde in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz ermittelt. Die Betreiber der Websites hatten nicht zugelassene, gefälschte und verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept an ihre Kunden abgegeben. Die Medikamente enthielten nach Angaben des BKA zum Teil andere Wirkstoffe oder Wirkstoffstärken als auf der Verpackung angegeben. Oft fehlten Produktbeschreibungen in deutscher Sprache. Die Medikamente werden von Gutachtern deshalb als gesundheitlich bedenklich eingestuft. BKA-Präsident Ziercke: »Die Gesundheit ist eines der höchsten Güter und ihr Schutz erfordert unsere volle Aufmerksamkeit. Durch gefälschte Arzneimittel, die zum Teil ohne Wirkstoffe, mit falschen Wirkstoffen oder Wirkstoffmengen sowie gefälschten Packungen oder Beipackzetteln auch über das Internet vertrieben werden, gehen sehr hohe gesundheitliche Risiken für den Verbraucher aus... Ich appelliere daher, dubiose Internetangebote zu meiden und Arzneimittel, auch im Internet, nur über die zugelassenen Apotheken zu beziehen.« Auch Interpol-Generalsekretär Noble setzt auf mehr Vorsicht beim Arzneimittelkauf: »Wir hoffen, dass wir den Verbrauchern ein gestärktes Bewusstsein für die Gefahr illegaler Internet-Apotheken vermitteln konnten und sie damit dazu bewegen, beim Kauf von Medikamenten über das Internet vorsichtiger zu sein.«

Zahlreiche internationale Organisationen haben die Operation Pangea 2 unterstützt, unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Weltzollorganisation und die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA. An der Aktion haben viele westeuropäische Länder sowie Tschechien, Kanada, Südafrika, Thailand, Singapur und die USA teilgenommen.

 

Deutschlands Apotheker begrüßen den länderübergreifenden Kampf gegen den Handel mit gefälschten Arzneimitteln. Der Kampf gegen den illegalen Medikamentenhandel im World Wide Web muss global geführt werden«, begrüßt Heinz-Günter Wolf, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, die Operation: »Profitgierige Betrüger und Kriminelle, die die Gesundheit von Menschen aufs Spiel setzen, müssen aufgespürt und bestraft werden.« /

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