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Testkäufe

Unfair oder hilfreich?

28.10.2015
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Von Verena Arzbach, Düsseldorf / Testkäufe in Apotheken sind ein beliebtes Thema für Verbrauchermagazine. Am Ende entsprechender TV-Beiträge gibt es häufig schlechte Noten für die Beratungsleistung in Apotheken. Bei einer Podiumsdiskussion auf dem OTC-Gipfel des Apothekerverbands Nordrhein diskutierten Experten darüber, ob die Testkäufe Apotheken nur bewusst bloßstellen sollen oder ob sie Ansporn sein können, qualitätssteigernde Maßnahmen für die Beratung zu entwickeln.

»Wir Apotheker begrüßen transparente Prüfungen, die die Arbeit in öffentlichen Apotheken unterstützen«, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein. Mediale Beiträge, die nur darauf ausgelegt seien, die Apotheken in schlechtem Licht darzustellen, nutzten jedoch niemandem und seien eine Enttäuschung für diejenigen Apothekenmitarbeiter, die gute Arbeit leisten.

Es gehe bei den Tests mitnichten darum, die Apotheken zu verunglimpfen, hielt Professor Gerd Glaeske dagegen. Der Gesundheitsökonom von der Universität Bremen hat in der Vergangenheit schon häufig Apotheken-Testkäufe in den Medien kommentiert und auf die teils schlechte Beratungsleistung hingewiesen. »Wenn sich die Apotheker als Beratungsexperten begreifen, müssen sie auch überprüfen lassen, ob die Qualität der Beratung stimmt«, so Glaeske.

 

Bei der Auswahl eines OTC-Präparats müsse immer die Evidenz im Vordergrund stehen, forderte der Apotheker. Als negatives Beispiel führte er Testkäufe des NDR in Hamburg aus diesem Jahr an. Dabei hatten nahezu alle der zehn getesteten Apotheken Dobendan® gegen Halsschmerzen empfohlen. Nach Ansicht von Glaeske gibt es mit Mucoangin® allerdings ein geeigneteres Präparat für diese Indikation. Eventuell steckten gute Einkaufskonditionen hinter den einseitigen Empfehlungen, so Glaeskes Vermutung. Auf den Vorwurf, ein Szenario mit lediglich zehn getesteten Apotheken sei wenig repräsentativ, entgegnete er, dass auch Testkäufe der Stiftung Warentest bei rund 1200 Apotheken nicht grundsätzlich bessere Ergebnisse lieferten.

 

Den Kunden umstimmen

 

Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, zeigte sich dagegen insgesamt zufrieden mit den Ergebnissen, die Apotheken bei Pseudo-Customer-Käufen der Kammern erzielten. »Zwei Drittel der Apotheken beraten gut.« Wenn der Kunde ein Symptom schildere, sei die Beratung in allen Apotheken durchweg gut, so Engelen. Kommt der Patient dagegen mit dem Wunsch nach einem bestimmten Präparat, sei es mitunter komplizierter. Engelen: »Es ist eine schwierige Aufgabe, den Kunden umzustimmen, wenn das gewünschte Präparat nicht optimal für ihn ist. Das gelingt auch nicht immer.« Dem stimmte auch Glaeske grundsätzlich zu. »Der Apotheker kann in solchen Fällen von der Evidenz abweichen, er muss es aber bewusst tun.«

 

Der Apotheker müsse den Patienten natürlich darauf hinweisen, dass das gewünschte Präparat nicht das richtige ist, betonte auch Verbandschef Preis. Aber: »Letztendlich darf der Patient selbst entscheiden, welches Präparat er kaufen möchte«, sagte Dirk Meyer, Patientenbeauftragter der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Dem pflichtete auch Professor Michael Habs bei, der bis vor Kurzem lange Jahre stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands der pharmazeutischen Industrie war: »Der Kunde entscheidet selbst.« Einige sähen nicht einmal die Notwendigkeit einer Beratung.

 

Für Meyer sind Apotheken ein unverzichtbarer Bestandteil des Gesundheitssystems und in vielen Fällen erster Ansprechpartner. Die mitunter durchaus unfaire Kritik an der Beratungsleistung der Apotheker sollten diese konstruktiv nutzen, um einen Qualitätsprozess anzustoßen. Glaeske regte zudem an, dass die Apotheker gemeinsam mit Ärzten eine Liste von OTC-Arzneimitteln erstellen, deren Wirksamkeit belegt ist. Auch in der Öffentlichkeit könnten die Apotheker so deutlich machen, dass sie als wissenschaftlicher Heilberuf auf Qualität setzen. /

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