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Multiple Sklerose

Daclizumab HYP besser als Interferon

28.10.2015
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Von Kerstin A. Gräfe / Der monoklonale Antikörper Daclizumab HYP (high-yield process) reduziert bei Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose die Schubrate signifikant deutlicher als eine Standardtherapie mit Interferon beta-1A. Die Ergebnisse der Phase-III-Studie sind im Fachmagazin »New England Journal of Medicine« veröffentlicht.

An der doppelblinden kontrollierten Studie DECIDE nahmen in 28 Ländern 1841 Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose teil. Sie erhielten entweder einmal pro Monat subkutan 150 mg Daclizumab HYP (beziehungsweise Placebo) oder einmal pro Woche intramuskulär 30 µg Interferon beta-1A (beziehungsweise Placebo). Die Behandlungsdauer betrug 144 Wochen. Primärer Endpunkt war die Schubrate.

Schubrate signifikant reduziert

 

Am Studienende betrug sie im Daclizumab-HYP-Arm 0,22 pro Jahr gegenüber 0,39 pro Jahr im Interferon-Arm, was einer signifikanten Reduktion der jährlichen Schubrate um 45 Prozent entspricht (DOI: 10.1056/ NEJMoa1501481). Ebenfalls signifikant niedriger war unter der Daclizumab-HYP-Therapie die Anzahl der neuen oder vergrößerten Läsionen in der Kernspintomografie (4,3 versus 9,4 unter Interferon beta- 1A). Auch hinsichtlich des sekundären Endpunkts – eine mindestens drei Monate anhaltende Verschlechterung des Behinderungsgrads – konnte Daclizumab HYP punkten. Unter dem Antikörper klagten 16 Prozent über diesen Zustand, unter der Interferon-Therapie 20 Prozent. Der Unterschied war allerdings nicht signifikant.

 

Unter Daclizumab HYP traten insgesamt mehr unerwünschte Wirkungen auf als unter der Interferon-Behandlung (15 versus 10 Prozent). So traten mit 65 Prozent mehr Infektionen unter dem Antikörper auf als in der Inter­feron-Gruppe mit 57 Prozent. Deutlich häufiger waren mit 37 versus 19 Prozent auch Hautreaktionen. Bei 6 Prozent der Patienten kam es unter der Daclizumab-HYP-Therapie zu einem deutlichen Anstieg der Leberenzyme (3 Prozent unter Interferon beta-1A).

 

Dennoch bewertet Studienleiter Professor Dr. Ludwig Kappos die Daten positiv: »Die Ergebnisse zeigen das Potenzial von Daclizumab HYP, die entzündliche Aktivität bei schubförmiger Multipler Sklerose besser zu kontrollieren als mit herkömmlichen Behandlungen«, sagte der Chefarzt der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsspitals Basel in einer Pressemitteilung. Zudem sei die Therapie mit ihren monatlichen subkutanen Injektionen gegenüber den wöchentlichen intramuskulären Injektionen für die Patienten angenehmer.

 

T-Zellwachstum wird gedrosselt

 

Daclizumab HYP ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der hoch­spezifisch die CD25-Untereinheit des Interleukin-2-Rezeptors blockiert. Seine therapeutische Wirkung beruht vermutlich darauf, dass durch die Blockade des Interleukin-2-Rezeptors ein Anstieg natürlicher Killerzellen induziert wird, die ihrerseits das T-Zell-Wachstum deutlich drosseln. T-Zellen nehmen eine Schlüsselrolle bei der Zerstörung der Myelinscheiden und der Ent­stehung typischer Multiple-Sklerose- Entzündungsherde ein.

 

Daclizumab HYP ist ein gezielt veränderter Abkömmling von Daclizumab, um dessen Zytotoxizität abzuschwächen. Daclizumab selbst war seit 1999 unter dem Handelsnamen Zenapax® zur Prophylaxe von Abstoßungsreak­tionen nach Nierentransplantationen als Teil einer Kombinationstherapie mit Ciclosporin und Corticosteroiden auf dem Markt. Im Jahr 2009 wurde aus kommerziellen Gründen die europä­ische Zulassung auf Antrag des Herstellers zurückgenommen. /

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