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Malaria-Impfstoff

WHO empfiehlt ersten Einsatz

28.10.2015
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Die Weltgesundheitsorganisation hat sich dafür ausgesprochen, den ersten Impfstoff gegen Malaria Mosquirix (RTS,S) trotz seiner mäßigen Wirksamkeit in einem Pilotprojekt in Afrika einzusetzen. Wenn er sich dort bewährt, könnte der Einsatz ausgeweitet werden. Warum die Effektivität der Vakzine so gering ist, zeigt eine aktuelle genetische Analyse.

Auf ihn wurden große Hoffnungen gesetzt: Der erste Malaria-Impfstoff, der die klinische Prüfung der Phase III durchlaufen hatte. Doch die Wirksamkeit des kurz vor der Zulassung stehenden Impfstoffs RTS,S war enttäuschend gering. Warum das so ist, haben US-amerikanische Forscher mithilfe einer genetischen Analyse ermittelt: Das verwendete Antigen, ein Oberflächenprotein des Erregers, ist hoch variabel und die enthaltene Form eher selten. Das berichten Dr. Daniel Neafsey und seine Kollegen vom Broad Institute von MIT und Harvard in Boston im »New England Journal of Medicine«( DOI: 10.1056/NEJMoa1505819).

Die Vakzine enthält als Antigen eine Variante des Circumsporozoit-Proteins (CS-Protein), das auf der Oberfläche des Erregers Plasmodium falciparum sitzt. Um zu untersuchen, ob die genetische Diversität des CS-Gens für die Schutzwirkung des Impfstoffs eine Rolle spielt, analysierten die Forscher Blutproben von etwa 5000 geimpften Kindern. Zusätzlich werteten sie die medizinischen Daten über Malaria-Erkrankungen dieser Kinder aus, die eine Vakzinierung im Rahmen der Zulassungsstudien erhalten hatten. Aus den Blutproben sequenzierten die Forscher das Erregergenom und verglichen dessen CS-Fragment mit dem im Impfstoff enthaltenen Allel. Es zeigte sich, dass die Vakzine zwar einen Teilschutz gegen alle Erregervarianten bot, der beste Schutz jedoch bei Probanden zu beobachten war, deren Erreger-Allel mit dem Impf-Allel exakt übereinstimmte. Dies traf allerdings nur auf weniger als 10 Prozent der Kinder zu.

 

Die allelabhängige Wirksamkeit war in der Gruppe der Kleinkinder im Alter von fünf bis 17 Monaten, nicht aber bei den Säuglingen (sechs bis zwölf Wochen) zu beobachten. Frühere Studien hatten keinen Effekt der Allele auf die Wirksamkeit nachweisen können. Die aktuelle Untersuchung umfasst aber eine größere Probandenzahl und konnte auf sensitivere Sequenzierungsmethoden zurückgreifen. »Das ist die erste Studie, die groß genug ist und eine Methode benutzt, die ausreichend sensitiv ist, um dieses Phänomen zu entdecken«, sagt Neafsey laut einer Pressemitteilung des Instituts. Die Ergebnisse könnten die zukünftige Impfstoffentwicklung beeinflussen. Eine Malaria-Vakzine wäre effizienter, wenn sie mehrere Varianten des CS-Proteins enthielt. Diese zu entwickeln, würde aber wieder einige Zeit in Anspruch nehmen. Die RTS,S-Vakzine wurde 1985 erstmals von GlaxoSmithKline entwickelt, zu einem Zeitpunkt als die gentechnischen Möglichkeiten noch sehr eingeschränkt waren.

 

Pilotprojekt in Afrika

 

Im Juli empfahl der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, die Vakzine Mosquirix für die Impfung von Kindern zusammen mit etablierten Interventionen gegen Malaria zuzulassen. Die WHO hat sich nun für einen ersten Einsatz der Vakzine ausgesprochen: In einer gemeinsamen Sitzung kamen die Experten des Beratungsausschusses zu Impfstrategien und des Beratungsausschusses zu Malaria-Strategien zu der Empfehlung, die Vakzine trotz der moderaten Wirksamkeit in einem Pilotprojekt einzusetzen, teilt die WHO mit. Im Laufe des Projekts, das voraussichtlich 2016 starten und drei bis fünf Jahre dauern wird, soll rund eine Million Kinder in Gebieten mit hoher Malaria-Inzidenz den Impfstoff erhalten.

 

Ein Nachteil der Vakzine ist, dass die Applikation von vier Dosen notwendig ist, um überhaupt einen Schutz zu bewirken. Das Projekt soll neben Sicherheitsaspekten auch klären, wie praxis­tauglich der Impfstoff ist. »Wenn wir den Kindern nicht vier Dosen des Impfstoffs verabreichen können, werden wir ihn nicht verwenden«, sagte Jon Abramson, Pädiater und Mitglied des WHO-Beratungsausschusses zu Impfstrategien, in einer Pressekonferenz. Wenn ein breiter Einsatz der Vakzine beschlossen würde, müssten die finanziellen Mittel für die Malaria-Prävention und -therapie deutlich erhöht werden. Schon jetzt seien die Gelder für effektive Maßnahmen wie Moskitonetze und Artemisinin-Kombinationspräparate knapp. /

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