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Apothekertag-Eröffnung

Gemeinsam auf gutem Weg

18.10.2016  15:12 Uhr

In seiner Rede zur Eröffnung der Deutschen Apothekertags rief ABDA-Präsident Friedemann Schmidt zur Geschlossenheit in der Apothekerschaft auf. Das Ziel, den Apothekerberuf modern und zukunftssicher zu gestalten, könne der Berufsstand nur gemeinsam erreichen. Dabei sieht Schmidt in weiten Teilen die Politik an der Seite der Apotheker.

Die Politik habe in den vergangenen Jahren die Grundsätze des Apothekensystems nicht infrage gestellt, sondern sie sogar verteidigt. Diese positive Bilanz zog Schmidt in seinem Lagebericht. Vieles, was die Politik gemacht hat, habe sie gut gemacht, wobei einiges schneller, mutiger und weitreichender hätte sein können. Zudem bleibe noch einiges an Verbesserungspotenzial. Hierzu zählt vor allem auch der Medikationsplan, den Schmidt lieber als Medikations­liste bezeichnen möchte. 

 

Da die Apotheker an dessen Erstellung nicht maßgeblich beteiligt sind, bleibe dieses Mittel weit hinter seinen Möglichkeiten zurück, die Therapiesicherheit zu steigern. Die Medikationsliste könne nur ein erster Schritt sein. »Wir erwarten daher schnell die unbedingt notwendige Weiterentwicklung.« Schmidt wünschte sich vor allem mehr Bereitschaft von der Politik, die Kompetenzen der Apotheker im Gesundheitssystem besser zu nutzen und deren fachliche Verantwortung zu stärken.

 

Zudem forderte er von der Politik, sich weiterhin für die Stabilität des freiberuflich geprägten Apothekensystems einzusetzen und das Vergütungssystem so weiterzuentwickeln, dass die flächendeckende Arzneimittelversorgung durch Apotheken langfristig gesichert ist und der Berufsnachwuchs gute Perspektiven hat. »Wir müssen Verlässlichkeit in der Vergütung herstellen«, sagte Schmidt. Aber auch die Apotheker müssten sich bewegen und ihren Weg hin zu einem modernen zukunftssicheren Beruf, wie im »Perspektivpapier Apotheke 2030« festgehalten, fortsetzen. Dabei sei es wichtig, nicht den Zusammenhalt zu verlieren, betonte der ABDA-Präsident und verglich die Apothekerschaft mit einer Wandergruppe, die einen Berg erklimmen möchte. Während einige vorneweg liefen und nach Abkürzungen suchten, würden andere hinterherlaufen und sich über das falsche Schuhwerk beschweren. In dieser Situation seien Geduld und Engagement gefragt, um den Zusammenhalt zu erhalten. »Wir lassen niemanden zurück«, so Schmidt. »Wir erreichen das Ziel gemeinsam, oder wir erreichen es gar nicht.«

 

Gegen den Pessimismus

 

Zusammenhalt und Einigkeit seien die Stärken der Apothekerschaft, ebenso wie das in sie gesetzte Vertrauen der deutschen Bevölkerung. »82 Millionen Menschen brauchen, suchen und schätzen unsere Arbeit.« Dieses Vertrauen sei ein Zeichen für die gesellschaftliche Wertschätzung der Apotheker, es stelle aber auch eine Verpflichtung dar. Die Apotheker könnten das in sie gesetzte Vertrauen nutzen, um den Sorgen und Problemen, die derzeit in der Gesellschaft und im Gesundheits­wesen sichtbar werden, zu begeg­nen. Globalisierung, digitale Revolu­tion und demografische Veränderungen, darunter auch die Mi­gration, verunsicherten viele Menschen. Dieser Pessimismus zeige sich auch im Gesundheitssystem. Laut Umfragen befürchten viele Menschen, dass dessen Qualität nicht gehalten werden könne und dass therapeutische Innovationen nicht zu erwarten seien. Dies sei ein starker Kontrast zur Realität, betonte Schmidt.

 

Apotheker sollten sich gegen diesen Pessimismus wenden. Die Pipeline für neue Arzneimittel für schwere, zum Teil lebensbedrohliche Erkrankungen sei gut gefüllt. Viele dieser neuen Substanzen seien Türöffner für neue Behandlungswege. »Wir dürfen nicht zulassen, dass der laufende Innovationsprozess in der öffentlichen Debatte auf seine ökonomische Dimension verkürzt wird.« Denn moderne Arzneimittel seien das wichtigste Instrument der Medizin. Die Diskussion sollte versachlicht werden. Für Kassandrarufe zum Untergang des Finanzierungssystems der Kranken­kassen sei kein Platz.

 

Darüber hinaus sollten sich Apotheker – gerade auch wegen ihres naturwissenschaftlichen Hintergrundes – für Vernunft und Objektivität in der Gesellschaft insgesamt einsetzen. Zusammen wären die 60 000 Apotheker eine politische Kraft, die sich neben einer Verbesserung im Gesundheits­wesen auch für eine »freiheitliche, offene und gerechte Gesellschaft einsetzen« könne, für eine »Gesellschaft des Fortschritts ohne Angst«. Für eine politische Partei, die in Deutschland Politik gestalten will, sei es hilfreich, die Apotheker an ihrer Seite zu haben. Dafür müsse die Politik aber auch an der Seite der Apotheker sein, stellte Schmidt klar.

 

Er appellierte an die Politiker, das Gesundheitswesen gemeinsam mit den Apothekern zu einem modern strukturierten System umzubauen und dabei die Verantwortung der Apotheker zu stärken. Dabei forderte er unter anderem eine Rechtsgrundlage für Dienstleistungsverträge und eine faire Honorierung der Leistungen. Wenn die Politik diesen Forderungen nachkommt, sichere sie »die Zukunft der Arzneimittelversorgung in einem Gesundheitswesen, dem die Menschen zu Recht vertrauen«. /

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