Pharmazeutische Zeitung online
Atemwegsinfekte

Inhalieren will gelernt sein

18.10.2016  15:33 Uhr

PZ / Inhalationen unterstützen die Therapie von Atemwegs­erkrankungen. Damit die eingeatmeten Wirkstoffe auch da ankommen, wo sie wirken sollen, bedarf es der richtigen Technik.

Das altbekannte Kamilledampfbad ist die klassische Version einer Inhalation. Bei der Salzwasserinhalation funktioniert die Kochtopf-Methode allerdings nicht. Zwar löst sich das Salz im Wasser vollständig, doch der Dampf enthält kein Kochsalz. Salz- oder Arzneistoff­lösungen lassen sich nur als Aerosol einatmen. Das geht in den eigenen vier Wänden mit einem elektrischen Düsen­vernebler (zum Beispiel Pariboy®) oder mit einem Ultraschallvernebler (etwa Aerosonic® mobil). Sie bringen die Wirkstoffe in Form von Aero­solen bis tief in die Lunge.

Durch die lokale Applikation und die große Resorptionsfläche tritt die Wirkung rasch ein. Weniger als ein Zehntel der sonst benötigten Arzneistoffdosis reicht für den Effekt aus, was zu weniger Nebenwirkungen an anderen Organen führt. Wer kein Gerät zu Hause hat, den bestellt der Arzt zu regelmäßigen Inhalationssitzungen in die Praxis. Das ist meist bei Kindern der Fall. Manche Apotheken verleihen auch solche Inhalationsgeräte.

 

Manchmal erweist sich ein Atemwegsinfekt als besonders hartnäckig beziehungsweise als sehr belastend. Typisch sind ein trockener Husten und Kurzatmigkeit, das Ausatmen wird von pfeifenden Ausatemgeräuschen begleitet. Das sind die Symptome einer spastischen (obstruktiven) Bronchitis. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind betroffen. Weil die Atemwege bei ihnen altersbedingt enger sind als bei älteren Kindern, kann bereits eine leichte Schwellung der Schleimhaut die Bronchien erheblich einengen. Zusätzlich kann die Bronchialmuskulatur verkrampfen. Weil die Atmung erheblich mehr Leistung abverlangt, sind die Kinder rasch erschöpft. Mit zunehmendem Alter verliert sich diese Symptomatik.

 

Keine ätherischen Öle

 

Die Beschwerden erinnern an ein Bronchialasthma; deshalb führt am Besuch beim Kinderarzt kein Weg vorbei. Tatsächlich spricht die Symptomatik für ein Asthma, wenn die Beschwerden über mehr als vier bis sechs Wochen anhalten und/oder sich solche Episoden der akuten Erkrankung zwei- bis dreimal pro Jahr wiederholen.

 

Um die Bronchien zu erweitern und die Sekretolyse zu unterstützen, verordnet der Mediziner Sympathomimetika wie Salbutamol entweder zur Inhalation oder zum Einnehmen. Daneben eignen sich auch Anticholinergika wie Ipratropiumbromid oder das Sekretolytikum Ambroxol zum Inhalieren. Die noch oft geübte Praxis, ätherische Öle auf die Kleidung zu tropfen oder Brust und Rücken damit einzureiben, ist für Kinder mit spastischer Bronchitis nicht zu empfehlen. Vor allem Kleinkinder unter zwei Jahren reagieren auf zum Teil enthaltenes Menthol oder Campher sowie jegliche Minzöle. Es besteht dann Erstickungsgefahr durch eine reaktive Verkrampfung der Atemwegsmuskulatur (Glottisödem).

 

Für die Inhalation nimmt der Patient das Mundstück, das er zuvor auf den Vernebler gesetzt hat, zwischen die Zähne und umschließt es dicht mit den Lippen. Säuglingen und Kleinkindern legen die Eltern die Maske dicht über Mund und Nase und halten den Vernebler während der gesamten Inhalation fest. Dieser muss dabei immer senkrecht stehen und der Patient mit möglichst aufrechtem Oberkörper sitzen. Wenn die Kinder schreien oder weinen, bringt die Inhalation keinen Effekt. Sie müssen ruhig und gleichmäßig atmen.

 

Die Mischung macht’s

 

Die Inhalationslösung müssen die Eltern meist selbst herstellen. Dazu füllen sie etwa 2 ml sterile Kochsalzlösung als Trägersubstanz in den Vernebler und geben die verordnete Tropfenzahl der Arzneistofflösung hinzu. Diese Lösung sollte komplett inhaliert werden, Reste sind zu verwerfen. Muss die Kochsalzlösung aus einem Vorrats­gefäß entnommen werden, ist auf steriles Arbeiten zu achten; dazu am besten sterile belüftete Aufziehkanülen verwenden. Die angebrochene Flasche im Kühlschrank aufbewahren. Unkonservierte 20-ml-Ampullen dürfen nach Anbruch maximal 24 Stunden lang benutzt werden. Einfacher geht es mit 2,5-ml-Einzeldosen-Ampullen (etwa von Pari) mit Kochsalzlösung, zum Teil mit einem Arzneistoff wie Salbutamol fertig gemischt (wie Salbutamol Fertig­inhalat).

 

Ungeeignet für die Inhalation mit Geräten sind Hustensäfte, Gurgel­lösungen, Balsamzubereitungen oder ätherische Öle. Sie sind oft klebrig und zäh und können die Düse des Gerätes verstopfen. /

Mehr von Avoxa