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G7-Gesundheitsministerkonferenz

Globaler Kampf gegen Resistenzen

13.10.2015
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Von Stephanie Schersch, Berlin / Im globalen Kampf gegen resistente Keime wollen die G7-Staaten künftig noch enger zusammenarbeiten. Darauf einigten sich die Gesundheitsminister der sieben Industrienationen vergangene Woche in Berlin. Ein zentrales Ziel bleibt demnach die weltweite Verschreibungspflicht für Antibiotika.

Zwei Tage lang berieten die Minister über drängende Probleme in der globalen Gesundheitspolitik. Multiresistente Erreger standen dabei ganz oben auf ihrer Agenda. Antibiotika dürften nur zu therapeutischen Zwecken und nach individueller Diagnose zum Einsatz kommen, hielten die Politiker in einer gemeinsamen Erklärung fest. Große Bedeutung kommt demnach einer weltweiten Verschreibungspflicht für diese Präparate in der Human- und Tiermedizin zu. Länder mit schwächer aufgestellten Gesundheitswesen sollten dabei unterstützt werden, entsprechend strikte Regeln zu erlassen und nationale Aktionspläne zu entwickeln, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zum Abschluss der Konferenz.

Darüber hinaus wollen sich die G7-Staaten dafür einsetzten, die Zulassungsverfahren für innovative Präparate zu harmonisieren, »damit neue Antibiotika schneller auf den Markt kommen und zu Therapiezwecken zur Verfügung stehen«, wie es aus dem Bundesgesundheitsministerium heißt. Zudem sollen wirtschaftliche Anreize zur Entwicklung neuer Antibiotika wie ein globaler Forschungsfonds geprüft werden.

 

Gröhe nannte die Vereinbarungen ein starkes Zeichen. »Wir müssen Gesundheit mehr denn je global denken – denn Krankheiten machen nicht an Staatsgrenzen halt«, sagte er. Schätzungen zufolge sterben jährlich 700 000 Menschen weltweit durch eine Infektion mit einem multiresistenten Keim. Allein in der EU verursachen Antibiotika-Resistenzen heute Kosten von rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr. Gelingt es nicht gegenzusteuern, rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für 2050 mit Verlusten in Höhe von insgesamt 2,9 Billionen US-Dollar in den OECD-Ländern.

 

Auch die Wissenschaftsminister der G7-Staaten trafen sich vergangene Woche in Berlin. Ein Schwerpunkt ihrer Beratungen war die Gesundheitssituation in den Entwicklungsländern. Gemeinsam wollen die Staaten ihre Forschung im Bereich der sogenannten vernachlässigten armutsbedingten Infektionskrankheiten ausweiten. Dazu zählen unter anderem HIV, Malaria und Tuberkulose, aber auch die Schlafkrankheit und das Dengue-Fieber.

 

»Wir wissen viel zu wenig über diese Krankheiten«, sagte Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU). Zunächst sollen nun alle laufenden Forschungsprojekte zu diesen Erkrankungen erfasst werden. Es müsse darum gehen, vor allem die Grundlagenforschung künftig besser zu koordinieren, so Wanka. In Zukunft sollten zudem verstärkt öffentliche und private Einrichtungen kooperieren und gemeinsam forschen. Die Bundesregierung will entsprechende Partnerschaften im kommenden Jahr mit insgesamt 50 Millionen Euro fördern. /

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