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Typ-1-Diabetes

Lebenserwartung gestiegen

15.10.2013
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04/18 Informationen der Institutionen und Behörden: Einführung einer Patienten-Erinnerungskarte für Pamidronsäure-haltige Zur Kenntnis genommen:

Datum:                     

 

 

 [Pharm. Ztg. 2018 (163) 4:95]

Dienstag, 23. Januar 2018, 13:32

23 000 Tote gehen jährlich in den USA auf das Konto von Infektionen mit multiresistenten Erregern. Diese Zahl nennt die CDC in ihrem aktuellem Bericht »Antibiotic Resistance Threats in the United States 2013« (www.cdc.gov/drugresistance/threat-report-2013).

 

Die Lage ist sehr ernst. Der Handlungsspielraum wird immer enger und selbst Reserveantibiotika werden zunehmend resistent. Die Verbreitung von Multiresistenzen kann sich bei manchen Bakterien mit enormer Geschwindigkeit vollziehen, so Steve Solomon, Direktor des CDC-Office of Antimicrobial Resistance in einer Pressemitteilung der CDC.

 

Der unkritische Einsatz von Antibiotika, der die Hauptschuld an der aktuellen Lage trägt, hat unterschiedliche Aspekte: Erstens erfolgen viele Verordnungen ohne kritische Indikationsstellung. Zweitens werden oft Fehler bei der Anwendung gemacht, das heißt, die antibakteriellen Wirkstoffe werden nicht konsequent und nicht lange genug eingenommen. Und drittens ist auch der inflationäre Einsatz dieser hochwirksamen Substanzen in der Tierhaltung ein Riesenproblem. Nicht selten werden Antibiotika hier prophylaktisch eingesetzt, um die Erträge zu steigern.

 

Allein 11 000 Todesfälle werden laut CDC jährlich durch MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) verursacht – ein Keim, der auch in Deutschland trotz rückläufigen Trends nach wie vor zu den relevanten Problemkeimen zählt. Als äußerst bedrohlich wird außerdem die Situation bei Carbapenem-resistenten Enterobakterien, bei Neisseria gonorrhoeae sowie bei Clostridium difficile eingestuft.

 

Bleibt die Frage, wie man das Problem in den Griff bekommen kann. Neben einer strengen Indikationsstellung ist auch die Kontrolle der Compliance ein wichtiges Anliegen der Experten. Zudem wird auf die Infektionspräven­tion durch einfache Hygienemaßnahmen fokussiert. Und letztlich setzen die Experten auf die Entwicklung innovativer antibakterieller Wirksubstanzen – auch das zeigt, wie eng es bereits geworden ist.

 

Dazu sinn­gemäß CDC-Direktor Tom Frieden auf einer Pressekonferenz der CDC: Wenn nicht rasch etwas passiert, stehen wir mit leeren Händen da und können lebensbedrohliche Infektionen nicht mehr therapieren. /

Von Sven Siebenand, Barcelona / Die Lebenserwartung von Typ-1-Diabetikern hat deutlich zugenommen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftlern um Professor Dr. Helen Colhoun und Dr. Shona Livingstone von der University of Dundee in Schottland. Auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Barcelona stellten sie diese nun vor.

Typ-1-Diabetiker haben zwar gegenüber der gesunden Allgemeinbevölkerung immer noch eine geringere Lebenserwartung. »Die Schätzungen darüber, wie hoch diese Differenz ist, basieren aber selten auf aktuellen Daten«, so Colhoun. Immerhin habe es in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte in der medizinischen Versorgung von Typ-1-Diabetikern gegeben. Aus diesem Grund habe man die aktuelle Analyse in Angriff genommen.

 

Die Forscher verwendeten Daten aus den Jahren 2008 bis 2010 von mehr als 20 000 schottischen Typ-1-Diabetikern im Alter von mindestens 20 Jahren und verknüpften diese mit Daten aus dem allgemeinen Sterberegister in Schottland. Die verbleibende Lebens­erwartung von Männern beziehungsweise Frauen mit Typ-1-Diabetes im Alter zwischen 20 und 24 Jahren lag der Analyse zufolge bei 45 beziehungsweise 47 Jahren. In der Allgemeinbevölkerung können Männer und Frauen in diesem Alter 56 beziehungsweise 61 weitere Lebensjahre erwarten.

Mit steigendem Lebensalter nahm der Unterschied in der verbleibenden Lebenserwartung zwischen Diabetikern und Allgemeinbevölkerung ab. Während der Unterschied bei den 20- bis 24-jährigen Männern elf Jahre betrug, lag er bei den 65- bis 69-jährigen Männern nur noch bei fünf Jahren (12 versus 17 Jahre). Bei den Frauen sah es ähnlich aus. Betrug die Differenz der Lebenserwartungen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren insgesamt 14 Jahre, so lag dieser Wert im Alter von 65 bis 69 Jahren nur noch bei sieben Jahren (12 versus 19 Jahre).

 

Appell an Versicherungen

 

Colhoun zufolge lassen sich diese Daten aus Schottland auch auf andere europäische Länder übertragen. Im Vergleich zu früheren Untersuchungen zeigen diese Zahlen einen deutlichen Anstieg der Lebenserwartung von Typ-1-Diabetikern. Zum Beispiel hatten Goodkin und Kollegen im Jahr 1975 eine gegenüber der Allgemein­bevölkerung um 27 Jahre verminderte Lebenserwartung von Typ-1-Diabetikern genannt. Diabetes UK beziffert Colhoun zufolge den Unterschied bei der Lebenserwartung aktuell immer noch auf mehr als 20 Jahre. Die Wissenschaftlerin forderte, dass zum Beispiel Versicherungsgesellschaften die Erhöhung der Lebenserwartung in den Policen für Typ-1-Diabetiker berücksichtigen sollten.

 

Ferner wies sie darauf hin, dass es immer noch Anstrengungen bedarf, um das Management des Typ-1-Diabetes weiter zu verbessern. Eine andere Untersuchung ihrer Arbeitsgruppe habe gezeigt, dass nur 13 Prozent der Typ-1-Diabetiker einen HbA1c-Wert von weniger als 7 Prozent erreichen und nur 23 Prozent der Patienten unter 7,5 Prozent lagen. Viele hätten sogar eine sehr schlechte Blutzuckereinstellung. Auch in Sachen Hypertonie-Behandlung sieht Colhoun bei Typ-1-Diabetikern noch Handlungsbedarf. Zudem sei der Anteil von Rauchern bei Typ-1-Diabetikern genauso hoch wie in der Allgemeinbevölkerung (28 Prozent). Es müsse noch mehr unternommen werden, damit gerade Diabetiker dem Glimmstängel Adieu sagen. Denn sie hätten ein noch höheres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und einen damit in Zusammenhang stehenden Tod als stoffwechselgesunde Raucher.

 

Kinder bescheren Lebensjahre

 

Von einer ganz anderen Möglichkeit, das Sterberisiko von Typ-1-Diabetikern zu senken, berichtete Dr. Lena Sjöberg von der Universität Helsinki: Nachwuchs zeugen. Ihrer Untersuchung zufolge ist die Mortalität bei Typ-1-Diabetikerinnen mit Kindern gegenüber kinderlosen Patientinnen deutlich gesenkt. Bei Männern mit Typ-1-Diabetes ist dieser Effekt weniger stark ausgeprägt.

 

In die Untersuchung flossen Daten von insgesamt 5162 Typ-1-Diabetikern in Finnland ein, die zwischen 1965 und 1979 im Alter von 17 Jahren oder jünger erkrankten und mit Insulin behandelt wurden. Für jeden Diabetiker suchten die Wissenschaftler aus der Datenbank des finnischen Sozialversicherungssystems zwei Kontrollpersonen mit demselben Geschlecht, Geburtsjahr und derselben Geburtsregion. Bis in das Jahr 2010 waren 1025 Typ-1-Diabetiker gestorben, in der Kontrollgruppe waren es knapp 500 Todesfälle. Bei Personen mit Nachwuchs war das Sterberisiko unabhängig von ihrem Diabetesstatus aber um durchschnittlich 50 Prozent reduziert. »Je mehr Kinder eine Person hatte, desto niedriger war im Allgemeinen das Sterberisiko«, nannte Sjöberg ein weiteres Ergebnis. Sie machte darauf aufmerksam, dass es zwischen den Geschlechtern deutliche Unterschiede gab. So profitieren bei den Frauen Diabetikerinnen und Gesunde in gleichem Maße von diesem Kinder-Effekt. Bei den Männern war dies nicht der Fall. Väter ohne Diabetes profitierten mehr als zuckerkranke Väter. Eine mögliche Erklärung für den Geschlechterunterschied könnte laut Sjöberg sein, dass Frauen in der Schwangerschaft motivierter sind, eine gute Blutzucker­einstellung zu erreichen, dass sich dieser Effekt auch nach der Geburt fortsetzt und sich letztlich in Lebensjahren auszahlt. /

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