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Lieferengpässe

Apotheker kritisieren Rabattverträge

15.10.2013
Datenschutz bei der PZ

09/18 Rückruf: Magnevist® 0,5 mmol/ml, alle Packungsgrößen,

Magnevist® 0,5 mmol/ml
Alle Packungsgrößen, Injektionslösung
Alle Chargen

Die Firma Bayer Vital GmbH, 51368 Leverkusen, bittet um folgende Veröffentlichung:

„Eine Bewertung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat bestätigt, dass sich nach Injektion von Gadolinium-haltigen Kontrastmitteln geringe Mengen Gadolinium im Gehirn ablagern können. Da die langfristigen Risiken einer Gadoliniumablagerung im Gehirn unbekannt sind, empfahl die EMA das Ruhen der Zulassungen für intravenöse lineare Kontrastmittel in der EU mit Ausnahme der Wirkstoffe Gadoxetsäure und Gadobensäure, die weiterhin verfügbar bleiben, jedoch nur zur MRT-Bildgebung der Leber. Wir rufen daher alle in Verkehr befindlichen Chargen des Arzneimittels Magnevist® (Gadopentetsäure) 0,5 mmol/ml, alle Packungsgrößen, Injektionslösung (PZN 03974837, 03974866, 04873943, 03389116, 06961522, 06961545, 06635975, 06635981 und 06635998) zurück.
Bitte beachten Sie, dass das BfArM mit Stufenplanbescheid vom 13. Dezember 2017 das Ruhen der Zulassung ab dem 28. Februar 2018 (siehe Pharm. Ztg. 2018, Nr. 2, Seite 105) angeordnet hat und das Produkt daher nicht mehr verkehrsfähig ist.
Wir bitten Sie um Überprüfung Ihrer Warenbestände und Rücksendung der betroffenen Packungen zur Gutschrift an die von uns beauftragte

PharmLog GmbH
Siemensstraße 1
59199 Bönen.“

 

 

Zur Kenntnis genommen:

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Dienstag, 27. Februar 2018, 12:37

23 000 Tote gehen jährlich in den USA auf das Konto von Infektionen mit multiresistenten Erregern. Diese Zahl nennt die CDC in ihrem aktuellem Bericht »Antibiotic Resistance Threats in the United States 2013« (www.cdc.gov/drugresistance/threat-report-2013).

 

Die Lage ist sehr ernst. Der Handlungsspielraum wird immer enger und selbst Reserveantibiotika werden zunehmend resistent. Die Verbreitung von Multiresistenzen kann sich bei manchen Bakterien mit enormer Geschwindigkeit vollziehen, so Steve Solomon, Direktor des CDC-Office of Antimicrobial Resistance in einer Pressemitteilung der CDC.

 

Der unkritische Einsatz von Antibiotika, der die Hauptschuld an der aktuellen Lage trägt, hat unterschiedliche Aspekte: Erstens erfolgen viele Verordnungen ohne kritische Indikationsstellung. Zweitens werden oft Fehler bei der Anwendung gemacht, das heißt, die antibakteriellen Wirkstoffe werden nicht konsequent und nicht lange genug eingenommen. Und drittens ist auch der inflationäre Einsatz dieser hochwirksamen Substanzen in der Tierhaltung ein Riesenproblem. Nicht selten werden Antibiotika hier prophylaktisch eingesetzt, um die Erträge zu steigern.

 

Allein 11 000 Todesfälle werden laut CDC jährlich durch MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) verursacht – ein Keim, der auch in Deutschland trotz rückläufigen Trends nach wie vor zu den relevanten Problemkeimen zählt. Als äußerst bedrohlich wird außerdem die Situation bei Carbapenem-resistenten Enterobakterien, bei Neisseria gonorrhoeae sowie bei Clostridium difficile eingestuft.

 

Bleibt die Frage, wie man das Problem in den Griff bekommen kann. Neben einer strengen Indikationsstellung ist auch die Kontrolle der Compliance ein wichtiges Anliegen der Experten. Zudem wird auf die Infektionspräven­tion durch einfache Hygienemaßnahmen fokussiert. Und letztlich setzen die Experten auf die Entwicklung innovativer antibakterieller Wirksubstanzen – auch das zeigt, wie eng es bereits geworden ist.

 

Dazu sinn­gemäß CDC-Direktor Tom Frieden auf einer Pressekonferenz der CDC: Wenn nicht rasch etwas passiert, stehen wir mit leeren Händen da und können lebensbedrohliche Infektionen nicht mehr therapieren. /

Von Daniel Rücker und Yuki Schubert / Lieferengpässe gehören heute schon fast zu den Alltagsproblemen der Apotheken. Betroffen sind dabei vor allem Schilddrüsenpräparate, aber auch andere Medikamente und Grippeimpfstoffe. Für die Apotheken bedeutet dies Mehraufwand bei der Bestellung und bei der Beratung betroffener Patienten.

Nein, Deutschland ist kein Dritte-Welt-Land, auch wenn es Apothekern und ihren Patienten manchmal so vorkommen könnte. Immer wieder kommt es zu erheblichen Engpässen bei der Belieferung von Rezepten. Aktuell gibt es Lieferschwierigkeiten bei Schilddrüsenpräparaten, wie der Hessische Apothekerverband (HAV) berichtet. Demnach fehlt es besonders an Kombipräparaten mit Iod sowie an Arzneimitteln mit einem L-Thyroxin-Wirkstoffgehalt von 88 und 112 Mikrogramm. Die Hersteller hätten die Lieferengpässe mit einer großen Nachfrage an Schilddrüsenmedikamenten begründet, die derzeit nicht aufgefangen werden könne, heißt es beim HAV. Als Liefertermine hätten die Unternehmen den Zeitraum zwischen dem 21. Oktober und 30. November genannt.

In einer Umfrage der Pharmazeutischen Zeitung bestätigten zahlreiche Apotheker die Lieferprobleme bei L-Thyroxin oder bei Thyrona-Jod (lesen Sie dazu auch Nachgefragt). Das Problem lässt sich erwartungsgemäß nicht auf Hessen begrenzen, die Probleme gibt es bundesweit. Auch bei Grippe-Impfstoffen kündigen sich derzeit ähnliche Probleme an, wie im vergangenen Jahr. In Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Baden-Württemberg und Bremen gibt es wieder Lieferprobleme.

 

Fehlende Vakzine

 

Ob die so katastrophal ausfallen, wie im vergangenen Jahr lässt sich derzeit allerdings noch nicht abschätzen. Damals hatte der Hersteller Novartis erhebliche Probleme, auch weil es bei der Produktion Schwierigkeiten gab. In diesem Jahr ist das Schweizer Unternehmen erneut in vielen Bundesländern der Lieferant für die Vakzine. Nach dem Desaster im vergangenen Jahr wollten die Apotheker erreichen, dass es für Impfstoffe keine Exklusiv-Verträge mehr gibt. Genützt hat es wenig.

 

Der stellvertretende HAV-Vorsitzende Hans Rudolf Diefenbach macht denn auch die Rabattverträge zwischen Herstellern und Krankenkassen für die Lieferengpässe verantwortlich. Sie sorgten dafür, dass sich die Preisspirale immer weiter nach unten drehe. »Deshalb verlagert sich die Produktion von Arzneimitteln auf immer weniger Hersteller. Diese haben ihren Sitz aufgrund der niedrigen Lohnkosten oftmals in Indien oder China«, sagte er. Trete dort ein Produktionsproblem auf, seien Lieferprobleme unvermeidbar. Ähnlich äußerte sich der Deutsche Apothekerverband (DAV). Die Konzentration auf wenige Hersteller könne vordergründig effizienzsteigernd erscheinen, sagte eine DAV-Sprecherin. «Sie erhöht aber die Abhängigkeit der Arzneimittelversorgung in Deutschland von wenigen Produktionsstätten und damit das Risiko eines Ausfalls.«

 

Lieferschwierigkeiten hatte es laut HAV zuletzt auch bei Antibiotika sowie Cholesterin- und Blutdrucksenkern gegeben. Die von der PZ befragten Apotheker klagten über Defektenlisten mit bis zu 50 Positionen. Nach ihren Angaben sind Präparate des Generikaherstellers Betapharm besonders häufig betroffen. Diefenbach sieht jetzt den Gesetzgeber in der Pflicht: »Dass in einer hochentwickelten Industrienation wie Deutschland Patienten wochenlang auf ihr Arzneimittel warten müssen, ist ein gesundheitspolitischer Skandal.«

 

Mithilfe einer Liste über nicht lieferbare Medikamente, die auf der Internetseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu finden ist, soll die Öffentlichkeit eigentlich frühzeitig über Engpässe informiert werden. Allerdings basiert die Liste auf freiwilligen Angaben, sodass die Hersteller nicht dazu verpflichtet sind, Lieferprobleme dort zu melden. Zudem werden nur Präparate gelistet, bei denen laut BfArM »ein besonderer Informationsbedarf der Fachöffentlichkeit« vorliegt. /

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