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Bayer

Quintett für dritten Akt

15.10.2013  17:21 Uhr

Von Sven Siebenand / Das Pharmaunternehmen Bayer will bis 2015 fünf neue Wirkstoffe in die Phase III der klinischen Entwicklung überführen. Wie der Konzern in einer Pressemeldung mitteilt, handelt es sich dabei um Arzneistoffkandidaten aus den Bereichen Kardiologie, Onkologie und Gynäkologie.

Drei der Substanzen will Bayer für Anwendungen in der Kardiologie beziehungsweise beim kardiorenalen Syndrom entwickeln. Darunter befindet sich Finerenone, ein oral einzunehmender nicht steroidaler Mineralocorticoid-Rezeptorantagonist, der die schädlichen Auswirkungen von Aldosteron blockiert. Derzeit verfügbare steroidale Mineralocorticoid-Rezeptorantagonisten können die kardiovaskuläre Mortalität bei Patienten mit Herzinsuffizienz wirksam verringern. Wegen ihrer Nebenwirkungen werden sie jedoch häufig nicht eingesetzt. Finerenone befindet sich derzeit in Phase IIb der klinischen Entwicklung zur Behandlung der sich verschlechternden chronischen Herzinsuffizienz sowie der diabetischen Nephropathie.

Der zweite Arzneimittelkandidat im Bereich der Kardiologie, BAY 1021189, ist ein oral einzunehmender Stimulator der löslichen Guanylatcyclase. Den Start einer Phase-IIb-Studie bei Patienten mit sich verschlechternder chronischer Herzinsuffizienz erwartet Bayer noch für dieses Jahr. Das Enzym lösliche Guanylatcyclase katalysiert im Verbund mit Stickstoffmonoxid (NO) die Synthese von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP). Dieses spielt eine wichtige Rolle unter anderem bei der Regulierung von Gefäßtonus, Zellvermehrung, Fibrose und Entzündung.

 

Mit Riociguat hat Bayer auch den ersten Vertreter dieser neuen Wirkstoffklasse der Stimulatoren der löslichen Guanylatcyclase im Produktportfolio. Riociguat ist in den USA und Kanada bereits zugelassen, in der EU und in Japan ist die Zulassung beantragt. Eingesetzt wird es bei Patienten mit chronisch-thromboembolischer pulmonaler Hypertonie.

 

Zur Behandlung des kardio-renalen Syndroms wird derzeit ein Studienprogramm der Phase IIb mit dem neuen Wirkstoff Molidustat für Patienten mit Anämie und begleitender chronischer Nierenerkrankung und/oder terminalem Nierenversagen begonnen. Molidustat ist ein Inhibitor des Enzyms Hypoxie-induzierbarer Faktor-Prolyl­­­­­­­­­hydro­xylase (HIF-PH), der die Produk­tion von Erythropoietin (EPO) und die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Die Ergebnisse von Phase-I-Studien belegen laut Bayer, dass die Hemmung von HIF-PH durch Molidustat zur verstärkten endogenen Produktion von EPO führt.

 

Auf dem Gebiet der Onkologie will das Unternehmen Copanlisib, einen oral verfügbaren Hemmer der Phosphatidylinositol-3-Kinase (PI3K), in die Phase III überführen. In präklinischen Tumormodellen zeigte der Wirkstoff ein breites antitumorales Spektrum. Daten einer Phase-I-Studie bei Patienten mit follikulärem Lymphom lieferten vielversprechende erste klinische Hinweise. Derzeit läuft eine Phase-II-Studie bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom.

 

Last but not least plant Bayer Phase-III-Studien mit sPRM (BAY 1002670). Dabei handelt es sich um einen oral verfügbaren Progesteronrezeptor-Modulator, der eine Langzeitbehandlung von Patientinnen mit symptomatischen Uterusmyomen ermöglicht. Auf der Grundlage vielversprechender früher klinischer Daten ist der Beginn einer Phase-III-Studie für Mitte 2014 vorgesehen. /

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