Pharmazeutische Zeitung online
Spargesetz

Kritik von Apothekern und Ärzten

05.10.2010
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Von Daniel Rücker / Die ABDA hat in der Anhörung zum Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) bereits auf die erhebliche Belastung der Apotheken hingewiesen. Die Apothekengewerkschaft Adexa teilt die Kritik an der Veränderung der Großhandelsspanne.

Die Mitarbeiter in den Apotheken fürchten erhebliche Konsequenzen für ihre Arbeitsplätze, sollte die Spanne des pharmazeutischen Großhandels tatsächlich um rund 500 Millionen Euro gekürzt werden. Die Einbußen könnten angestellte Apotheker und PTA über einen Abbau von Arbeitsplätzen oder Gehaltskürzungen erheblich treffen, so die Sorgen der Gewerkschaft. Dies hätte auch Konsequenzen für die Patienten. Nach den Spargesetzen der vergangenen Jahre könnten die Apotheken weitere Einschnitte nicht mehr verkraften, ohne dass sich die Beratung und Betreuung verschlechtere. Adexa sucht deshalb den Schulterschluss mit den selbstständigen Apothekern: »Wir sehen uns hier mit den Apothekenleitern in einem Boot und fordern die Regierung auf, diesen Raubbau von den Apotheken abzuwenden.«

Kritisch sieht Adexa auch die geplante Änderung der Aut-idem-Regelung. Für eine einfachere Umsetzung der Rabattverträge soll im Gesetz festgeschrieben werden, dass eine gleiche Indikation reicht, um zwei Medikamente mit demselben Wirkstoff grundsätzlich austauschbar zu machen. Adexa sieht hier Risiken für die Patienten. Eine Patientin mit Bluthochdruck werde verunsichert, wenn ihr Medikament auf der Packungsbeilage nur die Indikation Prostata-Leiden aufführt.

 

Unzufrieden ist Adexa auch, weil das von der Regierung avisierte Pick-up-Verbot bislang nicht ins AMNOG aufgenommen wurde. Dabei sei ein Verbot »wünschenswert, weil die Beratung von Angesicht zu Angesicht bei Medikamenten so wichtig ist«. In Pick-up-Stellen habe der Patient eine Holschuld für die Beratung. Dies widerspreche der Arzneimittelsicherheit.

 

Ärzte wollen aus der Haftung

 

Auch bei den Ärzten gibt es weiter Bedenken gegen AMNOG-Regelungen. Der Vostand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Carl-Heinz Müller, sieht im Gesetz »keinen Beitrag, die Attraktivität des Arztberufes zu steigern«. Er bekräftigte die Forderung der KBV, Richtgrößenprüfungen und Regresse abzuschaffen. An deren Stelle sollte ein Medikationskatalog auf Wirkstoffbasis treten, an dem sich die Ärzte bei der Arzneiauswahl orientieren. Um das Vertrauen des Patienten zu stärken, sollte in Zukunft der Wirkstoffname größer auf die Verpackung gedruckt werden als der Handelsname. So könnten Patienten einfacher erkennen, dass sie weiter mit derselben Arznei behandelt werden. /

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