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Milchzähne

Aufmerksamkeit für die Ersten

19.09.2017
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Die Milchzähne sind wichtig für die gesunde Entwicklung von Kindern. Doch ihre Bedeutung wird nach wie vor unterschätzt – mit entsprechenden Folgen an den Zähnen. Darauf machen Experten anlässlich des Tags der Zahn­gesundheit aufmerksam.

»Milchzähne sind die ersten Zähne und sowohl wichtig für die Entwicklung des Kauorgans als auch für die psycho­soziale und gesunde Entwicklung des Kindes«, erklärte Professor Dr. Dietmar ­Oesterreich, Vizepräsident der Bundes­zahnärztekammer, bei der Pressekonferenz zum Tag der Zahngesundheit in Berlin. Ohne gesunde Milchzähne nähmen Kinder nicht altersentsprechend an Gewicht zu. Sie könnten nicht richtig sprechen lernen und wenn sie sichtbar kariös zerstörte Zähne im Mund haben oder sogar Zähne bereits fehlen, wachse die Gefahr der sozialen Ausgrenzung.

 

Platzhalterfunktion

 

Die Milchzähne dienen auch als Platzhalter für die bleibenden Zähne. Gehen sie frühzeitig aufgrund von Karies verloren, brechen die bleibenden Zähne unter Umständen nicht richtig durch, was zu Fehlstellungen im Gebiss führen kann.

 

Da die Milchzähne ausfallen, wird ihre Bedeutung immer noch unterschätzt und die Zahnhygiene wird nicht so intensiv betrieben, was Folgen hat: Im Milchgebiss ist die Karieslast mehr als doppelt so hoch wie im Gebiss von Zwölfjährigen, berichtete Dr. Michael Kleinebrinker, Referatsleiter beim GKV-Spitzenverband.

 

»Bei den Zwölfjährigen ist es in den letzten mehr als 20 Jahren zu einem beispiellosen Kariesrückgang gekommen.« Die Zahl der kariösen, fehlenden oder gefüllten Zähne ist in dieser Altersgruppevon 2,4 im Jahr 1994 auf 0,5 im Jahr 2016 gesunken. »Mehr als 80 Prozent der Zwölfjährigen sind heute karies­frei«, so Kleinebrinker. Sechs- bis siebenjährige Kinder hatten 1994 im Schnitt 2,9 beschädigte Zähne, 2009 waren es noch 1,9.

 

Oesterreich fügte hinzu, dass bereits 15 Prozent der Kinder unter drei Jahren kariöse Zähne haben. Diese früh­kindliche Karies komme in allen Bevölkerungsgruppen vor, aber besonders häufig in Familien in sozial schwierigen Lebenslagen. Ursachen sind über­mäßiges Trinken von zucker- und säurehaltigen Getränken, etwa aus Saugerflaschen, in Kombination mit zu wenig Mundhygiene im frühen Kindesalter. Die Folgen sind zum Teil massiv: Es können tiefgreifende Zerstörungen insbesondere der vorderen Frontzähne auftreten, diese erfordern nicht selten eine aufwendige Zahnentfernung unter Vollnarkose.

Tag der Zahngesundheit

Der Tag der Zahngesundheit am 25. September steht dieses Jahr unter dem Motto »Gesund beginnt im Mund – Gemeinsam für starke Milchzähne«. Er soll das Bewusstsein für die Bedeutung der Milchzähne und deren korrekter Pflege stärken. Mehr Informationen zu geplanten Veranstaltungen und Materialien für eigene Aktionen sind zu finden unter www.tagderzahngesundheit.de.

Prophylaxe ausbauen

 

Um die Situation zu verändern, sind fachübergreifende Konzepte nötig, da sind sich Kleinebrinker und Oesterreich einig. Sowohl die Individual- als auch die Gruppenprophylaxe sollten aus­gebaut werden. Bei der Individual­prophylaxe stehe eine Verbesserung an, berichtete Kleinebrinker. Bislang sind Früherkennungsuntersuchungen auf Zahn-, Mund- und Kieferkrank­heiten ab der Geburt eine Aufgabe des Kinderarztes, ab einem Alter von 2,5 Jahren beginnen die Untersuchungen beim Zahnarzt. Den Start der systematischen zahnärztlichen Betreuung hat der Gesetzgeber mit dem Präven­tionsgesetz nach vorne verlegt: auf den Durchbruch des ersten Zahns.

 

»Im Moment wird in den zuständigen Gremien des Gemeinsamen Bundesausschusses an der Umsetzung dieses Auftrags gearbeitet.« Allerdings nähmen nur wenige, nämlich nur 32 Prozent der berechtigten Kinder im Alter von 2,5 bis 6 Jahren, die systematische Betreuung beim Zahnarzt in ­Anspruch. Im Vergleich dazu liegt die Inanspruchnahmerate von Individualprophylaxe-Leistungen bei Kindern ab sechs Jahren bei 67 Prozent.

 

Auch in der Gruppenprophylaxe, also in der zahnärztlichen Betreuung in Einrichtungen wie Kitas und Schulen, wurden die Grundlagen für eine verbesserte und frühzeitige Betreuung von Kleinkindern gelegt. So hat die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege erweiterte Empfehlungen zu den zentralen Inhalten der Gruppenprophylaxe für Kinder unter drei Jahren herausgegeben, berichtete Oesterreich. Eine zentrale Forderung ist, dass die Kinder täglich nach einer Hauptmahlzeit gemeinsam mit ihrer Bezugsperson in der Kita die Zähne putzen, um dieses Verhalten einzuüben. Die Betreuung der Kinder in dieser Altersgruppe sei allerdings noch im Aufbau, so Kleinebrinker. Die Betreuungsquote liegt derzeit bei etwas mehr als 30 Prozent.

 

Wichtig sei es nun, das Bewusstsein für die Bedeutung der Milchzähne zu stärken, um die Quoten sowohl bei Individual- als auch bei der Gruppenprophylaxe bei Kleinkindern zu verbessern. /

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