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Weiterbildung international

Ein Blick über die Grenzen

15.09.2014
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Von Christiane Staiger / Vor 40 Jahren, am 1. September 1974, startete die Weiterbildung zum Fachapotheker. Auch in anderen Ländern können sich Apotheker weitergehend spezialisieren. Ein Blick in die Schweiz, Österreich und die USA.

In der Schweiz entwickelte der Schweizerische Apothekerverein (SAV) Ende der 1980er Jahre eine erste Spezialisierung in Offizin-Pharmazie. Die Weiterbildung FPH (Foederatio Pharmaceutica Helvetiae) erfolgt wie in Deutschland in Weiterbildungsstätten und wird unter der Leitung eines anerkannten Weiterbildners absolviert. Alle Weiterzubildenden evaluieren regelmäßig die Weiterbildungsstätten und den Weiterbildner mittels eines Fragebogens. Die Weiterbildung in Offizin-Pharmazie ist berufsbegleitend und dauert zwischen zwei und fünf Jahren. In Modulform sind 400 Stunden theoretischer Weiterbildung, 100 Stunden praktischer Weiterbildung, 150 Stunden Selbststudium und 150 Stunden Diplomarbeit mit einem Umfang von 40 000 bis 60 000 Anschlägen abzuleisten.

 

Auch für Spitalapotheker bemühte man sich schon vor längerer Zeit um Weiterbildungsmöglichkeiten. Zunächst war 1990 ein Berufsbild des Spitalapothekers entwickelt worden, dann schuf man eine Weiterbildungsordnung und Regelungen für die Erteilung des Fachapothekertitels Spitalapotheker FPH. Die Weiterbildung wird berufsbegleitend durchgeführt und dauert zusammen mit der praktischen Tätigkeit in der Spitalpharmazie im Vollpensum drei Jahre. Sie umfasst eine theoretische Weiterbildung mit mindestens 400 Stunden und die Einführung in die praktischen Tätigkeiten und Selbststudium mit mindestens 500 Stunden. Außerdem wird eine circa sechsmonatige Diplomarbeit angefertigt.

 

Das dritte Fachgebiet in der Schweiz ist die »Klassische Homöopathie«. Die Weiterbildung dauert mindestens vier Jahre und beinhaltet eine Prüfung. Sie besteht interdisziplinär aus 600 Stunden. Mindestens 210 Stunden werden als Kurse verteilt über mindestens zwei Jahre absolviert und beinhalten die Vermittlung der theoretischen und praktischen Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten in klassischer Homöopathie. Die praktische homöopathische Tätigkeit wird in einer als Weiterbildungsstätte anerkannten Apotheke unter der Aufsicht eines Weiterbildners absolviert. Sie umfasst verschiedene Elemente mit insgesamt mindestens 390 Stunden. Am Ende steht auch für dieses Fachgebiet eine Prüfung.

 

Für Bereiche der Pharmazie, die aufgrund ihres geringeren Umfangs oder ihrer Bedeutung den Anforderungen eines Fachapothekertitels FPH nicht genügen, hat man die sogenannten Fähigkeitsausweise FPH geschaffen. Sie entsprechen etwa den Zusatzbezeichnungen für Apotheker in Deutschland. Eidgenössische Kollegen können einen Fähigkeitsausweis FPH in Pharmazeutischer Betreuung von Alters- und Pflegeheimen, einen Fähigkeitsausweis FPH in Phytotherapie oder einen Fähigkeitsausweis FPH als Konsiliarapotheker für die ambulante Medikamentenverschreibung erwerben. Weitere vier Fähigkeitsausweise umfassen die klinische Pharmazie, den Apotheker für integrierte Versorgungsmodelle, die Nutztierpharmazie oder den Bereich Impfen und Blutentnahme.

 

Österreicher fokussieren auf Medikationsmanager

 

In Österreich ist bislang eine berufsständische Spezialisierung nur für Krankenhaus-Apotheker eingeführt. Darüber hinaus gibt es die an das deutsche System angelehnten Weiterbildungsbereiche Prävention und Gesundheitsberatung, Ernährungsberatung, Naturheilmittel und Homöopathie, Onkologische Pharmazie und Geriatrische Pharmazie, die allerdings noch nicht zu einem Fachapothekerabschluss führen. 

»Wann diese Spezialisierungen umgesetzt werden, ist noch nicht absehbar«, sagt Max Wellan, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, gegenüber der PZ »weil wir den Schwerpunkt im Moment ganz auf den Bereich Medikationsmanagement legen. Wir möchten unsere Ressourcen in der nächsten Zeit darauf konzentrieren, um diese wichtige Kompetenz bei unseren Mitgliedern möglichst weit zu verbreiten.«

 

Der Weiterbildung zum Fachapotheker nach dem Modell der deutschsprachigen Länder steht in den USA inhaltlich und organisatorisch der Erwerb einzelner Zertifikate am nächsten. Das Board of Pharmaceutical Specialities (BPS) führte Prüfungen in verschiedenen pharmazeutischen Spezialisierungsrichtungen ein. Wer an der Prüfung teilnehmen will, muss zuvor die geforderte Berufserfahrung und die Absolvierung bestimmter Kurse nachweisen. Die eingerichteten Spezialisierungsrichtungen unterschieden sich jedoch von denen in Europa üblichen.

 

In USA machte die NuklearPharmazie den Anfang

 

So war die erste Spezialisierungsrichtung 1978 die »Nuclear Pharmacy«. Für den Erwerb dieses Zertifikats ist der Nachweis von fachbezogener Ausbildung und/oder Berufserfahrung im Gesamtumfang von 4000 Stunden erforderlich. Nach der Einführung und Anwendung von Radiopharmazeutika wuchs auch das Interesse an speziellen Schulungen.

 

1988 wurde die Fachrichtung »Pharmacotherapy« gleichzeitig mit einer weiteren, der Nutrition Support Pharmacy, anerkannt. 1992 folgten die Psychiatric Pharmacy Practice und 1996 die Oncology Pharmacy. Außerdem kann man sich in den USA in den Fachrichtungen Ambulatory Care Pharmacy, Critical Care Pharmacy, Pediatric Pharmacy spezialisieren. Innerhalb der Fachrichtung Pharmacotherapy wurden außerdem noch die zwei Bereiche Cardiology und Infectious Diseases als Vertiefungsmöglichkeiten geschaffen.

 

Neben dem Board of Pharmaceutical Specialities treten auch andere Organisationen mit spezifischen Zertifikaten in Erscheinung. Wer sich dem Thema Geriatrische Pharmazie nähern möchte, kann das Zertifikat der Commission for Certification in Geriatric Pharmacy erwerben.

 

Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Anbieter für Weiterbildungszertifikate, deren Qualität und Seriosität allerdings unüberschaubar ist. Interessenten sollten sich daher an validierten Programmen der anerkannten pharmazeutischen Fach­organisationen oder Universitäten orientieren. /

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