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Probiotika

Zweifel an Nutzen

12.09.2018
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PZ / Probiotika sollen die Gesundheit des Darms fördern, indem sie die Darmflora mit nützlichen Bakterien versorgen. Das können sie auch – aber längst nicht bei jedem und nicht in jeder Situation ist das auch gut. Darauf deuten zwei aktuelle Studien israelischer Forscher hin, die im Fachjournal »Cell« veröffentlicht wurden.

 

Der Verdauungstrakt einiger Menschen verhindert offenbar, dass sich Bakterien aus gängigen Probiotika, wie sie im Supermarkt oder der Drogerie erhältlich sind, erfolgreich im Darm ansiedeln. Das zeigt die Untersuchung des Darmmikrobioms vor und zwei Monate nach dem Konsum von Probiotika von 15 freiwilligen gesunden Menschen, die entweder ein Probiotikum oder ein Placebo erhalten hatten.

Ausgehend von der Bakterienzusammensetzung und der Expression der Gene im Darm der Probanden zu Beginn der Studie konnten die Forscher um Dr. Niv Zmora vom Weizman Institute of Science sogar vorhersagen, bei wem sich Bakterien dauerhaft ansiedeln können und bei wem nicht (DOI: 10.1016/j.cell.2018.08.041).

 

In einer weiteren Arbeit hatten die Forscher untersucht, ob Probiotika nach einer Antibiotika-Therapie helfen, die Darmflora wieder aufzubauen (DOI: 10.1016/j.cell.2018.08.047). Tatsächlich konnten sich Bakterien bei allen Teilnehmern leicht ansiedeln, nachdem das ursprüngliche Mikrobiom durch Antibiotika zerstört worden war. Allerdings verhinderte die Ansiedlung dieser Bakterien die Regeneration des ursprünglichen Mikrobioms – und zwar über Monate. Sehr erfolgreich bin dieser Hinsicht war dagegen eine Stuhltransplantation mit Bakterien, die zuvor aus eigenen Stuhlproben gewonnen worden waren. Durch diese regenerierte sich die Darmflora innerhalb von Tagen.

 

Die Ergebnisse widersprächen der gängigen Meinung, dass Probiotika immer harmlos und für jeden nützlich seien. Es gebe kein probiotisches Mittel, das bei allen gleich wirke. Deshalb sei es wichtig, diese an die Bedürfnisse jedes einzelnen anzupassen, so die Forscher. /

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