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Brustkrebstherapie

Genexpressionstest hilft entscheiden

12.09.2018
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Von Annette Mende / Der Genexpressionstest Oncotype-DX kann Brustkrebs-Patientinnen identifizieren, die auf eine Chemotherapie verzichten können. Die klinische Risikoeinschätzung durch einen Onkologen kann er aber nicht ersetzen.

Mehr Frauen als bislang vermutet können bei einer bestimmten Brustkrebsform die Chemotherapie weglassen, ohne dadurch ihr Rezidivrisiko zu erhöhen. Es handelt sich um Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Brustkrebs ohne Lymph­knotenbefall, die laut dem Genexpressionstest Oncotype-DX® ein mittleres Rezidivrisiko haben.

Kürzlich im »New England Journal of Medicine« veröffentlichte Ergebnisse der TailorX-Studie zeigen, dass in dieser Gruppe eine endokrine Therapie allein genauso effektiv darin ist, Rezidiven vorzubeugen, wie die Kombination aus endokriner und Chemotherapie (DOI: 10.1056/ NEJMoa1804710).

 

Der Genexpressionstest Oncotype-DX erfasst 21 Gene, deren Aktivität für das Risiko eines Rezidivs relevant ist. Das Ergebnis des Tests ist ein Wert auf einem Score, der von 0 bis 100 reicht. Werte zwischen 0 und 10 bedeuten, dass das Rezidivrisiko der betreffenden Frau so niedrig ist, dass sie höchstwahrscheinlich nicht von einer Chemotherapie zusätzlich zur endokrinen Therapie profitiert. Frauen mit Werten über 26 haben dagegen ein hohes Rezidivrisiko, das sich durch eine zusätzliche Chemotherapie senken lässt. Ihnen wird diese daher, trotz möglicher belastender Nebenwirkungen, empfohlen.

 

Die bislang bestehende Unsicherheit hinsichtlich des besten Vorgehens bei mittlerem Risiko (Werte zwischen 11 und 25) räumt die TailorX-Studie nun aus. In ihr hatten 6711 Frauen mit einem Score-Wert zwischen 11 und 25 randomisiert entweder eine endokrine oder eine chemoendokrine Therapie erhalten. Neun Jahre später war das krankheitsfreie Überleben in beiden Gruppen nahezu gleich (83,3 beziehungsweise 84,3 Prozent). Dasselbe galt für das Auftreten von Fernrezidiven (5,5 versus 5 Prozent) und das Gesamtüberleben (93,9 versus 93,8 Prozent). Die Subgruppenanalyse zeigte aber, dass Frauen vor der Menopause mit einem Score-Wert zwischen 16 und 25 mehr von einer Hinzunahme der Chemotherapie profitierten als andere Teilnehmerinnen.

 

IQWiG revidiert Bewertung

 

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das den Nutzen des Gentests vor zwei Jahren noch als nicht belegt angesehen hatte, hat angesichts der neuen Ergebnisse seine Einschätzung revidiert. Es sieht nun einen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen und gibt folgende Empfehlungen: Frauen über 50 Jahren beziehungsweise jenseits der Menopause mit Risikowerten von 0 bis 25 können auf eine Chemotherapie verzichten. Bei jüngeren Frauen gilt das nur für Werte von 0 bis 10.

 

Oncotype-DX ist nicht der einzige Genexpressionstest auf dem Markt. Weitere Anbieter sind etwa MammaPrint® oder EndoPredict®. Das IQWiG weist in einer Mitteilung darauf hin, dass jeder Test die Expression einer anderen Gruppe von Genen analysiert die Ergebnisse der TailorX-Studie deshalb nicht auf andere Tests übertragbar sind.

 

Die Kosten für diese Tests werden derzeit nur auf Antrag von den Krankenkassen übernommen. Es ist jedoch fraglich, ob die neuen Ergebnisse dazu führen werden, dass sich das ändert. Denn ein Genexpressionstest ist nicht die einzige Möglichkeit, das Rezidivrisiko abzuschätzen. In der klinischen Praxis macht das der Onkologe anhand verschiedener Patientencharakteristika. »Es wäre verfrüht, die klinische Risikoeinschätzung nun auf der Basis einer einzigen Studie generell für wertlos zu erklären und durch Biomarker-Tests zu ersetzen«, so der stellvertretende IQWiG-Leiter Stefan Lange in der Mitteilung. /

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