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Cochrane-Library

Unverzichtbar auch für Apotheker

05.09.2018
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Von Kerstin A. Gräfe / Hilft Vitamin C bei Erkältungen? Können topische NSAR akute Muskel- und Gelenkschmerzen lindern? Um solche Fragen zu beantworten, ist die Cochrane-Library eine essenzielle Quelle. Sie enthält mehr als 7500 hochwertige systematische Reviews, die nach transparenten Methoden verfasst wurden und regelmäßig aktualisiert werden.

Apotheker stehen einer stetig wachsenden Flut an wissenschaftlichen Informationen gegenüber. Wie kann es dem Einzelnen gelingen, sich zu einer bestimmten therapeutischen Fragestellung einen Überblick über die verfügbare Evidenz zu verschaffen? Einen Weg zeigen Professor Dr. Gerd Antes und Claudia Bollig vom Deutschen Cochrane-Zentrum in einer der Ausgabe der Zeitschrift »Pharmakon« auf: die Suche in der Cochrane-Library. In ihrem Beitrag in der Mitgliederzeitschrift der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) stellen der Methodenwissenschaftler und die Apothekerin die Datenbank vor.

Aufbau und Inhalt

 

Die Cochrane-Library (www.cochranelibrary.com) besteht aus mehreren ­Datenbanken. Die wichtigste ist die Cochrane Database of Systematic ­Reviews (CDSR), in der die Cochrane-Reviews veröffentlicht werden. Die Übersichtsartikel werden in der Regel von multidisziplinären Teams erstellt, denen zum Beispiel Experten des ­jeweiligen Fachgebiets, Methodiker, Spezialisten für Literaturrecherche und Statistiker angehören. Bei der Erstellung wird großer Wert auf Transparenz gelegt. So werden bereits im Vorfeld Fragestellung, Methodik der Suche ­sowie Ein- und Ausschlusskriterien und Analysemethoden festgelegt.

 

Erst danach beginnt die eigentliche ­Arbeit, nämlich das Erstellen der systematischen Übersichtsarbeit (systema­tischer Review). Diese Artikel berücksichtigen alle verfügbaren Studien zu der ­jeweiligen Thematik sowie eine Übersicht über laufende oder nicht publizierte Studien. Zudem bieten sie dem Leser eine Aussage zur Verläss­lichkeit der ­Ergebnisse der einzelnen Studien. So enthält ein systematischer Review in der CDSR in der Regel eine Bewertung sowie eine Abbildung zum Risiko für einen Bias. Darunter versteht man die Anfälligkeit von Studien für systematische Fehler, die zu einer ­Verzerrung der Ergebnisse ­führen können. Den Mittelpunkt systematischer Reviews bilden die Zusammenfassungen, die Metaanalysen. Die Autoren betonen, dass jedoch naturgemäß nicht jeder systematische Review zwingend auch eine Meta­analyse beinhaltet, da es nicht immer sinnvoll ist, ­Studien, die in ihren Populationen, Interventionen oder Endpunkten sehr heterogen sind, zusammenzufassen.

Neben der CDSR beinhaltet die Cochrane Library die Datenbank ­CENTRAL (Cochrane Central Register of Controlled Trials). Sie ist die größte ­Datenbank für randomisierte klinische Studien (RCT). Der Datensatz enthält Studien aus den Datenbanken Medline und ­EMBASE, aber auch aus dem sogenannten Handsearching. Dabei werden Fachzeitschriften oder Kongressbände nach Studien durchsucht, die in keiner der großen Datenbanken dokumentiert sind.

 

Das Suchen in der Cochrane-Library ist kostenlos. Abstract und Zusammenfassungen sind frei zugänglich. Teilweise sind sie auch auf Deutsch verfügbar. Die inzwischen mehr als 1400 deutschsprachigen Übersetzungen der Zusammenfassungen sind auch separat ­gelistet auf www.cochrane.org/de/ evidence.

 

Wie man sucht

 

Prinzipiell ist die Website aber englischsprachig. Auf der Startseite findet man »Highlighted Reviews«, eine Auswahl an Cochrane-Reviews, die kürzlich erschienen sind und von den Autoren als besonders wichtig erachtet werden. Über die Browse-Funktion auf der Startseite kann man nach Reviews zu bestimmten (englischen) Schlagworten suchen. Außerdem ist eine Suche nach Reviews möglich, die sich an den jeweiligen Cochrane-Review-Gruppen orientiert, etwa der Hypertension Group oder der Urology Group.

 

Alle Datenbanken werden parallel durchsucht, die Ergebnisse lassen sich aber für jede Datenbank separat anzeigen. In der einfachen Suchfunktion können bis zu fünf Suchzeilen genutzt werden; der Search-Manager ist vor allem für größere systematische Suchen geeignet. Suchbegriffe können mit »and«, »or«, »not« et cetera verknüpft werden. Es gibt die Möglichkeit, Suchen zu speichern und automatische E-Mail-Benachrichtigungen für neue Suchergebnisse einzurichten. Dazu ist allerdings die Erstellung eines Accounts ­nötig.

 

Hilfreich bei der Suche ist den Autoren zufolge die Help-Funktion, die in den Suchmasken verlinkt ist. Darüber hinaus sind in der Cochrane-Library ­viele weitere nützliche Materialien und Tutorien verfügbar (www.cochranelibrary.com/help/how-to-usecochrane-library.html) /

Pharmakon – Zeitschrift der DPhG

Informationssysteme in der Pharmazie sind der Themenschwerpunkt der diesjährigen vierten Ausgabe von »Pharmakon«, der Zeitschrift für Mitglieder der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG). Sie enthält neben dem hier vorgestellten Beitrag von Professor Dr. Gerd Antes und Claudia Bollig unter anderem Artikel über den ABDA-Artikelstamm, Recherchen bei Rezepturproblemen sowie über Literatur für Pharmaziehistoriker. »Pharmakon« erscheint sechsmal jährlich. Jede Ausgabe hat einen inhaltlichen Schwerpunkt, der in mehreren Beiträgen aus unterschiedlichen Perspektiven aufbereitet wird. Ein kostenloses Abonnement ist in der DPhG-Mitgliedschaft inbegriffen. Die Zeitschrift ist auch als Einzelbezug erhältlich. Weitere Informationen finden Interessierte auf pharmakon.info.

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