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Neu auf dem Markt

Rupatadin und Zofenopril

02.09.2008
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Neu auf dem Markt

Rupatadin und Zofenopril

Von Brigitte M. Gensthaler und Sven Siebenand

 

Das Antihistaminikum Rupatadin und der ACE-Hemmer Zofenopril kamen im August neu auf den Markt. Während die erstgenannte Substanz bei Heuschnupfen und Nesselsucht zum Einsatz kommt, dient Zofenopril der Behandlung von Bluthochdruck und akutem Herzinfarkt. 

 

Vor mehr als 70 Jahren entdeckten Forscher mit Pyrilamin das erste Antihistaminikum, in den 1940er-Jahren kamen erstmals H1-Rezeptorblocker in den Handel. Einige Jahrzehnte später, in den 1980er-Jahren, erfolgte mit den Antihistaminika der zweiten Generation ein weiterer Fortschritt. Sie haben gegenüber den älteren Substanzen einige Vorteile und haben diese deshalb mittlerweile weitgehend ersetzt.

 

Rupatadin

 

Mit Rupatadin (Rupafin® 10 mg Tabletten, Merckle Recordati) kam Anfang August ein weiteres Antihistaminikum der zweiten Generation auf den deutschen Markt. Im Präparat liegt der verschreibungspflichtige Wirkstoff als Salz der Fumarsäure vor. Zugelassen ist Rupatadin zur symptomatischen Behandlung der allergischen Rhinitis beziehungsweise der chronischen idiopathischen Urtikaria bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren.

 

Das N-Alkylpyridin-Derivat greift sowohl in die allergische Sofort- als auch in die Spätreaktion ein. Die Wirkung in der Sofortphase beruht zum einen auf der Blockade von peripheren H1-Rezeptoren. Einige Stoffwechselprodukte von Rupatadin, zum Beispiel der bekannte Arzneistoff Desloratadin und seine hydroxylierten Metaboliten, haben ebenfalls antihistaminerge Wirkung und tragen vermutlich zur Gesamtwirksamkeit des Arzneimittels bei. Zum anderen blockiert Rupatadin Rezeptoren des Plättchen-aktivierenden Faktors (PAF). PAF greift nicht nur in die allergische Sofortreaktion ein, sondern ist auch für einige Spätwirkungen im Entzündungsgeschehen verantwortlich, zum Beispiel für die erhöhte Gefäßpermeabilität und die Verengung der Bronchien.

 

Die empfohlene Dosis beträgt einmal täglich 10 mg Rupatadin. Die Einnahme des Mittels kann zu oder unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Da es keine klinischen Erfahrungen bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion gibt, wird die Anwendung bei diesen Patienten momentan nicht empfohlen. Bei älteren Personen (ab 65 Jahre) sollte Rupatadin mit Vorsicht angewendet werden.

 

In-vitro-Studien zum Metabolismus zeigen, dass Rupatadin in erster Linie über CYP3A4 verstoffwechselt wird. Wichtig: Rupatadin darf nicht zusammen mit Grapefruitsaft eingenommen werden, da dieser das Enzym hemmt. Die gleichzeitige Gabe erhöht die systemische Wirkstoffexposition um das 3,5-Fache. Zudem wird die gleichzeitige Anwendung mit Erythromycin, Ketoconazol oder anderen Hemmstoffen des Enzyms CYP3A4 nicht empfohlen. Das Risiko für eine Wechselwirkung mit Statinen, von denen einige ebenfalls über CYP3A4 metabolisiert werden, ist unbekannt. Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn der H1-Rezeptorblocker zusammen mit einem Statin verabreicht wird.

 

Rupatadin wurde in mehreren klinischen Studien zur allergischen Rhinitis untersucht. Eine gepoolte Analyse von Studienresultaten kommt zu dem Ergebnis, dass Rupatadin im Vergleich zu Placebo sowohl bei Patienten mit intermittierender als auch bei denjenigen mit persistierender Rhinitis zu einem signifikanten Rückgang des Gesamtsymptomenscores führt. Dabei wurden Symptome wie laufende und verstopfte Nase, Niesen sowie Juckreiz der Nase und der Augen berücksichtigt.

 

Auch in einer placebokontrollierten Studie an Patienten mit chronischer idiopathischer Urtikaria erwies sich Rupatadin als wirksam. Nach vierwöchiger Behandlung kam es zur Reduktion des Pruritus-Scores (mittlere Veränderung gegenüber dem Ausgangspunkt unter Rupatadin 57,5 Prozent versus 44,9 Prozent unter Placebo) und zur Abnahme der mittleren Anzahl an Quaddeln (54,3 Prozent versus 39,7 Prozent).

 

Die kardiale Sicherheit von Rupatadin wurde in Studien untersucht. Dosierungen, die bis zum Zehnfachen über therapeutischen Dosen lagen, hatten keine Auswirkung auf das Elektrokardiogramm. Daher bestehen keine Bedenken hinsichtlich der kardialen Sicherheit. Allerdings muss Rupatadin bei Patienten mit bekanntermaßen langem QT-Intervall, einer nicht korrigierten Hypokaliämie und bereits bestehenden Herzrhythmusstörungen wie einer klinisch signifikanten Bradykardie oder einer akuten myokardialen Ischämie mit Vorsicht angewendet werden.

 

Die in klinischen Studien am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen von Rupatadin waren Somnolenz (9,5 Prozent), Kopfschmerzen (6,9 Prozent) und Erschöpfung (3,2 Prozent).

 

Zofenopril

 

Mit Zofenopril (Bifril® 7,5/15/30/60 mg, Zofenil® 15/60 mg; Berlin Chemie) ist seit Mitte August ein weiterer ACE-Hemmer in der Lauer-Taxe gelistet. Nach Angaben des Herstellers hänge die Ausbietung des Präparats davon ab, ob es im Rahmen der Rabattverträge durch die Krankenkassen Berücksichtigung findet.

 

Zofenopril ist zugelassen zur Behandlung der leichten bis mittelschweren essenziellen Hypertonie und des akuten Herzinfarkts. Hier muss die Behandlung innerhalb von 24 Stunden beginnen und ist Patienten vorbehalten, die hämodynamisch stabil sind und keine Thrombolyse erhalten haben.

 

Die übliche Tagesdosis für Hypertonie-Patienten liegt bei 30 bis 60 mg und kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance unter 45 ml/min) oder mit Leberinsuffizienz bekommen die halbe Dosis. Nach Herzinfarkt wird das Medikament in mehreren Schritten aufdosiert bis zu zweimal 30 mg täglich. Die Medikation wird sechs Wochen lang fortgeführt. Danach entscheidet der Arzt, ob eine Langzeittherapie begonnen wird oder nicht.

 

Zofenopril ist wie andere ACE-Hemmer ein Prodrug, das in vivo zu Zofenoprilat verstoffwechselt wird. Wie Captopril weist der aktive Metabolit eine Sulfhydrylgruppe auf. Der Wirkmechanismus (Hemmung des Angiotensin-Converting-Enzyms) entspricht dem der anderen ACE-Hemmer. Gleiches gilt für unerwünschte Wirkungen wie Husten, akuter Blutdruckabfall, gastrointestinale Beschwerden und Hyperkaliämie. Auch Zofenopril sollte nicht mit Kaliumpräparaten oder kaliumsparenden Diuretika wie Triamteren oder Amilorid kombiniert werden. Die Kombination mit nicht steroidalen Antirheumatika oder Sympathomimetika kann die blutdrucksenkende Wirkung abschwächen, während Alkohol sie verstärkt.

 

Zofenopril wurde vor einigen Jahren in zwei großen Studien bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt geprüft. An SMILE-1 (Survival of Myocardial Infarction Long-term Evaluation) nahmen 1556 Patienten mit akutem Vorderwandinfarkt teil, die keine Thrombolyse erhalten hatten. Sie erhielten sechs Wochen lang entweder Zofenopril (zunächst 7,5 mg, dann bis zu zweimal täglich 30 mg) oder Placebo. Der kombinierte Endpunkt »Tod oder schwere Herzinsuffizienz« trat signifikant seltener auf als unter Placebo (7,1 versus 10,6 Prozent). In SMILE-2 wurde Zofenopril (auftitriert bis maximal 60 mg pro Tag) mit Lisinopril (bis maximal 10 mg pro Tag) an 1024 Patienten mit akutem Herzinfarkt verglichen. Dabei trat unter Zofenopril seltener eine ausgeprägte Hypotonie (primärer Endpunkt) auf (nicht signifikant: 10,9 versus 11,7 Prozent).  Die Mortalität waren unter beiden ACE-Hemmern vergleichbar. Die EMEA-Zulassung liegt seit Ende 2000 vor.

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