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Ebola-Epidemie

WHO-Direktorin ruft zu Unterstützung auf

26.08.2014
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Von Annette Mende / Die Generaldirektorin der Weltgesundheits­organisation WHO, Dr. Margaret Chan, appelliert in einem Meinungsbeitrag im »New England Journal of Medicine« an die internationale Gemeinschaft, in der Unterstützung der von der aktuellen Ebola-Epidemie betroffenen westafrikanischen Staaten nicht nachzulassen.

»Eine humane Welt kann die Menschen in Westafrika nicht in diesem außer­gewöhnlich hohen Maß leiden lassen«, schreibt Chan (doi: 10.1056/NEJMp 1409859). Die Präsidenten von Guinea, Liberia und Sierra Leone hätten ihr gegenüber erklärt, dass das Ausmaß des Ausbruchs ihre Möglichkeiten zu reagieren weit übersteige.

 

Armut, Angst und desolate Gesundheitsversorgung

 

Drei Faktoren machen die Lage im Epidemie-Gebiet aus Chans Sicht besonders schwierig: Armut, Angst und der Zusammenbruch der Gesundheitssysteme. Die drei am stärksten betroffenen Staaten gehören zu den ärmsten der Welt. 

 

Auf der Suche nach Arbeit legen die Men­schen dort weite Strecken zurück – auch über Landesgrenzen hinweg –, was die Verbrei­tung des Virus begünstigt. Jahrelange bewaffnete Konflikte und Bürgerkriege haben die Ge­sund­heits­systeme weitgehend zerstört und in ei­ni­gen Gebieten eine junge Generation ohne Schulbildung hinterlassen. In diesen Län­dern kommen auf 100 000 Menschen nur ein bis zwei Ärzte, die zudem meist in Städ­ten tätig sind, sodass die Landbevöl­ke­rung medizinisch stark unterver­sorgt ist. Isola­ti­ons­sta­ti­onen oder auch nur genügend Krankenhausbetten zur Versor­gung der Infizierten sind nahezu nicht existent.

 

Aus Angst vor der Erkrankung entziehen sich Personen, die Kontakt zu Infizierten hatten, der Überwachung durch die Behörden, An­ge­hö­rige verstecken ihre erkrankten Fa­mi­li­en­mit­glie­der oder bringen sie zu traditionellen Hei­lern, Patienten fliehen aus Behandlungszentren. Traditionen wie etwa Beerdigungsriten, die einen engen körperlichen Kontakt mit dem Verstorbenen beinhalten, sind in der Bevölkerung stark verwurzelt; in Guinea gehen 60 Prozent der Ebola-Fälle darauf zurück. Aberglaube, Angst und Misstrauen gegenüber ausländischen Helfern zu überwinden, ist eine der größten He­rausforderungen für die WHO. Sie ist angesichts des Schreckens, den Ebola verbreitet, nahezu nicht zu meistern. »Auch in reichen Ländern mit höherem Bildungsstand ist es schwierig, Angst mit Fakten zu bekämpfen«, so Chan.

 

Besonders besorgt zeigt sich Chan von der hohen Zahl an Ebola-Opfern unter medizinischem Fachpersonal (siehe Kasten). Dass sich mittlerweile mehr als 240 Ärzte und Pfleger sich mit dem Virus infizierten und mehr als 160 daran starben, verschärft die ohnehin angespannte Lage in den Krankenhäusern und schürt die Ängste der Bevölkerung zusätzlich. Nicht zuletzt erschwert es die Rekrutierung ausländischer Hilfskräfte durch die WHO. Diese ist jedoch dringend notwendig, denn die Versorgung Ebola-Kranker ist aufgrund der erforderlichen Schutzkleidung, die in dem heißen Klima nur eine begrenzte Zeit lang getragen werden kann, sehr personal­aufwendig.

 

Während sich die Lage in den betroffenen Regionen weiter zuspitze, habe sich allerdings auch die Hilfe intensiviert, so Chan. So unterstütze etwa die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) die örtlichen Behörden unter anderem mit Computer-Hard- und Software, die bald eine Erfassung der Krankheitsfälle ohne Zeitverzögerung ermöglichen werde. Außerdem sei die CDC in die Erfassung der Kontaktpersonen von Ebola-Patienten in Nigeria involviert, wo die Erkrankung bislang glücklicherweise auf wenige Fälle einer einzigen Übertragungskette in der Stadt Lagos begrenzt blieb. / 

Viele Ärzte betroffen

Bei der Ebola-Epidemie haben sich bereits mehr als 240 Ärzte und Krankenpfleger infiziert, mehr als 160 von ihnen sind gestorben. Das meldete die WHO am Montag. Noch nie zuvor seien bei einem Ebola-Ausbruch so viele Angehörige medizinischer Fachberufe selbst betroffen gewesen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die wenigen Helfer vor Ort arbeiten bis zur völligen Erschöpfung, was die Häufigkeit von Fehlern erhöht. Vielfach ist keine adäquate Schutzkleidung verfügbar. Da es in den meisten betroffenen Gebieten der erste Ebola-Ausbruch ist, besteht keine Erfahrung im Umgang mit der Krankheit. Fatalerweise ähneln die Symptome von häufigen Erkrankungen wie Malaria, Typhus und Lassa-Fieber denen des Ebola-Fiebers, sodass die Infektion nicht immer sofort erkannt wird.

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