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Aktionsplan AMTS

Was Apotheker zur Arzneimittel­therapiesicherheit beitragen können

26.07.2011
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Von Nina Griese, Ralf Goebel und Martin Schulz / Der Aktionsplan 2010-2012 zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) des BMG schreibt die Arbeit des ersten Aktionsplans 2008/2009 fort. Beide beinhalten konkrete Maßnahmen zur flächendeckenden, effizienten Risikoreduktion der Arzneimitteltherapie.

Die Anwendung von Arzneimitteln be­inhaltet häufig Risiken, die sich aus einer nicht bestimmungsgemäßen, aber auch bei bestimmungsgemäßer Anwendung ergeben können. Deshalb hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft, der Apothekerschaft und anderen Institutionen und Einrichtungen im Gesundheitswesen im Jahr 2008 den ersten Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ins Leben gerufen. Dieser besteht aus 49 Einzelmaßnahmen. Er fasst – auch vor dem Hintergrund internationaler Erfahrungen – notwendige Aktivitäten zur Verbesserung der AMTS in Deutschland zusammen.

Im Aktionsplan werden alle am Medikationsprozess Beteiligten eingebunden. Die Apothekerschaft ist mit zwei Vertretern (ABDA und ADKA) in der Koordinierungsgruppe AMTS vertreten. An zahlreichen Maßnahmen sind außerdem die BAK, ABDATA und unterstützend das DAPI beteiligt. Die Apothekerschaft hat sowohl den vom BMG initiierten Aktionsplan AMTS 2008/2009 als auch den Aktionsplan 2010-2012 aktiv mitgestaltet und zahlreiche Einzelmaßnahmen mit umgesetzt. Einzelheiten zur Umsetzung des Aktionsplans 2008/2009 sind im Internet abrufbar (siehe Links zum Aktionsplan).

 

Der zweite Aktionsplan konzentriert sich darauf, die Voraussetzungen für die bestimmungsgemäße Anwendung von Arzneimitteln zu verbessern. Er fokussiert dabei auf eine flächendeckende, effiziente Risikoreduktion der Arzneimitteltherapie für möglichst viele Patienten. Dabei wird noch stärker als im ersten Aktionsplan die Notwendigkeit von wissenschaftlicher Evaluierung risikominimierender Maßnahmen betont.

 

Die fünf inhaltlichen Schwerpunkte, die aus dem Aktionsplan 2008/2009 in den neuen übernommen wurden, sind:

 

Etablierung einer besseren Sicherheitskultur für die AMTS in den Fachkreisen unter Einbeziehung der Patientinnen und Patienten

Verbesserung der Informationen über Arzneimittel

Schwerpunktorientierte Entwicklung und Einsatz von Strategien zur Risikovermeidung bei der Anwendung von Arzneimitteln

Förderung der Forschung auf dem Gebiet der AMTS

Organisation eines kontinuierlichen Prozesses zur Umsetzung und Fortschreibung des Aktionsplanes.

 

Zur Umsetzung des Aktionsplans AMTS wurde eine Koordinierungsgruppe bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) eingerichtet. In der Koordinierungsgruppe sind das BMG, die AkdÄ, die ABDA, der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA), das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS), die Pflege- und die Patientenseite vertreten (siehe Links zum Aktionsplan).

Positionen von Ärzte- und Apothekerschaft für den ambulanten Bereich

Die Heilberufe Arzt und Apotheker wollen und müssen zukünftig noch stärker zusammenarbeiten; dies gilt besonders für die Erhaltung und Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Die Verantwortung für die Arzneimitteltherapiesicherheit und das Medikationsmanagement teilen sich Arzt und Apotheker.

 

Der Informationsaustausch und die Kommunikation zwischen Ärzten und Apothekern sind Schlüsselelemente für die Ausgestaltung und Weiterentwicklung der Arzneimitteltherapiesicherheit im ambulanten Sektor.

 

Vor dem Hintergrund der mit jeder Arzneimitteltherapie verbundenen Risiken und eines gestiegenen Informations- und Sicherheitsbedürfnisses von Patienten sind pragmatische Lösungen im Hinblick auf eine vertrauensvolle interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und öffentlichen Apotheken notwendig. Diese sollten vor dem Hintergrund der Machbar- und Realisierbarkeit diskutiert, etabliert beziehungsweise erarbeitet werden, wie:

 

(Gesamt-)Medikationsplan für den Patienten mit Dosierung und Indikation

Medikationsmanagement: elektronisch gestützte individuelle AMTS-Prüfung auf Kontraindikationen, Interaktionen, Doppelmedikationen und aufeinander abgestimmte Beratung und Betreuung durch Apotheker und Arzt, auch mit dem Ziel der Verbesserung der Therapietreue (Persistenz) und Optimierung der Einnahmetreue (Adhärenz) sowie Verbesserung des Selbstmanagements

Kommunikation Arzt-Apotheker

Kommunikation mit dem Patienten

 

Wichtige Voraussetzung hierfür ist die Berücksichtigung unterschiedlicher inhaltlicher und technischer Voraussetzungen. Technische Systeme müssen hinsichtlich ihres Potenzials und ihrer Praktikabilität im Allag  analysiert und entsprechend optimiert werden.

 

(Koordinierungsgruppe zum Aktionsplan 2010-2012 des Bundesministeriums für Gesundheit zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in Deutschland in Abstimmung mit der KBV, Berlin, 28.09.2010)

Der Aktionsplan AMTS 2010-2012 umfasst insgesamt 59 Maßnahmen. Die Apothekerschaft ist bei 20 Maßnahmen aktiv eingebunden. Diese beinhalten zum Beispiel die Erarbeitung inhaltlicher Anforderungen an einen Medikationsplan für Patienten und von Anforderungen an die EDV-unterstützte Bereitstellung relevanter Informationen für die Arzneimitteltherapie. Weitere Aspekte sind die Erarbeitung von Maßnahmen zur Verringerung des Risikos durch Look- und Sound-alikes sowie die Identifizierung von Arzneimitteln mit hohem Risiko bei falscher Anwendung. Für diese Arzneistoffe sollen Handlungsempfehlungen erarbeitet werden.

 

Schon jetzt leisten Apotheken einen wichtigen Beitrag zur Arzneimittel­(therapie)sicherheit. Dies zeigen die regelmäßigen Meldungen an die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) sowie die vielfältigen Anfragen an die bundesweiten und regionalen Arzneimittelinformationsstellen zu Risiken und unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Auch die Prüfung auf pharmazeutische Bedenken und die spezifische Patienteninformation bei der Abgabe von Rabattarzneimitteln stellen einen wichtigen und für den Patienten erlebbaren Beitrag zur AMTS dar. Der Beitrag der Apotheken kann allerdings noch verstärkt werden. Dies wird am effektivsten über eine Stärkung der Arzt/Apotheker-Kooperation gelingen, die zentraler Bestandteil des Aktionsplans ist. Nur eine verstärkte gemeinsame Aufmerksamkeit beim Erkennen und Minimieren vermeidbarer Arzneimittelrisiken kann die Chancen auf einen sicheren Arzneimitteleinsatz gewährleisten. Im Rahmen des Aktionsplans wurde eine Position zur abgestimmten Verantwortung von Ärzteschaft und Apothekerschaft zur Verbesserung der AMTS erarbeitet (siehe Kasten oben).

 

Das von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände entwickelte Zukunftskonzept für eine patientengerechte Arzneimittelversorgung zeigt auf, wie Arzt und Apotheker gemeinsam die Arzneimittelversorgung für die Patienten verbessern wollen (lesen Sie dazu auch Arzneimittelversorgung: ABDA und KBV präsentieren Zukunftskonzept, PZ 15/2011). Ziel ist, Arzneimittelrisiken zu reduzieren, das Therapieverständnis und die Therapietreue zu steigern und so die Qualität der Versorgung zu verbessern sowie gleichzeitig Kosten im Gesundheitswesen zu senken.

 

Als Heilberufler wollen und müssen Ärzte und Apotheker einen gemeinsamen Beitrag zur Weiterentwicklung einer zuverlässigen und sicheren Arzneimittelversorgung der Bevölkerung leisten. Aufgrund tiefgreifender demografischer, sozialer und ökonomischer Veränderungen in der Gesundheitslandschaft und vor dem Hintergrund eines gestiegenen Informations- und Sicherheitsbedürfnisses von Patienten sind zeitnah neue, pragmatische Lösungen im Hinblick auf eine vertrauensvolle interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern notwendig. / 

Links zum Aktionsplan AMTS

Informationen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) zum Aktionsplan AMTS sowie Einzelheiten zum Umsetzungsstand des Aktionsplans 2008/2009: www.akdae.de/AMTS/index.html

 

Aktionsplan 2010-2012 zur Verbesserung der AMTS in Deutschland: www.akdae.de/AMTS/Aktionsplan/Aktionsplan-AMTS.pdf

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