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Gesundheitsberufe

Mit Mathe für Menschen

27.07.2010
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PZ/dpa / Aus dem Gesundheitswesen wird mehr und mehr eine moderne Wirtschaftsbranche. Kaufleute mit Spezialkenntnissen sind schon heute sehr gefragt. Der Bedarf wird noch zunehmen, urteilen Fachleute. Ein Ausbildungsberuf im Aufschwung ist der Kaufmann im Gesundheitswesen.

Der Gesundheitswirtschaft gehört die Zukunft, darin stimmen derzeit viele Experten überein. Denn in den nächsten Jahrzehnten wird es in Deutschland viel mehr ältere Menschen als heute geben, und der Bedarf an Dienstleistungen in Medizin und Pflege wird steigen, prognostizieren Fachleute. Dadurch sollen in der Gesundheitswirtschaft viele Stellen entstehen und neue Arbeitsfelder wachsen. Aber auch schon existierende Berufe können einen Auftrieb erleben. So scheint es dem Kaufmann im Gesundheitswesen zu ergehen.

Diesen Ausbildungsberuf gibt es schon seit 2001, er blieb aber recht unbekannt. »Viele sind überrascht, dass es im Gesundheitswesen auch diesen kauf­männischen Teil gibt«, sagt die Sprecherin der Agentur für Arbeit Hessen, Angela Köth.

 

Bedarf an Kaufleuten steigt

 

Doch der Bedarf an Kaufmännern und Kauffrauen im Gesundheitswesen steigt. »Je älter die Gesellschaft wird, desto mehr werden solche Leute gebraucht«, urteilt Köth. In Zeiten knapper Kassen sind Mitarbeiter nötig, die wirtschaftlich denken und den Überblick im Gesund­heits­markt behalten. Denn nicht nur das Abrechnungs- und Leistungssystem im Gesundheitswesen wird zusehends komplexer.

 

Deshalb wundert es wenig, dass Kaufleute im Gesundheitswesen Generalisten sind: Sie sind am Entwickeln von Leistungsangeboten beteiligt, planen und organisieren die nötigen Prozesse dahinter, kalkulieren die Kosten und machen die Abrechnung. Sie betreuen Kunden und arbeiten im Personalwesen. Sie sind in der Materialverwaltung tätig, prüfen die Lagerbestände, holen Angebote ein und bestellen die Ware. Dabei spielen Aufgaben des Qualitätsmanagements und des Marketings eine immer größere Rolle, urteilt das Bundesinstitut für Berufsbildung.

 

Bisher interessieren sich vor allem Frauen für die Ausbildung. »Ich habe mit Menschen zu tun, vom Kleinkind bis zum Rentner«, beschreibt Bianca Altringer ihr Arbeitsgebiet. Die 20-Jährige beendet bei der Techniker Krankenkasse (TK) in Darmstadt gerade ihr erstes Lehrjahr als Kauffrau im Gesundheitswesen. »Mir war klar, dass ich etwas Kaufmännisches machen will«, begründet sie ihre Berufswahl. Bianca Altringer arbeitet im Servicezentrum Vorsorge und Rehabilitation der TK. Das kümmert sich jedes Jahr um rund 110 000 Anträge auf ambulante und stationäre Rehabilitationen und Vorsorgekuren.

 

Außer bei Krankenkassen kommen Kaufleute im Gesundheitswesen auch in Krankenhäusern und großen Arztpraxen sowie in Pflegeheimen und -diensten, aber auch in medizinischen Labors, bei Rettungsdiensten und in Verbänden der Wohlfahrtspflege zum Einsatz.

 

Die Ausbildung zur Kauffrau oder zum Kaufmann im Gesundheitswesen dauert drei Jahre. Bewerber sollten einen sehr guten Realschulabschluss oder Abitur mitbringen. Ein Muss seien gute Mathekenntnisse und ein ausgeprägtes analytisches Denken, erklärt Fabienne Hisgen, Ausbildungsleiterin bei der TK Darmstadt. »Der Auszubildende tut sich sonst sehr schwer.« Kaufmann im Gesundheitswesen sei ein sehr zeitgemäßer Beruf, sagt sie. »Er lernt das Gesundheitswesen besser kennen als vergleichbare Berufe.«

 

Einstiegsgehalt bei 2600 Euro

 

Dabei kann die Arbeit sogar Überraschungen bieten. »Ich finde die Ausbildung besser, als ich sie mir vorgestellt habe«, bekennt Anna-Lena Körner, die bei der TK ebenfalls im ersten Lehrjahr zur Kauffrau im Gesundheitswesen ist. Derzeit verdient Körner 750 Euro im Monat, im dritten und letzten Ausbildungsjahr werden es dann monatlich 950 Euro sein.

 

»Das Einstiegsgehalt liegt so bei 2600 Euro«, sagt Hisgen. »Es kommt aber auch ein bisschen auf die Abschlussnoten an.« Top-Verdiener bringen es nach Auskunft der Personalberatungsfirma HiTec Consult auf rund 45 000 Euro Jahresgehalt.

 

Doch Kaufmann im Gesundheitswesen muss nicht das Ende der beruflichen Karriere sein. »Viele studieren anschließend etwa Gesundheitsökonomie«, berichtet Ausbilderin Hisgen. Danijel Brklje will diese Möglichkeit nach und nach angehen. »Ich will auf jeden Fall erst mal bei der Techniker Krankenkasse bleiben«, schildert der 23-Jährige seine Pläne. »Ich habe aber schon vor, noch etwas draufzusatteln.« /

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