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Gefährliches Duo

Diabetes und Parodontitis

18.07.2018
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Von Brigitte M. Gensthaler / Menschen mit Diabetes Typ 1 und 2 haben ein dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken und verlieren mehr Zähne als Stoffwechsellgesunde. Umgekehrt verschlechtert die Entzündung des Zahnhalteapparats die Einstellung des Blutzuckerspiegels. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rät daher allen Diabetes-Patienten zu gründlicher Mundhygiene und regelmäßigen Kontrollen beim Zahnarzt.

 

Für eine erste Einschätzung des Parodontitis-Risikos gibt es einen Selbsttest, den die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie ins Netz gestellt hat. Darin fließen Alter, Geschlecht, Raucherstatus und Schulbildung ein. Zudem wird nach Zahnfleischbluten und lockeren Zähnen gefragt. Anhand der Gesamtpunktzahl kann man sein eigenes Risiko ablesen.

 

Rund elf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer behandlungsbedürftigen Parodontitis, schreibt die DDG in einer Pressemeldung. Bakterieller Zahnbelag führe zu einer oberflächlichen Zahnfleisch-Entzündung (Gingivitis), die sich zur Parodontitis ausweiten kann. »Außer mangelnder Mundhygiene sind Rauchen, Stress und genetische Faktoren Ursachen für die chronische Entzündung«, erklärt DDG-Präsident Professor Dr. Dirk Müller-Wieland.

 

Ein weiterer großer Risikofaktor ist Diabetes mellitus. Bei anhaltender Hyperglykämie steigt das Risiko für Parodontitis stark an. »Dann ist die Zahnfleisch-Behandlung komplizierter, der Krankheitsverlauf schwerer und ein Zahnverlust häufiger«, betont Müller-Wieland. Umgekehrt steige mit der Tiefe der Zahnfleischtaschen auch der Langzeit-Blutzucker. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Sterblichkeit von parodontal erkrankten Diabetes-Patienten höher ist als bei gesundem Zahnfleisch – da die Entzündungsprozesse unter anderem das Herz belasten.

 

Warnzeichen sind Zahnfleischbluten oder -schwellungen, Mundgeruch, Änderung der Zahnstellung oder länger werdende gelockerte Zähne. Menschen mit Diabetes sollten mindestens einmal jährlich zur Kontrolle beim Zahnarzt gehen, empfiehlt die DDG. Dieser könne mithilfe des »Parodontalen Screening Indexes« (PSI) bereits frühe Formen der Erkrankung erkennen und dann behandeln. Die DDG arbeitet derzeit an einer neuen AWMF-Leitlinie »Diabetes und Parodontitis«. /

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