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Sarilumab

Angriff am IL-6-Rezeptor

12.07.2017
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Von Annette Mende, Berlin / Einer der zahlreichen Entzündungsmediatoren, die bei rheumatoider Arthritis überaktiv sind, ist Interleukin (IL)-6. Mit Tocilizumab existiert bereits ein Antikörper, der den Rezeptor dieses Zytokins blockiert. Jetzt kommt mit Sarilumab ein zweiter auf den Markt.

In der Therapie der rheumatoiden Arthritis (RA) ist seit einigen Jahren viel Bewegung. Methotrexat (MTX) bildet zwar nach wie vor die Basis der Pharmakotherapie, aber ergänzend beziehungsweise teilweise auch alternativ dazu erweitern mittlerweile viele Biologika die ­therapeutischen Möglich­keiten. TNF-α, ­ die CD20- beziehungsweise CD80/86-Oberflächenproteine, IL-1, IL-6 und zuletzt auch Januskinasen: Rheumatologen haben die Wahl aus einer Vielfalt an immunologischen Targets.

Braucht es angesichts dieser Fülle überhaupt noch weitere Substanzen? Ja, sagte Professor Dr. Eugen Feist von der Berliner Charité bei der von Sanofi Genzyme ausgerichteten Einführungs-Pressekonferenz von Sarilumab. Ein therapeutischer Bedarf sei trotz der breiten Wirkstoff-Palette vorhanden, denn fast die Hälfte der RA-Patienten (45 Prozent) habe trotz Therapie eine moderate oder hohe Krankheitsaktivität. Dabei steigt der Stellenwert der Biologika, denn laut Feist verträgt jeder dritte Patient MTX nicht oder kann es aufgrund von Kontraindikationen nicht anwenden und ist deshalb auf eine Biologika-Monotherapie angewiesen. »Die häufig verwendeten TNF-α-Blocker sind hier jedoch problematisch, weil viele Patienten im Laufe der Zeit gegen die Substanzen gerichtete Antikörper bilden«, so Feist.

 

Ein alternativer Angriffspunkt ist IL-6 beziehungsweise der Rezeptor, über den dieses Zytokin seine proinflammatorische Wirkung entfaltet. Sowohl der humanisierte Antikörper Tocilizumab (RoActemra®) als auch der jetzt zugelassene humane Antikörper Sarilumab (Kevzara®) blockieren den IL-6-Rezeptor; die noch in Entwicklung befindlichen Konkurrenten Olokizumab, Sirukumab, Clazakizumab und MEDI-5117 richten sich direkt gegen den Botenstoff IL-6.

 

Für die Zulassung von Sarilumab ausschlaggebend war das Studienprogramm SARIL-RA mit sieben Phase-III-Studien und insgesamt 2880 Patienten. Es umfasste zwar keinen direkten Vergleich mit Tocilizumab, dafür aber eine Head-to-Head-Studie gegen den Anti-TNF-α-Antikörper Adalimumab. Darin erzielte Sarilumab über 24 Wochen ­einen stärkeren Rückgang der Krankheitsaktivität, gemessen anhand des Rheuma-Scores DAS28-ESR (-3,28 Punkte versus -2,20 Punkte).

 

Die in den klinischen Studien mit ­Sarilumab am häufigsten beobachteten unerwünschten Reaktionen waren Neutropenie, Anstieg der Alaninaminotransferase, Hautrötungen an der Injektionsstelle, Infektionen der oberen Atemwege und Harnwegsinfektionen. Feist betonte, dass in den klinischen Studien besonders eine positive Wirkung von Sarilumab auf das Symptom Fatigue auffiel, das RA-Patienten in der Regel sehr belastet. /

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