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PZ-Expertenrat

Vitamin B12 als Lutschtablette?

12.07.2017  10:27 Uhr

PZ / Hat bei der Substitution von Vitamin B12 Methylcobalamin gegenüber Cyanocobalamin Vorteile? Und kann eine Susbtitution die kognitiven Fähigkeiten verbessern? Diese Frage an den PZ-Expertenrat beantwortet Professor Dr. Theo Dingermann.

Frage: Einer Kundin, die über nachlassende Konzentration und Merkfähigkeit klagt, wurde das Produkt »Super Vitamin B12« von Dr. Hittich empfohlen. Hierbei handelt es sich um ein pflanzliches Methylcobalaminin der Dosierung 1000 µg. Laut Aussage in einem Zeitungsartikel »zwingt« die Lutschtablette das Vitamin direkt ins Blut über die Mundschleimhaut, sodass sich der Vitamin-B12-Spiegel rasant und sicher auffüllt. Welchen Vorteil hat dieses Methyl­cobalamin gegenüber Cyano­cobalamin, welches üblicherweise verwendet wird? Ist mit Vitamin B12 überhaupt eine Verbesserung der Gedächtnis­leistung zu erreichen?

Antwort: Methylcobalamin (Methyl-B12) gehört neben dem Adenosylcobal­amin (Coenzym B12) zu den aktiven Vitamin-B12-Molekülen. Andere Formen von Vitamin B12, darunter auch das viel eingesetzte Cyanocobalamin, müssen vom Körper erst in Methylcobalamin oder Adenosylcobalamin umgewandelt werden. Das ist jedoch kein Problem und ist in aller Regel nicht als Nachteil anzusehen.

 

Der tägliche Mindestbedarf, der im Vergleich zu den meisten anderen Vit­aminen sehr gering ist, beträgt für den erwachsenen Menschen circa 3 µg. Dies liegt unter anderem daran, dass das Vit­amin mit 450 bis 750 Tagen eine lange Halbwertszeit hat, da es einem entero­hepatischen Kreislauf unterliegt. Dennoch kann für manche Menschen eine Substitution wichtig sein, vor allem dann, wenn komplett auf die Aufnahme tierischer Nahrungsmittel verzichtet wird. Denn die wichtigsten Quellen für Vitamin B12 sind tierische Lebensmittel, darunter Kalbs- und Schweineleber, Rindfleisch, Fisch und Käse (1 bis 60 µg/100 g). In Gemüse sind nur sehr geringe Mengen an Vitamin B12 enthalten (0,01 µg/100 g).

 

Bei dem in der Frage zitierten Zeitungstext, wonach das Methyl-B12 in Form einer Lutschtablette »mit Max­Effect®« über die Mundschleimhaut direkt ins Blut »gezwungen« wird, sodass sich der Vitamin-B12-Spiegel rasant und sicher auffüllt, handelt es sich erkennbar um einen als wenig seriös zu wertenden Werbetext. Vitamin B12 kann schon über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Allerdings geht man davon aus, dass viel verschluckt wird, sodass dieser Weg wohl wenig relevant ist. Vitamin B12 kann auch über passive Diffusion aufgenommen werden. Dazu sind hohe Dosen erforderlich. Rechnerisch sind Dosierungen ab 200 µg ausreichend. Sicherer sind Dosen zwischen 500 und 1000 µg pro Tag.

 

Sollten Konzentration und Merk­fähigkeit nachlassen, kann das neben vielen anderen Ursachen auch an einem Vitamin-B12-Mangel liegen. Die Vit­amin-B12-Konzentration kann und sollte man bestimmen lassen, um dann gegebenenfalls zu substituieren. Hierfür stehen etliche Präparate zur Verfügung, die sich, wenn ausreichend dosiert, in Wirksamkeit und Verträglichkeit kaum voneinander unterscheiden. /

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