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Doping

EPO hilft höchstens ein bisschen

12.07.2017
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Von Annette Mende / Kaum eine andere Sportart ist in den vergangenen Jahren so häufig von Dopingskandalen erschüttert worden wie der Profiradsport. Vor allem Erythropoetin (EPO) wurde häufig zur Verbesserung der Ausdauer eingesetzt. Jetzt zeigt eine Studie: Sehr weit ist es mit der Leistungssteigerung durch EPO gar nicht her.

Radsportler, die durch EPO die Zahl ihrer roten Blutkörperchen erhöhen, schneiden dadurch bei einer Langzeitbelastung auf dem Fahrradergometer nicht besser ab als Konkurrenten ohne EPO-Doping. Lediglich bei der Maximalkraft und bei der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2 max) war in einem achtwöchigen Vergleich ein signifikanter Unterschied zwischen gedopten und ungedopten Fahrern feststellbar, der sich aber nicht auf die Leistung in einem Fahrrad-­Straßenrennen auswirkte. Die Studie, die aktuell im Fachblatt »The Lancet Hemato­logy« erschien, stellt damit den Sinn des EPO-Dopings in Ausdauersportarten wie dem Radfahren infrage (DOI: 10.1016/S2352-3026(17)30105-9).

 

Placebokontrollierte Doppelblindstudie

EPO als Mittel, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt und dadurch die Sauerstofftransport-Kapazität des Blutes erhöht, wird schon seit Ende der 1980er-Jahre von Radsportlern zu Dopingzwecken eingesetzt. Sportler, die mit EPO gedopt haben, behaupten, dass der Unterschied in der Leistungsfähigkeit deutlich zu spüren sei. Harte wissenschaftliche Daten zu dem Effekt waren aber bisher kaum vorhanden. Eine Gruppe von Forschern um Jules Heuberger von der Universität Leiden in den Niederlanden untersuchte daher jetzt die Wirkung des EPO-Dopings auf die Leistung von Radsportlern, und zwar in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie.

 

Die Forscher rekrutierten 48 sehr gute Amateur-Radfahrer, die über acht Wochen in wöchentlichen Injektionen entweder EPO oder Kochsalzlösung subkutan verabreicht bekamen. In der Verum-Gruppe wurde die Dosis individuell so gewählt, dass der Hämoglobin-Wert um 10 bis 15 Prozent anstieg. Die Teilnehmer wurden angewiesen, während des Studienzeitraums normal weiterzutrainieren. Maximalbelastungstests gab es zu Studienbeginn und dann in zweiwöchigen Abständen, zusätzlich dazu zwei Ausdauertests am Anfang und am Ende des Untersuchungszeitraums, bei denen die Teilnehmer auf dem Fahrradergometer 45 Minuten lang bei 80 Prozent ihrer Maximalleistung strampeln mussten.

 

Die Maximalleistung, die zu Beginn in beiden Gruppen bei 335 Watt gelegen hatte, verbesserte sich unter EPO auf 351 Watt und damit signifikant mehr als unter Placebo (341 Watt). Auch die VO2 max, die angibt, wie viel Sauerstoff der Sportler pro kg Körpergewicht pro Minute verwerten kann, unterschied sich signifikant zwischen den Gruppen zugunsten des Verums (60,12 versus 57,41 ml/min pro kg). Diese Verbesserungen hatte die EPO-Gruppe mit weniger Trainingsaufwand erreicht: Die gedopten Teilnehmer trainierten durchschnittlich 5 Stunden und 186 km pro Woche auf dem Rennrad; die ungedopten Sportler waren dagegen im Schnitt 6 Stunden und 202 km radelnd unterwegs. Beim submaximalen Belastungstest gab es aber keine signifikanten Unterschiede. Ebenso wenig war der Zeitunterschied bei einer Wettfahrt auf den Mont Ventoux in Südfrankreich signifikant: Auf eine Gesamtzeit von 1 Stunde und 40 Minuten betrug er lediglich 17 Sekunden.

 

Als die Forscher die Teilnehmer nach dem Rennen fragten, ob sie selbst glaubten, EPO oder Placebo erhalten zu haben, lag interessanterweise nur etwas mehr als die Hälfte richtig. Von 23 mit EPO gedopten Sportlern glaubten nur neun selbst, das Verum erhalten zu haben. Immerhin sechs von 24 Placebo-Behandelte dachten das auch.

 

Die Nebenwirkungen der Therapie waren mild und unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. Mit einer Ausnahme: Die Werte der Oberflächenproteine E-Selektin und P-Selektin stiegen in der EPO-Gruppe, nicht jedoch in der Placebogruppe signifikant an. Da es sich dabei um Zelladhäsionsmoleküle handelt, die eine wichtige Rolle bei der Bildung von Thromben und bei Entzündungen spielen, könnte das auf ein erhöhtes Thromboserisiko durch die EPO-Behandlung hinweisen.

 

Ergebnisse übertragbar?

 

Alles in allem zeigt die Studie, dass sich bei ambitionierten Amateur-Radsportlern durch EPO-Doping zwar bestimmte leistungsbezogene Parameter verbessern. Dies wirkt sich aber weder auf die Ausdauerleistung auf dem Fahrrad-Ergometer noch auch auf die Zeit bei einem Straßenrennen mit Bergankunft aus. Ob sich diese Aussage auf Profi-Radsportler und deren noch deutlich größere Trainingsumfänge und stärkeren Leistungen übertragen lässt, ist nicht sicher. /

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