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Apobank-Studie

Kaufpreise für Apotheken fallen

04.07.2018
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Von Stephanie Schersch / Wer seine Apotheke verkaufen möchte, bekommt die Unsicherheiten im Markt derzeit zu spüren. Das geht aus einer Analyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) hervor. Demnach sind die Übernahmepreise für Apotheken 2017 im Schnitt gefallen.

Mit durchschnittlich 385 000 Euro mussten Gründer im vergangenen Jahr weniger Geld in die Hand nehmen als 2016 (396 000 Euro, 2015: 403 000 Euro). Hintergrund ist unter anderem der steigende Anteil preiswerterer Betriebe. Laut Apobank lag der Kaufpreis bei Übernahmen als Einzelapotheke in zwei von drei Fällen unter dem Durchschnitt, bei einem Drittel wurden sogar weniger als 150 000 Euro bezahlt.

 

Apothekenübernahmen im mittleren Preissegment (300 000 Euro bis 599 000 Euro) werden hingegen seltener, nur noch jeder vierte Verkauf (26 Prozent) fiel 2017 in diese Kategorie. 2016 war es noch jeder dritte (33 Prozent) gewesen. Lediglich der Anteil der Betriebe, für die eine Summe von mehr als 600 000 Euro gezahlt wurde, blieb mit einem Anteil von 20 Prozent weitgehen stabil (2016: 22 Prozent).

 

Unsicherheiten im Markt

 

Das Gefälle im Apothekenmarkt scheint sich damit zu verstärken. »Immer wieder beobachten wir, dass bei Apothekenübernahmen kein oder lediglich ein kleiner symbolischer Kaufpreis gezahlt wird und nur das vorhandene Warenlager vergütet wird«, sagte Daniel Zehnich, Apobank-Bereichsleiter für die Abteilung Gesundheitsmärkte und -politik. Er macht dafür insbesondere die Unsicherheiten im Markt verantwortlich. So hatte der Europäische Gerichtshof Versandapotheken aus dem EU-Ausland im Oktober 2016 von der deutschen Preisbindung für Rx-Medikamente befreit. Auf diese Schieflage im Wettbewerb hat die Bundesregierung bis heute nicht reagiert.

 

Die komplette Neugründung einer Apotheke kostete 2017 im Schnitt knapp eine halbe Million Euro. Mit 363 000 Euro blieben die eigentlichen Investitionen etwa in Einrichtung und EDV dabei mit Blick auf das Vorjahr stabil. Für das Warenlager mussten die Gründer hingegen rund 15 000 Euro mehr und damit insgesamt 136 000 investieren.

 

In den meisten Fällen machen sich Apotheker durch die Übernahme eines bestehenden Betriebs als Einzel- oder Hauptapotheke selbstständig. 2017 traf das auf 60 Prozent der Gründungen zu (2016: 56 Prozent). Auch der Anteil der Neugründungen von Filialen stieg leicht auf 7 Prozent (2016: 4 Prozent). Dagegen wurde 2017 nur noch jede vierte Apotheke (25 Prozent) übernommen, um sie anschließend als Filiale weiterzuführen (2016: 31 Prozent).

 

Besonders beliebt waren bei Gründern mittelstädtische Gemeinden mit 20 000 bis 100 000 Einwohnern. Hier wurden mit 37 Prozent im Verhältnis zur dort lebenden Bevölkerung überdurchschnittlich viele Apotheken übernommen beziehungsweise gegründet. Jede dritte Gründung erfolgte in der Großstadt, jede zehnte auf dem Land.

 

Die mit Abstand höchsten Übernahmepreise haben Gründer mit durchschnittlich 518 000 Euro 2017 in Ostdeutschland gezahlt. Dort hätten zuletzt viele umsatzstarke Apotheken einen Nachfolger gefunden, so Zehnich. Für ihre Analyse hat die Apobank die Daten von knapp 300 Gründungen ausgewertet. /

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