Pharmazeutische Zeitung online
Beipackzettel

Neuer Service für Sehbehinderte und Blinde

29.06.2010  14:10 Uhr

Von Martina Janning, Berlin / Blinde und sehbehinderte Menschen können sich Packungsbeilagen von Medikamenten nun im Internet vorlesen lassen. Apotheken sollen den neuen Service nutzen, um die gesprochenen Informationen für ihre Kunden herunterzuladen, wünscht sich der Verband der Blinden und Sehbehinderten.

Zu Risiken und Nebenwirkungen von Arzneimitteln sollen Patienten die Packungsbeilage sorgfältig lesen. Ein wichtiger Hinweis zur Sicherheit, den Blinde und Sehbehinderte aber nicht befolgen können. Sie müssen bisher einen Angehörigen, Freund, Nachbarn oder einen Apotheker bitten, ihnen die Packungsbeilage vorzulesen. Ein neuer Online-Dienst soll nun damit Schluss machen. Seit voriger Woche können Nutzer sich Beipackzettel im Internet beim Patienten-Info-Service vorlesen lassen. Ferner bietet die barrierefrei gestaltete Website die Möglichkeit zur Kontrastansicht, die Sehbehinderten das Lesen erleichtert, und zum Großdruck. »Das ist ein Projekt der Zukunft, weil es dabei hilft, Barrieren einzureißen«, sagte die Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV), Renate Reymann, zum Start des ­Angebotes in Berlin.

Bislang beteiligen sich 17 Pharmafirmen am Patienten-Info-Service. Sie stellen rund 1000 Präparate her, deren Beipack­zettel nach und nach online verfügbar ge­macht werden sollen. Arzneimittelher­steller, die noch nicht vertreten sind, ermutigte die parlamentarische Staats­sekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, zum Mitma­chen. Die mit diesem Service verbun­dene Gleichberechtigung behinder­ter Menschen sei »absolut notwendig und unumgänglich in unserer Gesellschaft«, erklärte sie. »Blinde und Sehbehinderte erhalten ein Stück Unabhängigkeit.« In Deutschland leben rund 1,2 Millionen Menschen, die kaum etwas oder gar nichts sehen.

 

Pharmafirmen sind nicht verpflichtet, am Patienten-Info-Service teilzunehmen, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) rät seinen Mitgliedern aber dazu. Für die Unternehmen ist es eine gute Möglichkeit, ein Gesetz umzusetzen: Denn seit dem Jahr 2005 müssen die Hersteller Beipackzettel von Arzneimitteln auch für blinde und sehbehinderte Personen verfügbar machen, sofern Patientenorganisationen es wünschen. Diese Barrierefreiheit ist auch im europäischen Recht verankert. Für das technische Bereitstellen der Gebrauchsinformationen im Internet bezahlten die Unternehmen, erläuterte Roman Klein, Geschäftsführer der Rote-Liste-Service GmbH, die den Patienten-Info-Service mit dem DBSV entwickelt hat und betreibt.

 

Apotheker sollen beim Verbreiten des neuen Services helfen, wünscht sich der DBSV. Gespräche mit Apothekerverbänden liefen bereits, berichtete Franz-Josef Rebele vom Verband. Ziel ist es, dass Apotheker die gesprochenen Beipackzettel auf Wunsch aus dem Internet auf eine CD-ROM oder Speicherkarte für ihre blinden und sehbehinderten Kunden herunterladen. Zum Abspielen der Gebrauchsinformationen eignen sich neben CD-Playern auch Geräte mit dem sogenannten Daisy-Standard. Die Abkürzung »Daisy« steht für Digital Accessible Information System. Dieses navigierbare Format macht weltweit Hörbücher und Zeitungen für Blinde verfügbar. Die Internetadresse des Patienten-Info-Service lautet www.patienteninfo-service.de/ 

Burnout: Erkennen, Verstehen, Verhüten

PZ / Erschöpft war schon jeder. Verbittert, das ist die risikoreiche Wende, wenn schließlich das Ende droht: ausgebrannt. Dabei sind es nicht die Schlechtesten, die vom Ausbrennen betroffen sind, im Gegenteil. Es gilt sogar die Regel: Wer ausgebrannt ist, war zuvor Feuer und Flamme – aber offenbar zu viel. Auch ist Burnout längst nicht mehr das Stress-Syndrom der helfenden Berufe, sondern betrifft praktisch jede Berufssparte, beide Geschlechter und immer mehr Jüngere. Welches sind die wichtigsten Ursachen, Motive, Hintergründe aus seelischem, psychosozialem und somatischem Gebiet heute? Wo liegen die meist unerkannten oder verdrängten Selbst- und Fremd-Anteile? Wie stellt sich die Prognose dar und wie kann/muss man sich hier selber einordnen?

 

Wenn man etwas dagegen tun will, muss man die Warn- und vor allem spätestens die Alarm-Symptome kennen. Was gilt es zu beachten und schließlich: Was kann man tun, vor allem in eigener Regie?

 

Beim gemeinsamen Präventionskongress von Wipig und Pharmazeutischer Zeitung in München spricht Professor Dr. Volker Faust, Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie am 31. Oktober darüber, wie ein sich anbahnender Burnout zu verhindern ist. Ein Anmeldeformular zum Kongress vom 30. bis 31. Oktober in München findet sich im Serviceteil der PZ 20/2010 und unter www.wipig.de. / 

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