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Prognose

Tödliche Hitzewellen werden zunehmen

20.06.2017  16:48 Uhr

Von Caroline Wendt / Extreme Hitze­wellen, die die Sterblichkeit erhöhen, werden in den kommenden Jahren aufgrund des Klimawandels zunehmen. Das ist das Ergebnis eines Reviews, den ein Forscherteam um Dr. Camilo Mora an der Universität von Hawaii in Manoa nun im Fachjournal »Nature Climate Change« veröffentlichte (DOI: 10.1038/nclimate3322).

Demzufolge sind derzeit etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung solchen extremen, potenziell tödlichen Bedingungen für mindesten 20 Tage im Jahr ausgesetzt. Dieser Anteil wird bis 2100 auf 48 Prozent ansteigen, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen von heute an drastisch reduziert würde. Wird der Treibhauseffekt nicht vermindert, beläuft sich die Rate im Jahr 2100 auf 74 Prozent der Weltbevölkerung.

Große Aufmerksamkeit erhielten die Hitzewellen, die 1995 in Chicago, 2003 in Paris und 2010 in Moskau auftraten. Damals starben in Chicago etwa 700 Menschen, in Paris 4800 und in Moskau 10 800 Menschen. Die Wissenschaftler um Mora vermuteten, dass Hitzewellen mit einer erhöhten Sterblichkeit bereits wesentlich häufiger auftreten als vermutet. Sie werteten daher Publikationen zu Perioden mit hitzebedingten Todesfällen aus dem Zeitraum von 1980 bis 2014 aus. Dabei identifizierten sie 783 solcher Ereignisse in 164 Städten in 36 Ländern und analysierten die klimatischen Bedingungen zu dieser Zeit an diesen Orten. Ziel der Untersuchung war es, durchschnittliche Schwellenwerte zu ermitteln, ab der eine Hitzewelle potenziell tödlich sein kann.

 

Entscheidend neben der Temperatur sei hierfür auch die relative Luftfeuchtigkeit, so die Forscher. Übersteigt die Außentemperatur die Körperkerntemperatur von 37 °C, kann der Körper keine Wärme mehr abgeben. Bei einer zu hohen Luftfeuchtigkeit, kann auch kein Schweiß mehr verdunsten. Dies kann zu einer Hyperthermie führen. Ein Hitzeschlag kann das Herz-Kreislauf-System stören und einen hypovolämischen Schock und Hirnödeme bedingen. Mithilfe der errechneten Schwellenwerte ließen sich Hochrechnungen für die nächsten Jahre treffen.

 

Am stärksten wird sich die Zunahme an Hitzeperioden in den Tropen bemerkbar machen, da hier das ganze Jahr über hohe Temperaturen herrschen. Es sei nur noch eine geringe Erderwärmung nötig, dann seien die klimatischen Bedingungen in den Tropen tödlich. »In Bezug auf Hitzewellen sind unsere Aussichten zwischen schlecht und schrecklich«, sagt Mora in einer Pressemitteilung der Universität. Die Entwicklung würde verschärft durch eine alternde Gesellschaft und die fortschreitende Urbanisierung. Eine Eindämmung des Treibhauseffekts müsse oberstes Ziel sein, so die Forscher. /

 

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