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Unabhängige Patientenberatung

Im Kampf um die Leistungen

13.06.2018
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Von Anna Pannen / In Deutschland suchen immer mehr Menschen die Unabhängige Patientenberatung (UPD) auf, weil sie Probleme mit ihrer Krankenversicherung oder Ärzten haben. Auch Bürger mit Fragen zu Medikamenten melden sich dort.

Viele Deutsche haben nach wie vor Probleme, Ansprüche gegenüber ihrer Krankenkasse durchzusetzen. Das hat die UPD diese Woche erklärt. Die Organisation hatte für ihren am Dienstag vorgestellten »Monitor Patientenberatung 2017« mehr als 150 000 geführte Beratungsgespräche mit Bürgern ausgewertet.

 

Mit Abstand am häufigsten (rund 98 000 Mal) wandten sich Versicherte für eine Rechtsberatung an die UPD, gefolgt von medizinischer Beratung (28 000 Mal) und allgemeiner Beratung (27 000 Mal). Fast die Hälfte der Rechtsberatungen drehte sich um Leistungsansprüche gegenüber Kostenträgern wie Krankenkassen. Also Fälle, in denen Versicherungen sich etwa weigern, bestimmte Leistungen zu zahlen, obwohl sie dazu verpflichtet sind. Viel Beratungsbedarf gab es auch beim Thema Krankengeld und in Fällen, in denen der Medizinische Dienst der Krankenversicherung beurteilt, ob ein Versicherter erwerbsfähig ist oder nicht. Hier werde oft wenig einfühlsam mit den Patienten kommuniziert, bemängelt die UPD.

Generell liegt beim Thema Kommunikation laut UPD einiges im Argen. Immer wieder bekämen Versicherte Schrei­ben ihrer Krankenversicherung, die sich läsen, als ob eine von ihnen angefragte Leistung bereits abgelehnt wäre, kritisierte der UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede. Für die Betroffenen sei dann nicht zu erkennen, dass sie ihren Anspruch sehr wohl noch durchsetzen könnten. Manche Versicherer informierten ihre Versicherten einfach nicht ausreichend oder böten von vornherein nur die Lösung an, die am wenigsten kostet ist, beklagt die UPD.

 

Auch kommen Menschen mit Fragen zur UPD, die eigentlich in die Apotheke gehören, etwa zu Wirkunterschieden bei Präparatewechsel. Die Ratsuchenden wüssten teils nicht, ob sie ihre Frage nun ihrem Hausarzt, Facharzt oder Apotheker stellen sollen, so die UPD. Die Patientenberater hätten mitunter den Eindruck, dass «von einzelnen Akteuren im Gesundheitswesen hier nicht die vorgeschriebene Zuständigkeit am Prozess der Arzneimitteltherapiesicherheit wahrgenommen wird«.

 

Gesundheitskompetenz

 

Für echte Gesundheitskompetenz genüge es heute nicht mehr, wenn Patienten medizinische Sachverhalte richtig einordnen könnten, lautet Krumwiedes Fazit. Sie müssten auch wissen, wie die Rechtslage für ihre Belange aussieht und wo im System sie Unterstützung bekommen. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Ralf Brauksiepe (CDU), kündigte Verbesserungen an. /

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