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Urlaub

Arzneimittel auf Reisen

26.07.2013
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Von Maria Pues / Hat man sein Urlaubsdomizil erst einmal erreicht, ist die Lagerung von Arzneimitteln meist kein Problem mehr. Doch was passiert auf dem Weg dorthin? Was sollte man bereits vor Reiseantritt bedenken? Und wie sollten Patienten mit einer Notfallmedikation umgehen, die sie stets bei sich tragen müssen?

Sommer, Sonne, Strand und Meer – was dem Urlauber Wohlgefühl und Entspannung beschert, muss für die mitreisenden Arzneimittel auf physikalische Kenngrößen reduziert werden: elektromagnetische Strahlung, Temperatur – zu hoch, zu tief und/oder schwankend – sowie (Luft-)Feuchtigkeit. Mit anderen Worten: Stress pur. Ihn gilt es für die Medikamente zu vermindern, damit Patienten sich auf die Wirksamkeit ihrer Arzneimittel bis zum angegebenen Verfalldatum verlassen können.

Das Verfalldatum gilt bekanntermaßen nur, wenn die Lagerung sachgerecht erfolgt ist. Und ? man kann Patienten nicht oft genug darauf hinweisen: Das Verfalldatum auf Arzneimitteln ist anders als beim Reiseproviant kein Mindesthaltbarkeits­datum. Beide gelten aber jeweils für die ungeöffnete Packung.

 

Zu heiß

 

Zu hohe Lagertemperaturen setzen den meisten Arzneizubereitungen mehr oder weniger stark zu. Dabei sind es nicht nur die Wirkstoffe, die zum Beispiel mit beschleunigter Zersetzung reagieren können, ohne dass dies für den Patienten erkennbar wäre. Auch ungesättigte Fettsäuren, beispielsweise in Cremes oder Salben, ätherische Öle und Pflastermassen verändern sich unter Wärmezufuhr. Pflaster haften dann schlechter oder lassen sich nur mit Mühe rückstandsfrei von der Haut entfernen. Wirkstoffhaltige Pflaster können zudem ihre Freisetzungsrate verändern.

Zu warm wird es Arzneimitteln während der Autofahrt besonders auf der Hutablage und im Handschuhfach, vor allem, wenn sich für die Rast kein Parkplatz im Schatten finden lässt. Besser aufgehoben sind Arzneimittel unter einem der Vordersitze oder im Kofferraum. Wer sichergehen will, nimmt sie mit, wenn er das Auto verlässt. Für Arzneimittel, die im Kühlschrank zu lagern sind, eignet sich eine Isoliertasche mit Kühlakku oder Kältepäckchen. Diese dürfen dabei aber nicht direkt mit dem Arzneimittel in Berührung kommen, denn auch Unterkühlung kann schaden. Bei Flugreisen gehören Arzneimittel daher auch nicht in den Gepäckraum des Fliegers, sondern in das Handgepäck.

 

In den Hotelkühlschrank soll nach Ankunft im Hotel nur, was tatsächlich gekühlt werden muss, denn auch häufige Temperatur­schwankungen bei Lagerung und Anwendung können die Haltbarkeit eines Arzneimittels reduzieren. Bei flüssigen Zubereitungen kann zudem ein Auskristallisieren oder Ausflocken von bei Raumtemperatur gelösten Wirk- und/oder Hilfsstoffen und damit eine Änderung von Konzentration und Dosiergenauigkeit die Folge sein.

 

Zu hell

 

Auch Licht kann eine Zersetzung von Wirkstoffen verursachen. Nicht ohne Grund ist beispielsweise Nifedipin in roten Kapseln und lichtundurchlässigen Blistern verpackt. Fehlende Färbung garantiert jedoch nicht automatisch Fotostabilität: L-Thyroxin ist ebenfalls lichtempfindlich. Transport und Lagerung sollten daher jeweils in lichtgeschützter Verpackung erfolgen ? entweder im Original-Umkarton oder in einem passenden und beschrifteten Ersatz. Keinesfalls sollten Arzneimittel ihren Blistern entnommen werden, denn dann wären sie nicht nur Licht und Hitze, sondern auch Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit unnötig stark ausgesetzt.

 

Zu feucht

 

Pulver-Inhalatoren, Instant-Tees, Teststreifen und Brausetabletten stehen auf der Liste feuchtigkeitsempfindlicher Zubereitungen ganz oben. Nicht immer merkt man wie im Fall von Acetylsalicylsäure durch einen intensiven Essiggeruch dem Arzneimittel die Zersetzung an. Vor allem Mehrdosenbehältnisse (»Röhrchen«) bergen Gefahren, da bei jeder Entnahme Feuchtigkeit eindringen kann.

 

Nach Möglichkeit sollten Patienten hier (gegebenenfalls mehrere) kleine Packungen oder besser noch einzeln eingeschweißte oder verblisterte Produkte wählen. Während man Arzneimitteln den Kontakt mit der Luftfeuchtigkeit in manchen Fällen ansieht, bemerken Pa­tienten diesen bei Teststreifen vor allem durch Ausreißer in den Messwerten, die sie aber häufig nicht auf eine falsche Lagerung zurückführen.

 

Und die Notfallarznei?

 

Während Patienten den größten Teil ihres Arzneimittelvorrats nach der Ankunft im klimatisierten Hotel sicher deponieren können, müssen manche Medikamente sie überall hin begleiten. Ob an den heimischen Baggersee, den Mittelmeerstrand oder den Hotelpool ? das Notfallspray für den Asthma- Anfall, die Nitrokapseln oder das -spray oder die Epinephrin-Spritze müssen mit.

Empfindlich auf zu hohe Temperaturen reagieren Druckgasbehältnisse wie Dosieraerosole für Asthma-Notfälle. Eine Lagertemperatur von maximal 25 °C sollte daher nach Möglichkeit eingehalten werden, betonen Hersteller auf Anfrage der PZ. Keinesfalls dürfen sie über 50 °C gelagert werden, da durch den steigenden Druck im Behältnis das Ventil beschädigt und seine Funktionsfähigkeit gestört werden kann. Auch unsichtbare Undichtigkeiten können die Konzentrationsverhältnisse im Innern des Dosieraerosols und damit auch eines Sprühstoßes verändern. Patienten sollten darauf hingewiesen werden, ihr Dosieraerosol stets vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, da diese das Innere des Döschens extrem aufheizen kann.

 

Einige Arzneimittel sind aber auch robuster, als mancher vermutet. Das gilt zum Beispiel für Epinephrin-Fertigspritzen (Fastjekt®). Ihre Lagerung soll bei 15 bis 25 °C und unter Lichtschutz erfolgen. Doch auch wenn sie vier Wochen bei 30 °C gelagert würden, sei dies kein Problem, versichert Dr. Uwe Pusch, Meda-Pharm, auf Nachfrage der PZ. Sie seien danach noch ein Jahr wirksam. Patienten sollten außerdem das Sichtfenster auf Rotfärbung kontrollieren, rät er. Diese trete auf, wenn der Wirkstoff mit Luftsauerstoff in Kontakt gekommen sei, zum Beispiel durch Gebrauch, aber auch bei Undichtigkeit. Das Arzneimittel ist dann nicht mehr verwendbar.

 

Auch Svenja Prütz von der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Pohl-Boskamp beruhigt: »Was der Mensch aushält, hält auch Nitrolingualspray® aus.« Es könne außerdem auch nach Anbruch und Urlaub bis zum aufgedruckten Verfalldatum verwendet werden, erläutert sie auf Anfrage der PZ. Toxische Abbauprodukte bilden sich nicht. Eine mögliche Abnahme des Wirkstoffgehalts habe keine direkte Auswirkung, da das Spray nach Wirkung und nicht nach einem festen Schema dosiert wird. /

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