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Sonnenschutz

Wer darf nicht in die Sonne?

26.07.2013  13:07 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / Während die meisten Menschen sich im Sommer auf ausgedehnte Sonnenbäder freuen, müssen andere die Sonne meiden. Dazu zählen Patienten mit bestimmten Hauterkrankungen, die durch UV-Licht-Exposition ausgelöst oder verschlimmert werden. Aber auch für Patienten, die bestimmte Medikamente einnehmen, ist Lichtschutz dringend erforderlich.

Strand, Schwimmbad oder Park – die meisten Menschen zieht es im Sommer hinaus in die Sonne. Einige sollten diese aber mit Vorsicht, wenige sogar gar nicht genießen. »Die größte Gruppe von Personen, die die Sonne meiden sollten, sind Menschen mit hellem Hauttyp, also Hauttyp I und II«, erklärte Professor Dr. Thomas Dirschka, niedergelassener Dermatologe aus Wuppertal, gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Diese haben ein erhöhtes Risiko, hellen Hautkrebs zu entwickeln. »Menschen mit hellem Hauttyp, die heute geboren werden, haben ein Lebenszeitrisiko für hellen Hautkrebs von 100 Prozent.« Wer also zum keltischen (Typ I) oder nordischen Typ (Typ II) zählt, hat einen geringen Eigenschutz der Haut und sollte daher den Schatten vorziehen und Sonnenschutzpräparate mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden.

Die zweite große Gruppe, die der Sonne fernbleiben sollte, sind Patienten, die Medikamente einnehmen, die die Lichtempfindlichkeit der Haut steigern. Diese Photosensibilisatoren rufen je nach Wirkstoff unterschiedliche Beschwerden hervor, die von starkem Sonnenbrand über Blasenbildung bis hin zu verstärkter Pigmentierung reichen. »Hier sind vor allem die Diuretika zu nennen«, sagte Dirschka. Klassischer Photosensibilisator ist das Johanniskraut. Aber auch viele andere Substanzen aus Wirkstoffgruppen wie Antiarrhythmika, nicht-steroidale Antiphlogistika, Antibiotika, Antidepressiva, Antipsychotika, Antimalaria-Mittel und systemische Psoralene können photosensibilisierend wirken. Apotheker sollten, wenn sie ein photosensibilisierendes Medikament abgeben, den Patienten darauf hinweisen, dass ein geeigneter Sonnenschutz induziert ist, riet Dirschka. Entsprechende Hinweise enthalten zum Beispiel die ABDA-Datenbank, aber auch die Beipackzettel der Präparate.

 

Einen Sonderfall stellen Organtransplantierte, von denen in Deutschland etwa 80 000 leben, dar, sagte der Dermatologe. »Sie müssen Medikamente einnehmen, die das Hautkrebsrisiko um den Faktor 30 steigern.« Auch andere Patienten mit chronischer Immunsuppression sind gefährdet. Patienten mit Colitis ulcerosa oder Rheumatoider Arthritis nehmen mitunter Arzneimittel ein, die das Hautkrebsrisiko erheblich erhöhen. »Hier sind besondere Schutzmaßnahmen erforderlich«, so Dirschka (siehe Kasten unten).

 

Krank durch Sonnenlicht

 

Die dritte große Gruppe von Personen, die die Sonne meiden sollten, stellen Patienten mit Hauterkrankungen dar, die durch UV-Licht ausgelöst oder verschlechtert werden. »Der Klassiker ist kutaner Lupus erythematodes«, so Dirschka. Bei dieser Autoimmunerkrankung der Haut ist UV-Licht einer der wichtigsten Triggerfaktoren: Sowohl Sonnenexposition als auch künstliche Lichtquellen können Hautveränderungen induzieren oder verstärken und in seltenen Fällen auch zum Auftreten einer systemischen Organmanifestation führen. Deswegen sind auch für diese Patienten konsequente Lichtschutzmaßnahmen unabhängig vom Erkrankungsgrad ein Muss. An unbedeckten Körperstellen sollten ganzjährig hochwirksame Sonnenschutzpräparate (Lichtschutzfaktor 50 oder mehr) aufgetragen werden. Außerdem sollten Patienten wissen, dass Fensterscheiben UV-A-Strahlung durchlassen und eventuell mit dunkler Folie abgeklebt werden sollten. Photosensibilisierende Medikamente sind zu vermeiden.

 

Auch eine Rosazea (Kupferfinne), eine durch ausgeprägtes Erythem und Papelbildung im Gesicht charakterisierte Hauterkrankung, verschlechtert sich durch Sonnenexposition. Zu den durch Licht ausgelösten Hauterkrankungen zählen auch die »Sonnenallergie« (polymorphe Lichtdermatose) und die Licht-Urtikaria. Die polymorphe Lichtdermatose ist relativ häufig und betrifft in Mitteleuropa etwa 10 Prozent der Bevölkerung. Die Ursachen sind noch unklar. Bei den Betroffenen entwickeln sich wenige Stunden nach Sonnenexposition Veränderungen an der Haut, die von Patient zu Patient unterschiedlich sein können. Meist treten stark juckende, fleckige Rötungen mit Papeln, Bläschen oder Quaddeln, zum Teil auch mit Einblutungen in die Haut auf, erklärte Dirschka. Die Beschwerden betreffen vor allem junge Frauen und machen sich bemerkbar, wenn die Haut nach längerer Entwöhnung der Sonne ausgesetzt wird. »Im Herbst sieht man diese Patienten kaum«, sagte Dirschka. »Aber im Frühling kommen sie dann wieder in die Praxis.« Werden die betroffenen Hautstellen mit Kleidung oder Lichtschutzmitteln geschützt, klingen die Symptome nach wenigen Tagen ab. Eine polymorphe Lichtdermatose kann über Jahre Probleme machen, meist verschwindet sie aber von selbst im Laufe der Zeit.

 

Bei dieser umgangssprachlich als Sonnenallergie bezeichneten Reaktion handelt es sich nicht um eine echte Al­lergie. Echte photoallergische Reaktionen treten meist in Zusammenhang mit einer Medikamenteneinnahme oder der Verwendung von Lichtschutzpräparaten auf. Selten ist eine spezielle Form der »Sonnenallergie«: die Licht-Urtikaria. Bei den Betroffenen bilden sich meist wenige Minuten nach der Sonnenexposition blassrote Schwellungen an den bestrahlten Hautregionen. Aus diesen entstehen Quaddeln, die an Mückenstiche oder Brennnessel-Stiche erinnern, und stark jucken. Wenn große Flächen des Körpers der Sonne ausgesetzt werden, kann es im schlimmsten Fall zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Für Betroffene kann die Erkrankung sehr belastend sein. In der Regel klingt sie nach Monaten oder Jahren wieder ab, sie kann sich aber auch chronifizieren.

 

Kein Pigmentschutz

 

Vorsicht mit Sonnenbädern ist auch bei Vitiligo-Patienten geboten, betonte Dirschka. Bei der Weißfleckenkrankheit liegt durch Untergang der Melanozyten in einigen Hautarealen eine Depigmentierung vor. Die betroffenen Regionen haben somit keinen Eigenschutz gegen UV-Strahlung und müssen mit einem Sonnenschutzpräparat mit hohem Schutzfaktor eingecremt werden. Entsprechendes gilt im besonderen Maß für Menschen mit Albinimus. Bei dieser angeborenen Stoffwechselerkrankung führt ein Enzymdefekt dazu, dass die Pigment-Bildung in Haut, Haaren und Augen gestört ist. Dementsprechend hell bis weiß erscheinen diese. Die Haut ist sehr UV-empfindlich und reagiert mit starken Sonnenbränden und frühzeitiger Alterung. Auch das Hautkrebsrisiko ist stark erhöht, weshalb ein konsequenter Sonnenschutz notwendig ist.

 

Eine starke, sehr schmerzhafte Lichtempfindlichkeit tritt bei kutanen Porphyrien auf. Dabei handelt es sich um seltene Stoffwechselstörungen, bei denen die Hämsynthese durch einen Enzymdefekt gestört ist. Bestrahlung mit Sonnenlicht (vor allem sichtbaren Licht) kann zu massiven Schäden an der Haut führen. Dies äußert sich je nach Ausprägung in starken Sonnenbränden oder Blasenbildung an der Haut, aber auch durch Vernarbung und Absterben des Gewebes. Entsprechend lichtscheu sind die Betroffenen. Diese Photophobie zusammen mit anderen Symptomen der Porphyrie wie Erythrodontie (rötliche Verfärbung der Zähne), Anämie sowie die daraus resultierende Blässe sind vermutlich der Ursprung der Dracula-Legende.

 

Während die meisten Patienten, die Sonne mit entsprechenden Schutzmaßnahmen in Maßen genießen können, müssen einige Personen sie vollständig meiden. Dazu gehören Patienten mit der seltenen angeborenen Erkrankung Xeroderma pigmentosum. Durch einen Genfekt, der DNA-Reparatur-Enzyme betrifft, kann sich die Haut der Patienten nach Schäden durch Sonneneinstrahlung nicht regenerieren. Die Folgen sind starke Entzündungen der Haut, sowie Tumoren und meist ein früher Tod. Die Lebenserwartung liegt bei etwa 30 Jahren. Die Betroffenen müssen konsequent von jeglicher Bestrahlung abgeschirmt werden. /

 

SCHWERPUNKT

Reisen

Sonnenschutz bei Krebspatienten

Auch Krebspatienten sollten in Bezug auf die Sonne vorsichtig sein. Dabei gibt es drei Aspekte zu beachten. Zum einen erhöhen einige Zytostatika die Lichtempfindlichkeit der Haut, erklärte Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) gegenüber der PZ. »Dies sind vor allem einige häufig verwendete Chemotherapeutika wie 5-Fluorouracil, Dacarbazin, Methotrexat und Vinblastin.»Aber auch einige neue zielgerichtete Wirkstoffe wie die Tyrosinkinase-Hemmer und einige Antikörper rufen Hautveränderungen hervor, die durch Sonnenlicht verstärkt werden können. »Es wird empfohlen, dass Patienten unter Therapie und in den ersten sechs Monaten nach Absetzen der Therapie längere Aufenthalte in der Sonne vermeiden sollen«, so Weg-Remers.

 

Zum anderen macht die Strahlentherapie der Haut zu schaffen. »Die Haut ist durch die Bestrahlung schon vorgeschädigt und kann eine dauerhafte Sonnenempfindlichkeit behalten«. Sonne, aber auch Chlor- und Salzwasser sollten Krebspatienten nach einer Radiotherapie daher für einige Wochen meiden, und bei dauerhafter Überempfindlichkeit grundsätzlich vorsichtig sein. Eines besonderen Schutzes bedürfen auch Operationsnarben. Darauf weist der KID in dem Beitrag »Haut, Haare, Zähne – Körperpflege bei Krebs« auf www.krebsin formationsdienst.de hin. Narben haben zu Anfang, zum Teil aber auch permanent keine Pigmente. Patienten sollten daher operierte Haut nicht der direkten Sonne aussetzen. Nach dem vollständigen Abheilen der Narben können diese mit Sonnenschutzpräparaten geschützt werden.

 

Beim Auftragen von Lichtschutzmitteln sollten Krebspatienten aufpassen, riet die KID-Leiterin. »Nach einer Chemo-, aber auch nach einer Strahlentherapie kann es sein, dass die Haut anders reagiert als vorher.« Patienten sollten daher Sonnenschutzpräparate immer erst auf einem kleinen Hautareal auftragen, um zu testen, ob sie die Produkte noch vertragen.

 

Eine besondere Situation stellen Lymph­ödeme dar, die bei manchen Krebspatienten als Folge einer Lymphknotenentfernung oder einer ausgedehnten Bestrahlung auftreten. »Die über den Lymphödemen gespannte Haut reagiert empfindlich auf UV-Licht«, sagte Weg-Remers. Patienten sollten daher die betroffenen Körperstellen bedecken oder die Sonne ganz meiden.

Lichtschutzmaßnahmen bei Risikopatienten

Meiden von UV-Strahlung Sonne von 11 bis 15 Uhr meiden Täglichen UV-Index erfragen UV-Reflektionsflächen (Wasser, Schnee, Sand) beachten UV-Schutzfolien für Fenster
Textiler Schutz Tragen von Hüten und schützender Kleidung
Lichtschutzpräparate Chemische UV-A- und UV-B-Filter (SPF ≥ 50) Physikalische Filter (Titandioxid, Zinkoxid) Antioxidanzien (zum Beispiel Vitamin E, Flavonoide) Anwendung: Applikation in ausreichender Menge (2 mg/cm 2
), wiederholtes Auftragen (etwa nach einem Badegang) Wahl eines adäquaten Schutzmittels
Meiden photosensibili­sierender Pharmaka Absprache mit dem Arzt und dem Apotheker

Quelle: AWMF-Leitlinie für kutanen Lupus erythematodes

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