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Pharmacon Meran

Die digitale Welt ist schon Realität

27.05.2014  09:30 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler, Meran / Technologie und Digitalisierung werden das Leben immer stärker bestimmen. Bereits heute ist ihr Einfluss größer als vielen Menschen bewusst ist. Auch im Gesundheitsbereich werden Datennutzung und -vernetzung entscheidende Zukunftsfaktoren sein, davon ist der Geschäftsführer des Gottlieb Duttweiler Instituts, David Bosshart, überzeugt.

»Egal welche Branche: Wir müssen die Geschäftsmodelle von Amazon, Google, Apple, Facebook und Microsoft genau beobachten«, sagte Bosshart bei seinem Vortrag in Meran. Diese fünf Unternehmen gestalteten die Welt neu. Der Referent zeichnete ein faszinierendes bis erschreckendes Bild einer digital gesteuerten Welt, die in nicht so ferner Zukunft liegen könnte.

 

Großer Vorteil

 

Geschickte Datengenerierung und -nutzung werden laut Bosshart künftig ein wichtiger Vorteil für viele Unternehmen sein. Dies hätten die großen Internetfirmen gezeigt. Im Umgang mit Daten habe Amazon etwa zehn bis zwanzig Jahre Vorsprung. Firmen wie Amazon oder Facebook würden an den Börsen so hoch bewertet, weil sie viele Daten vernetzen und verarbeiten könnten. Sie könnten ständig neue Nutzer gewinnen, ohne neu zu investieren, und könnten höhere Umsätze mit weniger Mitarbeitern erzielen.

 

Ein unbeschränkter Internetzugang mittels WLAN, ein Kaffee oder Energy drink und eine Ecke zum Zurückziehen: Das reiche vielen Menschen heute aus, um sich wohlzufühlen. »Die Menschen wollen verknüpft sein.« In einer Studie hätten bis zu 90 Prozent der deutschen Befragten angegeben, auf Fast-Food zu verzichten, wenn sie dafür ein Jahr lang unbegrenzten Internetzugang erhalten würden. 60 bis 90 Prozent würden auf Schokolade, Kaffee oder Alkohol verzichten. Ähnlich fiel die Umfrage in anderen Ländern aus, darunter Brasilien oder China.

 

Das Smartphone sei für viele der wichtigste Bezugspunkt im Leben, sagte Bosshart. Durch den ständigen Gebrauch lerne ein Smartphone sehr viel über seinen Nutzer, seine Arbeits-, Denk- und Lebensweise. »Das ist ein ungeheures Powertool.« Bosshart gab sich überzeugt: »Mensch und Maschine können ein besseres Team sein als Mensch und Mensch.« In puncto Intelligenz seien Maschinen dem Menschen heute oft überlegen. Viele Unglücke, zum Beispiel in der Luftfahrt, gingen auf menschliches, nicht auf technisches Versagen zurück. In spätestens zehn Jahren werde nicht mehr der Mensch ein Auto fahren, sondern das Auto ihn, prognostizierte er.

 

Auch im Gesundheitsbereich würden neue Technologien und Digitalisierung immer wichtiger, zeigte Bosshart am Beispiel sogenannter Ambient-Assisted-Living-Modelle. Ältere Menschen könnten mit Technikunterstützung länger selbstständig zu Hause leben. So könnten sich Mensch und Technologie die Pflegearbeit teilen, so Bosshart. Babys könnten mit Sensoren ausgestattet werden, die deren physiologische Daten erfassen und an ein Smartphone senden. Diese Technologie werde Aufmerksamkeit und Nähe neu definieren.

 

Placeboeffekt

 

»Gesundheit wird künftig viel mit Datenverfügbarkeit zusammenhängen«, sagte Bosshart. Dies gelte nicht nur für die prädiktive Medizin, sondern beispielsweise auch für den Bereich Monitoring. Selbstmonitoring liefere nicht nur viele Informationen, sondern habe einen hohen Placeboeffekt. Gesundheitsangebote aus dem Netz würden ihre Kundennähe kontinuierlich verbessern, erwartet Bosshart. Apotheker, die ein hohes Vertrauen bei den Menschen genießen, sollten dieses bewahren und in einem immer komplexeren Umfeld nutzen. /

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