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Tag der Apotheke

OTC-Arzneimittel im Straßenverkehr

27.05.2013
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AMK / Dass bestimmte Arzneimittel die Fahrtüchtigkeit beeinflussen können, ist bekannt. Doch welche haben einen geringen, moderaten oder sogar großen Effekt auf die Fahrtüchtigkeit? Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) hat eine Handreichung erstellt, die ausgewählte OTC-Wirkstoffe und deren mögliche Risiken beinhaltet. Das vollständige Booklet finden Sie im Serviceteil dieser Ausgabe.

Innerhalb der Europäischen Union (EU) stellt die Straße das gefährlichste Transportsystem dar. Doch nur 5 Prozent der durch Unfälle verursachten Kosten werden in deren Vermeidung investiert (www.druid-project.eu). Als Ursache für Verkehrsunfälle kommt unter anderem die Beeinflussung der Fahrtauglichkeit durch Arzneimittel infrage. Das Ausmaß schwankt zwischen 3 und 20 Prozent und gilt als überschätzt. Grund dafür sind fehlende oder mangelnde epidemiologische Daten. In einer jüngst veröffentlichten Studie, in welcher erstmals gemeinsam landesweite Daten aus zwei Polizeidatenbanken und einer Krankenversicherungsdatenbank ausgewertet wurden, konnte gezeigt werden, dass sich rund 3 Prozent der Unfälle auf verschreibungspflichtige Arzneimittel zurückführen ließen. Für OTC-Arzneimittel dagegen fehlen diese Informationen weitestgehend.

Die Beurteilung von Arzneimitteln bezüglich der Beeinflussung der Fahrtauglichkeit ist komplex und hängt von vielen Faktoren ab. Dieser Umstand trägt dazu bei, dass die Information der Patienten durch die Heilberufe heterogen erfolgt. Bemühungen, das Bewusstsein der Heilberufe und auch der Patienten für Arzneimittel-bedingte Einflüsse auf die Fahrtauglichkeit zu schärfen, bestehen schon länger. So wurde 1983 EU-weit beschlossen, Informationen in den Produktinformationen aufzuführen. Darüber hinaus wurden in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten verschiedene Systeme zur Verbesserung der Verordnungs- und Abgabeprozesse von Arzneimitteln etabliert. Jedoch gelang erst vor Kurzem die Einführung eines europäischen, standardisierten und harmonisierten Klassifikationssystems für Arzneimittel hinsichtlich ihres Potenzials, die Fahrtauglichkeit zu beeinflussen (Tabelle). Dabei wurden erstmals sämtliche europäische Arzneimittel bewertet. Somit ist ein Werkzeug verfügbar, das die Prozesse während des Verordnens und Abgebens von Arzneimitteln mit Hinblick auf die Verkehrssicherheit verbessern kann.

 

Innerhalb der Arzneimittelversorgung und Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) kommt den Apotheken bei OTC-Arzneimitteln eine besondere Bedeutung zu, da für die Patienten, die sich zudem der potenziellen Gefahren häufig nicht bewusst sind, das pharmazeutische Personal den einzig beratenden Ansprechpartner darstellt. Zu diesem Zweck hat die AMK eine tabellarische Übersicht unter Berücksichtigung der in Deutschland bedeutsamen OTC-Arzneistoffe und deren Potenzial, die Fahrtauglichkeit zu beeinflussen, zusammengestellt (siehe Serviceteil der Printausgabe Woche 22, 2013). Die Klassifikation und Daten wurden aus den Ergebnissen des EU- finanzierten DRUID-Projektes (Driving under Influence of Drugs, Alcohol and Medicines; Deliverable 4.4.1 unter: www.druid-project.eu -> Deliverables -> Work Package 4 ? Classification) entnommen.

 

Bei dem Gebrauch der Übersicht ist zu beachten, dass nur einzelne Wirkstoffe in üblicher Dosierung bewertet wurden und die Rolle der Erkrankung auf die Fahrtauglichkeit unberücksichtigt ist. Eine angemessene Beratung des Patienten, bei der das Klassifika­tionssystem bekannt sein sollte und die Angaben als Hintergrundinforma­tionen benutzt werden können, ist dennoch nötig und die beste vorbeugende Maßnahme, die Anzahl der Unfallverletzten und -toten zu reduzieren. /

 

Literatur bei den Verfassern

Tabelle: Kategorisierungssystem von Arzneimitteln bezüglich des Einflusses auf die die Fahrtauglichkeit. Angaben erfolgen in Anlehnung an die DRUID-Klassifikation.

Kategorie Patientenempfehlung
Kategorie 0: Mutmaßlich sicher oder hat wahrscheinlich keine negativen Effekte auf die Fahrtüchtigkeit. Kein Warnhinweis notwendig.
Kategorie 1: Hat wahrscheinlich einen geringen Effekt auf die Fahrtüchtigkeit. Vor dem Fahren bitte den ent­sprechenden Abschnitt der Gebrauchs­information lesen.
Kategorie 2: Hat wahrscheinlich einen moderaten Effekt auf die Fahrtüchtigkeit. Vor dem Fahren bitte den Rat eines Apothekers oder Arztes einholen sowie den entsprechenden Abschnitt der Gebrauchsinformation lesen.
Kategorie 3: Hat wahrscheinlich einen großen Effekt auf die Fahr­tüchtigkeit. Kein Fahrzeug führen, solange die (Neben-)Wirkung anhält. Wieder­aufnahme des Fahrens nach Rücksprache mit dem Arzt.

Für die AMK

Dr. Matthias Ganso und Professor Dr. Martin Schulz, Jägerstraße 49/50, 10117 Berlin, E-Mail: amk(at)arzneimittelkommission.de, www.arzneimittelkommission.de

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