Pharmazeutische Zeitung online
Interdisziplinäres Lernen

Gemeinsam das Beste herausholen

23.05.2018
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Von Carolin Antropov / Als Pharmazeut gemeinsam mit Medi-­zinern und Studenten anderer Fachrichtungen an einem klinischen Fall zu arbeiten, klingt nach Zukunftsmusik? An der Universität Sydney ist diese Art zu lernen bereits Realität. Das Ziel: Nicht nur mit- und voneinander lernen, sondern auch Teamarbeit trainieren.

Die Medizin macht einen Fortschritt nach dem nächsten und Gesundheitsinterventionen werden zunehmend komplexer. Um den höchsten Nutzen für Patienten zu erreichen, sind mehrere Spezialisten nötig. Diese sind allerdings nur so gut, wie sie effektiv miteinander zusammenarbeiten. Zwar sind es Apotheker mittlerweile gewöhnt, in einem multidisziplinären Umfeld zu agieren. Doch gute Teamarbeit fliegt niemandem von alleine zu, sondern will gelernt sein. Da liegt es nahe, das richtige Miteinander von Anfang an im Studium zu trainieren und dabei zusätzlich voneinander zu lernen. Wie und vor allem, dass dies funktioniert, wird Professor Dr. Timothy Chen von der Universität Sydney im September auf dem diesjährigen FIP-Kongress in Glasgow (Kasten) präsentieren. Einen Teil seiner Arbeit stellt die FIP nun bereits in einem Presseartikel auf ihrer Website vor.

 

Preisgekröntes Lernprojekt

 

Mit viel Enthusiasmus ist es Chen und seinen Mitstreitern an der Universität Sydney gelungen, mit der sogenannten »Health Collaboration Challenge« ein preisgekröntes interdisziplinäres Lernprojekt auf die Beine zu stellen. Pharmazeuten, Mediziner, Zahnärzte, Ökotrophologen, Physiotherapeuten, Radiologen, Krankenschwestern: Jeder einzelne Berufszweig verfügt über ein fachspezifisches Wissen mit einzigartigen Fähigkeiten und Kompetenzen. In der Ausbildung sind Berührungspunkte dabei normalerweise kaum vorgesehen. Um ihre Studenten zusammenzuführen, mussten die Dozenten daher zunächst selbst ein starkes, interdisziplinäres Team bilden.

 

Wie der Name »Challenge« schon andeutet, hat das Programm Wettbewerbscharakter. Studenten von mindestens sechs verschiedenen Fachbereichen werden zu Teams zusammengewürfelt. In einer großen Veranstaltung bekommt jedes Team dann einen komplexen, aber authentischen medizinischen Fall zugewiesen. Ihre Aufgabe: Am Ende des Tages müssen sie einen fünfminütigen Film sowie zusätzlich einen schriftlichen Behandlungsplan präsentieren. Dafür ist nicht nur Kreativität gefragt, sondern sie müssen sowohl technisch als auch klinisch eng zusammenarbeiten.

 

Die Ergebnisse können dabei ganz unterschiedlich aussehen. Denn während manche Studenten gerne selbst vor der Kamera stehen, lassen andere im Video lieber Zeichnungen sprechen. Im Anschluss bewerten die angehenden Kollegen gegenseitig ihre Arbeit und geben einander Feedback. Zuletzt nahmen mehr als 1500 Studenten bei dem jährlichen Projekt teil. An der Universität Sydney ist die »Health Collaboration Challenge« mittlerweile Pflichtprogramm für alle Studenten im Gesundheitssektor.

 

Stolz, Apotheker zu sein

 

Bis es so weit war, war es jedoch ein langer Weg. Die Initiative wurde erstmals 2015 durch ein Innovationsstipendium für Lehre ermöglicht. Seitdem konnte das Programm sukzessive ausgebaut werden und umfasst mittlerweile 14 einzelne Lerneinheiten. Dafür waren nicht nur Enthusiasmus und eine enge Zusammenarbeit bei den Organisatoren nötig. Zusätzlich mussten Lehrende oft auch bereit sein, ihren Studenten zugunsten des Projekts zu erlauben, andere Aspekte des Curriculums auszulassen.

 

Doch die Mühen lohnen sich. Nicht nur für Studenten, sondern auch für die beteiligten Dozenten ist es eine völlig neue Art zu lernen. Natürlich geht es in erster Linie darum, die Studenten besser auf die Praxis vorzubereiten. Neben fachlichem Wissen können die Teilnehmer und Organisatoren ihre Softskill-Fähigkeiten verbessern. Dadurch, dass sie ihr eigenes Wissen in die Gruppe einbringen, wird aber auch ihr berufliches Selbstbewusstsein geschärft und ein respektvoller Umgang miteinander gefördert. Sie erkennen so die eigenen Stärken, aber auch die Fähigkeiten anderer besser. Das unterstützt die Studenten darin, einen gesunden Stolz gegenüber ihrem Beruf zu entwickeln. /

FIP-Kongress 2018

Vom 2. bis 6. September 2018 findet der diesjährige Kongress des Weltapothekerverbandes (FIP) in Glasgow, Schottland, statt. Zum 78. Mal kommen hierbei Pharmazeuten unterschiedlicher Bereiche aus der ganzen Welt zusammen. Der Kongress findet 2018 unter dem Motto »Transforming outcomes« statt. Diskutiert werden soll, wie die Rolle des Apothekers innerhalb des komplexen Gesundheitssystems gestärkt werden kann. Neben Vorträgen und Diskussionen gibt es zahlreiche Workshops. Verschiedene Veranstaltungen und Zusatzprogramme bieten darüber hinaus die Gelegenheiten, das eigene Netzwerk auszubauen und natürlich Land und Leute kennenzulernen. Weitere Informationen, auch zur Anmeldung und vergünstigte Teilnehmergebühren für Studenten, finden sich unter www.fip.org/glasgow2018

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