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Stada-Übernahme: Drama ohne Ende

17.08.2018  16:16 Uhr

Von Cornelia Dölger / In Sachen Revolten und Skandale hat sich der Generikahersteller Stada zuletzt einen zweifelhaften Namen gemacht. Seit dem Einstieg eines aktivistischen Investors vor gut einem Jahr geht es bei dem Konzern aus Bad Vilbel turbulent zu. Daran ändert auch die milliardenschwere Übernahme durch Bain Capital und Cinven nichts. Die Hauptversammlung zeigte letzte Woche einmal mehr, dass die Führungsspitze zerstritten ist.

Der scheidende Chef des Kontrollgremiums, Carl Ferdinand Oetker, empfahl den Aktionären, den ehemaligen Firmenchefs Hartmut Retzlaff und Matthias Wiedenfels sowie Ex-Finanzvorstand Helmut Kraft die Entlastung zu verweigern. Als Grund nannte Oetker »belastbare Hinweise auf schwerwiegende Pflichtverletzungen«.

 

Damit ging Oetker auch auf Konfrontationkurs zu Übergangschef Engelbert Willink, der mehr Zeit für eine Untersuchung gefordert hatte. Die Entlastung der früheren Führungsspitze wurde schließlich mit großer Mehrheit der Anteilseigner auf das Aktionärstreffen 2018 vertagt. Willink, dessen Vertrag eigentlich bis Jahresende gilt, wird auf Wunsch der neuen Besitzer vorzeitig abgelöst, wie inzwischen bekannt wurde. Seinen Posten bekommt der frühere Ratiopharm-Chef Claudio Albrecht, mit ihm kommt Mark Keatley, der Stada-Finanzchef Bernhard Düttmann ersetzt. Albrecht gilt als erfahrener Sanierer, spätestens seit er vor fünf Jahren den isländischen Generikahersteller Actavis restrukturiert hat. Dieser wurde 2012 an den US-amerikanischen Konzern Watson verkauft. Doch auch Albrecht bleibt nicht dauerhaft, sondern wird laut den Investoren in eine »nicht-geschäftsführende Funktion im Konzern wechseln«, sobald ein langfristiger Vorstandsvorsitzender gefunden ist.

 

Ursprünglich hatten Vorstand und Aufsichtsrat eine Entlastung der ehemaligen Konzernlenker gefordert. Oetker erklärte aber dann, es gebe neue Ermittlungen des Aufsichtsrats wegen Verstößen gegen Rechtsgrundsätze im Asiengeschäft sowie Beraterverträge ohne erkennbare Leistungen für Stada. Wiedenfels ließ die Anschuldigungen umgehend von seiner Anwältin zurückweisen.

 

Die Hauptversammlung war mit Spannung erwartet worden, nachdem in einem zweiten Anlauf Mitte August endlich die Übernahme des Konzerns gelungen war, wenn auch nur mit hauchdünner Aktionärsmehrheit. Seit Jahren hatten sich potenzielle Investoren an dem mehr als 120 Jahre alten Unternehmen abgearbeitet, bis Bain Capital und Cinven schließlich den Zuschlag erhielten.

 

Eigner unter Druck

 

Deren Ankündigung, mittels eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags bei Stada durchzuregieren, erhielt allerdings einen Dämpfer, als der US-amerikanische Investor Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott dazwischenfunkte. Singer, der nach jüngsten Angaben nun 15 Prozent des Unternehmens hält, sorgte kurz nach der Hauptversammlung für Aufsehen. Er forderte von Bain und Cinven einen satten Aufschlag auf den ursprünglichen Angebotspreis, andernfalls werde er dem Vertrag nicht zustimmen. Mit Erfolg.

 

Die neuen Eigner erklärten sich nun bereit, den verbleibenden Aktionären eine Abfindung von 74,40 Euro je Aktie zu zahlen. Bei ihrer Übernahmeofferte hatten sie nur 66,25 Euro je Aktie geboten. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung wollen sie über den Vertrag abstimmen lassen, sie brauchen für einen Abschluss eine stattliche Mehrheit von 75 Prozent. Im Drama um Stada könnte es also noch weitere Akte geben. (Mit dpa) /

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