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Rechtstipp

Bußgeldkatalog für Radfahrer

04.05.2010  17:07 Uhr

Von Rembert Müller / Zum Frühjahr steigen viele auf das Fahrrad um. Doch Vorsicht: Auch Radfahrer müssen natürlich die Verkehrsregeln beachten. Der Bußgeldkatalog ist lang.

Es ist wieder so weit: Die Tage werden länger, Schnee und Regen sind passé. Die Fahrräder sind geputzt, und auch sie sind wieder da, die bremsenlosen Kampfradler. Man hört sie kommen, ein schnurrendes Geräusch auf dem Asphalt und schon sind sie wieder weg. Der Alltags-Radler kann aufatmen, auch der Fußgänger und der Autofahrer, wenn sie die Begegnung schadlos überstanden haben.

Viele Radfahrer bewegen sich nach dem Motto: »Auf meinem Fahrrad ist die Freiheit grenzenlos«. Dabei gibt es auch für Radler Regeln, deren Nichtbeachtung nicht nur gefährlich, sondern auch teuer werden kann. Denn was jeder Autofahrer kennt, gibt es auch für die Pedalritter: einen Bußgeldkatalog.

 

Kein Licht, keine Klingel, keine Bremse (»kein« bedeutet auch »nicht funktionsfähig«) – dass alles wird mit jeweils 10 Euro Bußgeld bestraft. Der Frühjahrs-Check kann billiger sein, als ohne Licht und Klingel und mit defekter Bremse loszufahren. Noch teurer wird es, wenn ein anderer gefährdet wird oder es zu einem Unfall kommt. Vor allem die dunkel gekleideten Radler ohne Licht sind bei Dunkelheit kaum zu erkennen. Vielen ist dies aber offenbar nicht klar. Die Gefährdung anderer, die sich auf dieses unvorhergesehene Ereignis nicht einstellen können, und schlimmstenfalls sogar ein Unfall, sind programmiert. Das Bußgeld erhöht sich in einem solchen Fall auf 20, bei einem Unfall sogar auf 25 Euro.

 

Radler haben es eilig. Der sportliche Aspekt will ausgelebt werden. Der enge Radweg­­­ – vielleicht in einem schlechten Zustand – wird gemieden. Schneller geht es auf der Fahrbahn, zum Leidwesen der Autofahrer. Die Nichtbenutzung eines vorhandenen Radweges kostet 15 Euro Bußgeld. Werden dadurch andere behindert, sind es 20 Euro, bei Gefährdung 25, bei einem Unfall sogar 30 Euro.

 

Noch viel mehr als die Fahrbahn werden Gehwege von Radfahrern genutzt. Waghalsige Slalomfahrten zwischen Fußgängern, Kinderwagen und anderen »Hindernissen«, die sich auf Gehwegen befinden, sind keine Seltenheit. Die bloße Benutzung des Fußweges kostet allerdings 10 Euro, verbunden mit einer Behinderung anderer sind es 15, bei einer Gefährdung 20 Euro und bei einem Unfall 25 Euro Strafe.

 

Das Rechtsfahrgebot gilt auch für Radfahrer, was aber offenbar viele nicht wissen oder als unzumutbare Freiheitsbeschränkung empfinden. Wer mit seinem Auto aus einer Ausfahrt kommt, muss diese Unsitte berücksichtigen. Kommt es anderenfalls zu einem Unfall, trifft den Radfahrer nur eine Mitschuld. In jedem Fall muss er ein Bußgeld von 30 Euro bezahlen. Bleibt es bei einer bloßen Gefährdung sind es 25, bei einer Behinderung 20 Euro. Ohne diese Erschwernisse kostet Fahren auf der falschen Seite 15 Euro Bußgeld.

 

Nicht nur enge und schlechte Radwege beschränken die Freiheit, mehr noch sind es rote Ampeln. Natürlich fällt es dem Radler schwer, vor einem Fußgängerüberweg mit roter Ampel zu warten, wenn weit und breit kein Fußgänger zu sehen ist. Er sollte sich dann jedenfalls vergewissern, dass nicht die Polizei darauf wartet, wie er diese rote Ampel überfährt. Denn dann wird es teuer. 45 Euro ist der einfache Tarif, kommt es zu Gefährdung anderer, erhöht sich das Bußgeld auf 100, bei einem Unfall auf 125 Euro. Jeder Rotlichtverstoß führt darüber hinaus zu einem Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg.

 

Nebeneinander fahren kostet 15 Euro

 

Viele Radler wollen nicht wortlos strampeln. Sie fahren nebeneinander, um sich besser unterhalten zu können, und sind mit 15 Euro Bußgeld dabei. Werden andere behindert oder gefährdet oder kommt es zu einem Unfall, erhöht sich der Betrag um jeweils 5 Euro.

 

Wer keinen Gesprächspartner neben sich hat, wird sich auf sein Handy besinnen, wenn es ihn zum Gespräch drängt. Einhändig und abgelenkt sollte er auch daran denken, dass das Gespräch trotz Flatrate teuer werden kann: Das Bußgeld beträgt 25 Euro, wenn nicht eine Freisprecheinrichtung benutzt wird.

 

Wer Alkohol getrunken hat, wird seinen PKW nicht mehr benutzen und vielleicht auf das Fahrrad umsteigen. Aber auch Alkohol am Lenker bleibt nicht folgenlos. Das Umsteigen hilft dem Führerschein nicht; er wird bereits bei einem Alkoholpegel von mehr als 0,3 Promille eingezogen, wenn es zu einem Unfall kommt. Bei einem Wert von mehr als 1,6 Promille ist der Führerschein ohne Wenn und Aber weg.

 

Der Bußgeldkatalog für Radfahrer ist sehr umfangreich und führt zu der vielleicht traurigen Erkenntnis: Auch Fahrräder haben keine eingebaute Vorfahrt. Der Bußgeldkatalog regelt natürlich nicht die Schadensersatzansprüche, die ein Unfallbeteiligter gegen einen Radfahrer haben kann. Das ist noch ein ganz anderes und eventuell deutlich teureres Thema. /

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