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Südafrika

Ratschläge für Fußballfans

13.04.2010
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Von Gudrun Heyn, Berlin / Südafrika ist im Juni Gastgeber der FIFA-Fußballweltmeisterschaft. Wer sich die Spiele anschauen möchte, sollte sich auf die Reise entsprechend vorbereiten und an notwendige Impfungen denken. Dabei stellen Malaria und andere Tropenkrankheiten geringere Probleme dar als Schweinegrippe und Hepatitis A.

WM-Besucher sind in diesem Jahr in einer speziellen Situation. Ihre Reise geht in ein Land, in dem mit tropischen Erkrankungen gerechnet werden muss. Dennoch dürfen auch die Gesundheitsgefahren nicht unterschätzt werden, die in den Stadien, bei Massenveranstaltungen oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln von den vielen Menschen ausgehen, die aus den unterschiedlichsten Ländern zur WM zusammenkommen.

So ist die Ansteckungsgefahr für tröpfchenübertragbare Infektionskrankheiten in allen Menschenmengen besonders groß. Andere Erkrankungen sind nur bei einem engen Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung, bei bestimmten Freizeitaktivitäten oder in bestimmten Regionen des riesigen Landes wahrscheinlich. Außerdem sollten Südafrika-Besucher daran denken, dass im Juni und Juli dort Winter herrscht. »Das größte Infektionsrisiko geht daher von der Schweinegrippe, nicht jedoch von der Malaria aus«, sagte Dr. Albie de Frey von der University of the Witwatersrand, Südafrika, auf dem 11. Forum Reisen und Gesundheit in Berlin. Doch der gut informierte Reisende kann einiges für seine Gesundheitsvorsorge tun und sich etwa durch Impfungen schützen.

 

Wenn am 11. Juni die FIFA-WM im Stadion von Johannesburg angepfiffen wird, erreicht auch die jährliche Influenzawelle dort ihren Höhepunkt. In diesem Jahr werden vor allem Infektionen mit der neuen Influenza erwartet. Bereits im letzten afrikanischen Winter konnte sich das H1N1-Virus gegen den normalen H3N2-Erreger durchsetzen. »Jeder, der Südafrika besucht, sollte sich gegen H1N1 impfen lassen«, sagte de Frey. Das Risiko zu erkranken ist hoch, denn die südafrikanische Bevölkerung wird nicht geimpft sein. Während in Deutschland für jeden eine Prophylaxe möglich ist, steht in dem WM-Land nur für Risikogruppen eine ausreichende Anzahl an Impfdosen bereit.

 

»Auch gegen Masern sollten Fußballfans einen Impfschutz aufweisen«, rät der Reisemediziner. Zwar entsprechen die Impfempfehlungen in Südafrika in etwa denen der Ständigen Impfkommission (STIKO) in Deutschland, und Säuglinge werden kurz nach der Geburt gegen Masern geimpft, aber häufig würde die zweite Impfung im Alter von neun Monaten versäumt. In der Folge gab es bereits im letzten Jahr einen großen Masern-Ausbruch in Südafrika. Die von den Behörden daraufhin geplante Impfkampagne im April kommt jedoch zu spät, um einen ausreichenden Impfschutz der Bevölkerung während der Weltmeisterschaft zu gewährleisten.

 

Sinnvoll ist zudem ein Meningokokken-Impfschutz für Reisende, die die Provinz Gauteng aufsuchen. Gleich drei von zehn WM-Stadien (zwei in Johannesburg und eines in Tschwane, früher Pretoria) sind dort zu finden. »Obwohl der südliche Zipfel des schwarzen Kontinents nicht Teil des afrikanischen Meningokokken-Meningitis-Gürtels mit jährlich Tausenden von Betroffenen ist, gibt es auch in Südafrika sporadische Ausbrüche der Meningokokken-Meningitis«, sagte de Frey. Im letzten Jahr erkrankten rund 450 Menschen, die meisten davon in der Provinz Gauteng.

 

Regelungen für Transitreisende

 

»Wie Saudi-Arabien bei der Hadsch, so schreiben auch die südafrikanischen Behörden während der Weltmeisterschaft eine Polio-Impfung für alle Reisende vor, die aus einem anderen afrikanischen Land einreisen«, sagte de Frey. Wer als WM-Besucher nicht nur die Stadien besucht, sondern auch touristische Highlights in den afrikanischen Nachbarländern, wie etwa die Victoriafälle des Sambesi in Simbabwe oder Sambia, könnte daher bei der Wiedereinreise nach einem Impfnachweis (Internationaler Impfausweis) gefragt werden.

Poliomyelitis-Ausbrüche hat es in den vergangenen Jahren auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gegeben. Während die Kinderlähmung in Nigeria noch endemisch ist, tritt sie in anderen Staaten nur sporadisch als Reimport auf. »Unsere Behörden sind daher in großer Sorge um die Gesundheit unserer Bevölkerung«, sagte der Südafrikaner. In Deutschland gehört die Schutzimpfung gegen Poliomyelitis-Viren zu den empfohlenen Standardimpfungen der STIKO im Kindes- und Jugendalter. Dennoch benötigen Erwachsene eine Auffrischungsimpfung. Die Reise nach Südafrika ist eine gute Gelegenheit dazu.

 

Auch für Gelbfieber gibt es eine ähnliche Regelung. So müssen alle Südafrika-Besucher eine Schutzimpfung vorweisen, wenn sie aus einem betroffenen Land einreisen. Hierzu gehören zahlreiche Staaten Afrikas, aber auch Südamerikas. Während Reisende, die per Direktflug aus Deutschland nach Südafrika fliegen, daher kein Gelbfieber-Impfzertifikat benötigen, müssen alle, die auch nur per Transit in Kontakt mit einem betroffenen Land gekommen sind, das Dokument bei der Einreise in die südafrikanische Republik vorweisen. »Ein nur wenige Minuten dauernder Zwischenstopp etwa in Kenia erfüllt bereits die Bedingungen«, sagte de Frey. Jeder der ein Billig-Ticket etwa über Amsterdam und Nairobi bucht, sollte daher vorher an die Impfung gegen die Tropenkrankheit denken.

 

Spezielle Risiken

 

Mit einigen Infektionskrankheiten werden WM-Besucher möglicherweise nur dann konfrontiert, wenn sie in ländlichen Gegenden einfache Restaurants aufsuchen oder einen engen Kontakt mit der südafrikanischen Bevölkerung pflegen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. So gehört Südafrika zu denjenigen Staaten, die kurz davor stehen, als Hochrisikoregion für eine Hepatitis-A-Infektion eingestuft zu werden. Übertragen wird das Virus durch kontaminierte Lebensmittel. Im Gegensatz dazu besteht ein großes Infektionsrisiko für Hepatitis B beim ungeschützten Geschlechtsverkehr. Ein rechtzeitiger Impfschutz gegen Hepatitis A und B ist daher die beste Vorsorge. Doch gegen HIV gibt es bislang keine Vakzine. Besucher des Landes sollten wissen, dass 21 Prozent der Menschen in Südafrika infiziert sind. Mehr als 1000 Aidspatienten sterben jeden Tag.

Ein gewisses Infektionsrisiko gibt es zudem für Tuberkulose. Besonders gefährdet sind Menschen, die mit einheimischen Familien in einer schlecht belüfteten Hütte auf dem Land zusammenleben oder in anderem engen Kontakt stehen. Wer nach seiner Rückkehr in Deutschland über leichtes Fieber klagt, hüstelt oder sich schwach fühlt, sollte einen Arzt aufsuchen. »Für den typischen Stadionbesucher ist eine Infektion mit Hepatitis A und B sowie Tuberkulose jedoch eher unwahrscheinlich«, sagte de Frey.

 

Eine weitere Infektionsquelle in ländlichen Regionen sind Hunde. Sie können Überträger des Rabies-Virus sein. Insgesamt erkrankten im letzten Jahr 15 Menschen an Tollwut, die meisten davon in der östlichen Kap-Provinz. Aber auch im Norden Südafrikas sowie in den Nachbarländern Namibia, Swaziland und Mosambik sollten Touristen den Kontakt mit Hunden meiden. Wer dennoch gebissen wird, sollte sich in Südafrika an private medizinische Einrichtungen wenden. Dort ist eine Postexpositions-Prophylaxe leicht zu erhalten, wie auch das notwendige Immunglobulin, wenn es sich um einen Biss der Kategorie 3 handelt.

 

»Die häufigste Reiseerkrankung, die Süd­afrikareisende im Winter mit nach Hause bringen, ist wahrscheinlich das Afrikanische Zeckenbissfieber«, sagte de Frey. Auslöser sind Bakterien der Gattung Rickettsia, die von Zecken übertragen werden. Diese Zecken leben sowohl in den zahlreichen Tier-Reservaten als auch in Städten, wo sie Hunde als Wirte benutzen. Daher werden Menschen auch dort infiziert, wo sie nicht damit rechnen. Außerdem sollten Besucher der Tier-Reservate wissen, dass das Risiko eines Zeckenbissfiebers in ganz Südafrika besteht. Auch die als Malaria-frei beworbenen Reservate am Eastern-Kap sind betroffen. Nach einer Inkubationszeit von vier bis sechs Tagen treten im Falle einer Erkrankung grippeähnliche Symptome auf, sowie geschwollene Lymphknoten und ein Exanthem. Bei jungen und sehr alten Menschen kann das Afrikanische Zeckenbissfieber zudem zu Komplikationen, wie etwa einer Enzephalitis führen. »Diese ist jedoch nicht so gefährlich wie die aus Europa bekannte FSME«, sagte de Frey. Einen Impfschutz gibt es nicht. Bei einem Marsch durch die Wildnis ist es daher ratsam, lange Kleidung zu tragen.

 

Wer die Natur liebt, sollte sich davor hüten, mit nackten Füßen in fließende oder stehende Gewässer zu gehen. Nur ein kurzer Hautkontakt mit de Larven der Saugwurm-Gattung Schistosoma reicht, um an einer Bilharziose zu erkranken. »Sämtliche Flüsse, die in Südafrika in Richtung Osten abfließen, sind betroffen«, warnte de Frey.Kaum eine Gefahr besteht dagegen für eine Infektion mit den Erregern der Malaria. Von den zehn WM-Stadien liegen nur die beiden in Nelspruit und Polokwane am Rand des endemischen Malariagebietes. Doch selbst Besuchern des Krüger-Nationalparks und von Teilen der Provinz KwaZulu-Natal wird nur für die Monate September bis Mai eine Malaria-Prophylaxe empfohlen. Wer jedoch einen Abstecher in Nachbarländer wie etwa Botswana mit seinem sehenswerten Okawango-Delta macht, sollte sich mit entsprechenden Medikamenten schützen. »Außerdem ist ein effizienter Mückenschutz immer eine gute Idee«, sagte de Frey.

 

Empfehlenswert ist zudem eine gute Reise-Krankenversicherung. So gilt für deutsche Südafrika-Besucher selbst in staatlichen Kliniken das Prinzip der Vorkasse. Da ein Notfall-Rücktransport von Johannesburg nach Deutschland etwa 150 000 US-Dollar kostet, ist es ratsam, auch diese Leistung mit zu versichern. Wer jedoch in Südafrika auf medizinische Hilfe angewiesen ist, sollte sich an eine private Klinik oder Einrichtung wenden. Dort kann er mit einer guten Behandlung rechnen. /

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