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Telematik-Rollout

KBV fordert Fristverlängerung

03.04.2018
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Von Jennifer Evans / Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fordert eine Fristverlängerung mit Blick auf die Einführung der Telematik-Infrastruktur (TI) in Praxen. Demnach sind Lieferengpässe in der Industrie schuld an der Verzögerung. Auch finanziell müsse nachverhandelt werden, teilte die KBV vergangene Woche mit.

 

»Angesichts der aktuellen Situation sehen wir uns gezwungen, die Fristen sowie die Finanzierung der Praxisausstattung für die TI neu zu definieren. Wir können nicht hinnehmen, dass die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten die Probleme ausbaden müssen, die der Markt verursacht«, so KBV-Vorstandsmitglied Thomas Kriedel.

 

Nach wie vor gebe es nur einen Anbieter, der die Konnektoren für den TI-Anschluss der Arztpraxen bereitstellt. Andere Hersteller sollen laut KBV vielleicht im Frühjahr auf dem Markt sein. Die Kassenärzte halten es für unrealistisch, alle 100 000 Praxen bis Ende 2018 an die TI anzubinden. So sieht es allerdings der Gesetzgeber vor. Zudem kritisiert Kriedel die Preisentwicklung der Konnektoren. Demnach entsprechen sie nicht der ursprünglichen Kalkulation der Beträge, die die Krankenkassen den Praxen für die Anschaffung der Konnektoren erstatten sollen. »Wir haben es hier mit einer möglichen Unterdeckung im vierstelligen Bereich pro Praxis zu tun.« Damit ergäben sich Risiken für die Ärzte: Zum einen das Preisrisiko und zum anderen das Sanktionsrisiko. »Hier droht ein Abzug von einem Prozent des ärztlichen Honorars, wenn das Versichertenstammdatenmanagement nicht ab 1. Januar 2019 über die TI durchgeführt wird«, so Kriedel.

 

Die KBV habe deshalb erneut Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband über die Höhe der zu erstattenden Beträge aufgenommen. Parallel habe sie das Schiedsamt mit Blick auf die Fristwahrung angerufen, so Kriedel. Beim Gesetzgeber wollen die Ärzte zudem eine erneute Fristverlängerung um mindestens ein halbes Jahr erwirken. /

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