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Mädchen schon im Mutterleib diskriminiert

02.04.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Die Diskriminierung von Mädchen beginnt in Indien schon vor der Geburt: Einer aktuellen Untersuchung zufolge gehen Schwangere, die wissen, dass ihr Ungeborenes weiblich ist, seltener zu Vorsorgeuntersuchungen, nehmen seltener Eisenpräparate und bekommen ihr Kind auch seltener im Krankenhaus als Frauen, die einen Jungen erwarten.

 

Dies berichten Leah Lakdawala und ihre Kollegen von der Michigan State University im »Journal of Human Resources« (2013 (48): 71-113). Insgesamt hatten die Forscher die Daten von 30 000 Schwangeren in Indien ausgewertet. Der Analyse zufolge lassen sich Schwangere, die ein Mädchen erwarten, auch seltener gegen Tetanus impfen. Tetanus ist die Haupttodesursache von Neugeborenen in Indien. Insgesamt würde dieses Verhalten zu einer erhöhten Sterblichkeit von weiblichen Neugeborenen im Vergleich zu anderen Ländern führen.

 

Lakdawala und ihre Kollegen untersuchten auch kleinere Datensets aus anderen Ländern: Dabei zeigte sich, dass auch in anderen Männer-dominierten Gesellschaften wie in China, Bangladesch und Pakistan Diskriminierung im Mutterleib vorkommt. In nicht Männer-dominierten Gesellschaften wie in Sri Lanka oder Ghana seien diese Unterschiede nicht festzustellen.

 

Diese Art der Diskriminierung sei weniger gravierend als geschlechts­selektive Abtreibung, sie wirke sich aber deutlich auf die Gesundheit der Kinder aus, schreiben die Autoren. Obwohl es in Indien verboten ist, als Arzt das Geschlecht des Ungeborenen preiszugeben, und auch geschlechtsselektive Abtreibungen vorzunehmen, seien beide Praktiken häufig, schreibt Lakdawala in einer Pressemitteilung der Michigan State University. Allein in Indien und China würden aufgrund von geschlechtsselektiven Abtreibungen 30 bis 70 Millionen Frauen »fehlen«. /

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