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Betulin, Kaliander und Hyperforin

Entdeckung weiterer Eigenschaften

27.03.2012
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Von Christiane Berg, Berlin / Als »beeindruckend« wurden auf der 16. GD-Jahrestagung sowohl neue Erkenntnisse zur Effektivität von Betulin als auch aktuelle Ergebnisse zur Grundlagenforschung von Kaliander und Hyperforin hervorgehoben.

Neu entwickelt und erstmals auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) 2008 vorgestellt, galt und gilt Betulin – Namensgeber einer Gruppe pentazyklischer Triterpene des Birkenkorkextraktes (Betula pendula) – als effektiver Wirkstoff zur kosmetischen und medizinischen Hautpflege (Imlan), der gleichzeitig als Hilfsstoff zur Emulsionsstabilisierung geeignet ist. Die Rede war und ist von einer »speziellen galenischen Kategorie«, da der Birkenkorkextrakt die Fähigkeit besitzt, Öl zu gelieren. In das Oleogel lassen sich mehr als 60 Prozent Wasser einarbeiten. Es entsteht eine tensidfreie, nur aus drei Komponenten bestehende W/O-Emulsion, die auf den Einsatz weiterer Hilfsstoffe verzichten kann.

Bislang als besonders wirksam unter anderem bei (atopi­schen) Ekzemen, Intertrigo, Verbrennungen, Ulzera, Herpes zoster necroticans und akuten Arzneimittelexanthe­men beschrieben, wurden nunmehr auch wundheilende Effekte der Betuline aufgezeigt. »Wir konnten belegen, dass Birkenkorkextrakt und seine hauptsächlichen Inhaltsstoffe, Betulin und Lupeol, proinflammatorische Zytokine, Chemo­kine und Cyclooxygnesase-2 hochregulieren« sagte Professor Dr. Irmgard Merfort, Freiburg, auf einem Seminar der Birken-AG, Niefern-Öschelbronn, unter Leitung des GD-Vorsitzenden, Apotheker Dr. Joachim Kresken, Viersen. Durch Steigerung der Migration und Bildung von Granula­tionsgewebe werde die Proliferation und Gefäßneubildung als wichtige Phasen der Wundheilung gestärkt. Derzeitige Studien an ihrem Institut, so die pharmazeutische Biologin, sollen zu weiteren Einblicken in die molekularen Grundla­gen der wundheilenden Eigenschaften von Betulinen führen.

 

Betulin Standard überlegen

 

»Wirkstoffe vom Betulin-Typ haben sich als effektiv in der Behandlung von Hautwunden in der Mund-Kiefer-Gesichts­chirurgie erwiesen, da sie die Re­epithelialisierung fördern und somit auch die Gefahr weiterer Wundinfektionen mit der Spätfolge hässlicher Narben vermindern«, unterstrich Pro­fes­sor Dr. Hans-Robert Metelmann, Greifswald. »Klinisch und fotografisch dokumentierte Beobachtungsstudien an Modellwunden beweisen die statistisch signifikante Überle­gen­heit der Studienmedikation (Oleogel-S10; 10-prozentiger Birkenkorkextrakt mit 80 Prozent Betulin) im Vergleich zu Standardbehandlungsverfahren«, sagte der Chirurg und Zahnmediziner.

 

Betulin-haltige Zubereitungen seien zur unterstützenden Behandlung oberflächlicher Hautwunden zum Beispiel auf dem Gebiet der ästhetischen Gesichtschirurgie oder der Nachbehandlung von Laserablationswunden bei Face-Lift-Patienten geeignet. Ergebnisse von Beobachtungen an Patienten mit Epidermolysis bullosa am EB-Zentrum der Universitätsklinik Freiburg zeigen, dass Betulin-haltige Zubereitungen eine beschleunigte Wundheilung auch bei dieser durch Blasen- und Wundenbildung charakterisierten, schweren (Schleim-)Hauterkrankung zeigen. islang, so die Dermatologin und Kinderärztin Dr. Schwieger-Briel, sind bis auf spezifische, nicht haftende Wundauflagen effektive topische Therapieoptionen zur Behandlung der EB nicht verfügbar. Schwieger-Biel sprach von »vielversprechenden Erkenntnissen«, die Anlass für die Planung weiterer Studien auch an der Universitäts-Hautklinik Freiburg sind.

 

Neues von Hyperforin

 

Als gleichermaßen »zukunftsträchtig« wurden in einem weiteren Seminar, veranstaltet von der MCM Klosterfrau mbH, Köln, unter Vorsitz von Professor Dr. Christoph M. Schempp, Freiburg, neue Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Kaliander- oder auch Korianderöl (Coriandrum sativum) geschildert. Seit 2011 in der Apotheke erhältlich (Bedan Kaliander) kommt Kalianderöl in der Pflege trockener, juckender und neurodermitischer Haut zum Einsatz.

Schempp machte deutlich, dass Kaliander-haltige Zubereitungen zudem Erfolge in der unterstützenden äußeren Behandlung von Candidose und Intertrigo zeigen. Antiseptisch und bakterizid fänden diese in der Klinik zudem breiten Einsatz zum Beispiel in der begleitenden Behandlung von Impetigo, also Hautausschlägen und blasenbildenden Pyodermien.

 

Neue experimentelle und klinische Daten zu Hyperforin als lipophilem Hauptwirkstoff von Johanniskraut (Hypericum perforatum L.) schilderten Dr. Ute Wölfle und Dr. Frederica Casetti, Freiburg. Hautpflegeprodukte mit Hyperforin (Bedan Hyperforin) werden ebenfalls zur Pflege der trockenen, juckenden, schuppenden Haut eingesetzt. Aktuelle Untersuchungen bestätigen, dass auch dieser Naturstoff ausgeprägte entzündungshemmende, antioxidative, bakterizide und differenzierungsfördernde Eigenschaften besitzt. »Hyperforin induziert in Keratinozyten direkt einen dosisabhängigen Calciumeinstrom, der zu einer Aufregulation epidermaler Differenzierungsmarker führt«, sagte Wölfle. Die neuen Erkenntnisse, so die Dermatologin, »liefern eine Rationale für die Verwendung hyperforinreicher Johanniskrautextrakte bei der Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen wie der atopischen Dermatitis«. / 

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