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Trisomien

Immer mehr Schwangere machen Bluttest

19.03.2014
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PZ / Immer häufiger lassen Schwangere ihr ungeborenes Kind mithilfe des Praena-Tests auf die Trisomien 13, 18 und 21 untersuchen. Seit seiner Einführung im August 2012 wurde der Bluttest bereits bei mehreren Tausend Schwangerschaften eingesetzt.

 

»Wir gehen scharf auf die 10 000 zu«, sagt Elke Decker, Marketingleiterin beim deutschen Hersteller Lifecodexx, der Nachrichtenagentur dpa. 98 Prozent aller bisher durchgeführten Analysen seien unauffällig gewesen, heißt es bei der Firma. Etwa die Hälfte der Blutproben stamme aus Deutschland. Aber auch aus der Schweiz, aus Ungarn, Bulgarien, der Türkei oder Dubai schicken Ärzte Blutproben werdender Mütter ein, die Lifecodexx auf verdächtige Erbgutschnipsel der Feten untersucht.

Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Im Mai will die Firma Roche den Tyrosinkinase-Inhibitor Alectinib (Alecensa®) auf den Markt bringen. Wie Crizotinib und Ceritinib hemmt der Wirkstoff die anaplastische Lymphomkinase (ALK), die bei etwa 5 Prozent der Patienten mit einem nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) übermäßig aktiv ist.

Zugelassen ist der Test in Deutschland bei Frauen ab der vollendeten neunten Schwangerschaftswoche, die ein erhöhtes Risiko für die Trisomien 21 (Down-Syndrom) sowie 13 und 18 beim ungeborenen Kind aufweisen. In der Regel müssen die Patienten die Kosten von 825 Euro selbst zahlen. Neben dem Praena-Test stehen in Deutschland zurzeit noch zwei weitere nicht invasive Tests zur Verfügung: Der Panorama-Test der Firmen Natera und Amedes, der seit Sommer 2013 auf dem Markt ist, sowie der Harmony-Test der US-­Firma Ariosa, der seit Herbst 2013 erhältlich ist. Beide werden in den USA ausgewertet.

 

Lifecodexx orientiere sich »sehr stringent am Gendiagnostikgesetz« und habe in Deutschland eine Nachbeobachtungsstudie initiiert, sagte Heinz-Alfred Hagemann vom Berufsverband niedergelassener Pränatalmediziner (BVNP) der dpa. Dabei überprüfe die Firma nach der Entbindung, ob das Ergebnis korrekt war. Die Genauigkeit liege bei 99 Prozent.

 

Der Test gilt im Gegensatz zu den herkömmlichen, invasiven Verfahren der pränatalen Diagnostik als sicher für Mutter und Kind. Bei einer Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) oder Probennahme des Mutterkuchens (Chorionzottenbiopsie) liegt das Risiko, das Kind zu verlieren, bei 0,5 bis 1 Prozent beziehungsweise 0,5 bis 2 Prozent.

 

Trotzdem steht der Test in der Kritik. Die Hemmschwelle, einen Bluttest durchzuführen, sei niedriger als bei einem der invasiven Verfahren. Damit könnten mehr Frauen den Test machen und bei einem positiven Ergebnis ihr ungeborenes Kind abtreiben. Das ist bislang jedoch reine Spekulation. Kritiker fürchten zudem, es könnten weitere Merkmale beziehungsweise Krankheitsdispositionen hinzukommen, auf die getestet wird. Einige sehen darin den Weg zum Designerbaby. Dagegen bleibt unerwähnt, dass der einfache Bluttest die Zahl invasiver Eingriffe und damit der Fehlgeburten deutlich reduzieren kann.

 

Die Tests beinhalteten nur eine begrenzte Menge an Informationen, sagte Pränatalmediziner Hagemann der dpa. »Sie können nur etwas zu den genetischen Dispositionen aussagen«, sagt der Mediziner. »Aber nichts über eine Bewertung des ganzen Kindes und seiner Lebensqualität.« /

Die Aktivierung der ALK erfolgt aufgrund einer Genumlagerung, bei der das ALK-Gen auf Chromosom 2 transloziert wird. So entsteht ein Fusionsgen, das ein ALK-Fusionsprotein codiert. Dies führt zur dauerhaften ALK-Aktivierung. Hieraus resultiert wiederum eine starke Induktion nachgeschalteter Signalwege, die Zellproliferation und Zellüberleben steuern und die Entstehung von Tumoren begünstigt. Wie Professor Dr. Michael Thomas vom Universitätsklinikum Heidelberg auf einer Presseveranstaltung von Roche in Frankfurt am Main informierte, ist die Inzidenz des ALK-positiven NSCLC bei Patienten mit Adenokarzinomen, bei Patienten, die nie geraucht haben oder ehemalige Raucher sind, bei jüngeren Patienten sowie bei Frauen erhöht.

Alectinib bindet an die ATP-Bindungsstelle der Tyrosinkinase und verhindert damit die Bindung von ATP. Dadurch werden die Autophosphorylierung der ALK-Kinase-Domäne und die nachfolgenden zellulären Signalkaskaden unterbunden. Der überaktivierte Signalweg für das Zellüberleben wird blockiert, sodass es wieder zu vermehrtem programmiertem Zelltod kommt. Zudem wird die Proliferation der Tumorzellen gehemmt.

 

Zunächst nur nach Vorbehandlung

 

Zugelassen ist Alectinib bei erwachsenen Patienten mit ALK-positivem, fortgeschrittenem NSCLC, die zuvor mit Crizotinib (Xalkori®) behandelt wurden. Thomas stellte in Aussicht, dass sich das zukünftig noch ändern könnte. Studien, die den neuen Kinasehemmer in der Erstlinie prüfen, laufen (siehe Kasten). »Hier gilt es aber noch, die Ergebnisse abzuwarten«, so der Mediziner.

 

In den für die Zulassung relevanten Studien in der vorbehandelten Situation hatte der Großteil der insgesamt 189 ausgewerteten Patienten zunächst eine Chemo- und anschließend eine Crizotinib-Therapie erhalten und war dann auf zweimal täglich 600 mg Alectinib gewechselt. »Es bestand immer noch eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass diese vorbehandelten Patienten auf den neuen Kinasehemmer ansprachen«, so der Referent. Die mediane Dauer des Ansprechens betrug bei diesen Patienten etwa 15 Monate und das mediane progressionsfreie Überleben gut acht Monate.

 

Vorteile bei Hirnmetastasen

 

Thomas hob das unterschiedlich starke ZNS-Ansprechen der drei zugelassenen ALK-Hemmer hervor. Bei Crizozinib liege es bei 15 bis 20 Prozent, bei Ceritinib bei 30 bis 40 Prozent und bei Alectinib bei mehr als 60 Prozent. Die vorliegenden Studiendaten zeigten, dass 64 Prozent der Patienten mit messbaren Hirnmetastasen auf das Medikament ansprechen, 22 Prozent der Patienten erreichten eine Komplettremission der Hirnmetastasen. »Das macht Alecensa zu einem wichtigen Fortschritt für Pa­tienten mit ALK-positivem Bronchialkarzinom, da mehr als die Hälfte dieser Patienten trotz Vorbehandlung Hirnmetastasen entwickelt«, betonte Thomas. Im Unterschied zu Crizotinib und Ceritinib ist Alectinib kein Substrat des P-Glykoprotein-Effluxtransporters der Blut-Hirn-Schranke und wird daher nicht aktiv aus dem ZNS ausgeschleust. Dies kann der Grund für die höhere Wirksamkeit dieses ALK-Hemmers bei ZNS-Metastasen sein.

 

Vor Beginn einer Therapie mit Alecensa muss per Test ein ALK-positiver NSCLC-Status nachgewiesen sein. Die empfohlene Dosierung beträgt vier Kapseln à 150 mg zweimal täglich, die die Patienten zusammen mit einer Mahlzeit einnehmen sollten. Laut Fachinformation wird bei Patienten, die gleichzeitig starke CYP3A-Induktoren oder -Inhibitoren einnehmen, eine angemessene Überwachung empfohlen.

 

Laut Dr. Claus-Peter Schneider vom DRK-Manniske-Krankenhaus in Bad Frankenhausen ist auch das Nebenwirkungsprofil von Alectinib vergleichsweise positiv zu bewerten. »Die Verträglichkeit von Alecensa ist objektiv und subjektiv, verglichen mit den anderen zugelassenen ALK-Inhibitoren sowie Chemotherapie, extrem gut.« Dennoch treten unter dem Präparat Nebenwirkungen auf. Am häufigsten waren in den Studien Obstipation (36 Prozent), Ödeme (34 Prozent), Myalgien (31 Prozent) und Übelkeit (22 Prozent). Nebenwirkungen von Grad 3 oder mehr waren jedoch selten. /

Alectinib in der Erstlinie

Wie Roche in einer Pressemitteilung informiert, konnte die randomisierte Phase-III-Studie Alex mit rund 300 Patienten mit ALK-positivem NSCLC zeigen, dass das progressionsfreie Überleben im Vergleich zur Erstlinientherapie mit Crizotinib signifikant länger war, wenn first Line stattdessen Alectinib eingesetzt wurde. Bislang meldet das Unternehmen nur, dass der primäre Endpunkt damit erreicht wurde und die detaillierten Studienergebnisse noch präsentiert werden. Wann genau dies geschehen soll, schreibt das Unternehmen nicht.

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