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Gichtanfall

Colchicin immer noch erste Wahl

12.03.2013
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Das altbewährte Herbstzeitlosen-Alkaloid Colchicin ist nach wie vor das Medikament erster Wahl beim akuten Gichtanfall. »Colchicin ist extrem wirksam; nur 5 Prozent der Patienten sprechen nicht darauf an«, erklärte Dr. Helga Merwald-Fraenk von der Klinik für Rheumatologie am Klinikum München-Bogenhausen bei einem Kongress zu Innerer Medizin und Diabetologie in München.

Im Akutfall solle der Patient dreimal täglich 0,5 mg Colchicin einnehmen, sagte die Ärztin. Bei starker Niereninsuffizienz mit einer glomerulären Filtra­tionsrate unter 30 ml/min sei die Dosis auf einmal täglich 0,5 mg zu reduzieren. Da Colchicin nicht analgetisch wirkt, brauche der Patient zusätzlich ein nicht steroidales Antirheumatikum, zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen oder einen COX-2-Hemmer.

Als Alternative zu Colchicin sei Prednisolon in einer Dosierung von 0,5 mg/kg Körpergewicht über fünf Tage geeignet. Wenn der Patient das Alkaloid verträgt, solle er 0,5 bis 1 mg pro Tag zur Anfallsprophylaxe für weitere sechs Monate einnehmen, empfahl die Rheumatologin.

 

Nach einem Gichtanfall sowie bei Gicht-Arthropathie und Tophi an den Gelenken ist eine harnsäuresenkende Therapie indiziert. Der Zielwert liege bei Harnsäurewerten unter 6 mg/dl. Die Behandlung solle etwa zwei Wochen nach dem akuten Gichtanfall beginnen, sagte Merwald-Fraenk. Allopurinol solle einschleichend mit 100 mg täglich dosiert und bis auf 900 mg gesteigert werden. Bei unzureichender Wirkung steht Febuxostat (initial 80 mg, steigern bis auf 120 mg) zur Verfügung. Urikosurika wie Benzbromaron und Probenecid sollten nur bei Patienten mit normaler Nierenfunktion verordnet werden; Diuretika seien zu meiden. Benzbromaron ermögliche eine gute Auflösung von Tophi, Probenecid werde dagegen kaum noch verordnet. /

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