Pharmazeutische Zeitung Online
AMK

Das ganze Wissen beruht auf Schauen

06.03.2006
Datenschutz bei der PZ

Künstlerporträt

Das ganze Wissen beruht auf Schauen

von Ulrike Abel-Wanek, Frankfurt am Main

 

Bei seiner letzten Ausstellung kamen viele Besucher mit den Worten auf ihn zu: »Ich bin mit Ihnen groß geworden.« Gemeint waren die Bilder des Malers Klaus Meyer-Gasters. Besonders Pharmazeuten kennen seine Tier- und Pflanzenaquarelle: Seit 40 Jahren macht der Künstler unverwechselbare Kalender für Apotheken.

 

Der erste Kunstkalender erschien 1963 und wurde direkt ein durchschlagender Erfolg. Dank Reprotechnik und Offsetdruck schmückten seine Aquarelle bald die Wände zahlloser Wohnungen. Begeisterte Eintragungen in das Gästebuch seines Frankfurter Ateliers und viele Briefe anlässlich seines 80. Geburtstages 2005 zeugen von der Beliebtheit und Bekanntheit der ausdrucksstarken Meyer-Gasters-Bilder.

 

Der große Durchbruch kam 1965, als die Stada AG einen Heilpflanzenkalender in Auftrag gab, der direkt Millionenauflage erreichte. Nach zwölf gemeinsamen Jahren mit der Stada und steigender Auflage gründete Meyer-Gasters 1977 schließlich einen eigenen Verlag. Einige Jahre später stieg Tochter Nelia ins Geschäft mit ein und führt heute mit dem Vater den »Meyer-Gasters-Bildverlag«, der sehr erfolgreich den Nelia-Geburtstagskalender mit Kinderillustrationen, einen Aquarellkalender und, seit neuestem, einen Notizkalender herausbringt. Er enthält außer den Tier- und Pflanzenaquarellen auch Landschaftsmotive und szenische Stadtmotive wie beispielsweise den Jahrmarkt von Avignon.

 

Skizzen unter der Schulbank

 

Meyer-Gasters lernte früh, dass man auch als hoch begabter Künstler Aufträge braucht, um zu überleben. Erste Erfahrungen machte er als Junge, als er seine heimlich im Unterricht angefertigten »Skizzen unter der Schulbank« an seine Mitschüler verkaufte. Die frechen Charakterstudien von Lehrern zeigen seine große Leidenschaft für das Zeichnen, aber vor allem auch den sensiblen, analytischen Blick und die Fähigkeit, das Individuelle und Besondere seiner »Motive« zu erkennen und herauszuarbeiten. Später wurden die Zeichnungen begehrte Erinnerungsstücke von im Krieg gefallenen Söhnen, Männern und Brüdern.

 

Der gebürtige Ludwigshafener Meyer-Gasters war erst 13, als sein Vater starb. 1938 zog er mit Mutter und zwei Schwestern nach Frankfurt und machte hier nach dem Krieg schnell Karriere als Zeichner bei der »Frankfurter Neuen Presse«. Berühmt wurden seine »Frankfurter Köpfe«. Redaktion und Leser waren gleichermaßen begeistert, unvergessen ist der markante Hinterkopf des damaligen Oberbürgermeisters Walter Kolb, den er in der Paulskirche skizzierte, aber auch die verschiedenen Studien von Zeitungs- und Brezelverkäufern und all den großen und kleinen Leuten, die zwischen 1946 bis 1949 seinen Weg kreuzten. Auch die Richter, Ankläger und Verteidiger der Nürnberger Prozesse hielt sein treffender Strich detailliert fest. Später arbeitete er für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und deren Serie »Frankfurter Gesichter«.

 

Studiert hatte er nur kurz: ein Semester am Frankfurter Städel, ein weiteres in Düsseldorf bei dem Maler, Grafiker und Bildhauer Otto Pankok, von den Nazis verfemt wegen seiner sozialkritischen, expressionistisch beeinflussten Arbeiten. Doch den Autodidakten Meyer-Gasters zog es in die Praxis, auch musste für den Lebensunterhalt der wachsenden Familie ­ die Töchter Anja und Nelia kamen 1950/53 auf die Welt - gesorgt werden. Er arbeitete weiter für Zeitungen und nahm Aufträge von Privat und aus der Industrie an.

 

Kunst zu den Menschen bringen

 

»Die Kalender garantierten meine Unabhängigkeit«, gesteht der Maler, der sich wie alle ernsthaften Künstler zunächst schwer getan hat mit der Vorstellung, seine Kunst zu »vermarkten«. Aber die erfolgreichen Kalender boten auch die Chance, seine Arbeiten direkt zu den Menschen zu bringen, die begeistert waren von seinen Bildern und die Apotheken extra aufsuchten, um noch einen der begehrten Meyer-Gasters-Kalender zu bekommen. Von Jugend an galt sein starkes Interesse der Natur, den Tieren und Pflanzen, und er begann, mit der Aquarellmalerei seinen eigenen Stil zu kultivieren. »Ich habe in all der Zeit nie Aquarelle gesehen, in denen ein so starker Kontrast zwischen Verlauf und duftiger Auflösung, gegenüber der Genauigkeit einzelner Elemente, so viel Spannung und Ausdrucksstärke hervorruft«, so die  Meinung einer der vielen Kunstbegeisterten, die ihm regelmäßig schreiben. Meyer-Gasters-Bilder dienen als Vorlage für den Kunstunterricht und fast jeder, der schon mal selber aquarelliert hat, versuchte - meist vergebens - das zarte Blau des Veilchens oder die Transparenz der Silberdistel so wie er auf das Blatt zu bannen. Seine Farben wirken leicht, fast fließend und verdichten sich schließlich doch zu einer Kontur, einem scheinbar festen Körper mit starker Ausdruckskraft. Sein Stil ist unverwechselbar, vielfach kopiert, aber nie erreicht.

 

Der »Meister der Aquarelle« hat sich in den letzten Jahren auch der Ölmalerei zugewandt, einem ganz anderen Sujet, das ihn begeistert. »Das sind meine besten Bilder«, ist der Künstler überzeugt, der auch im Alter von 80 Jahren noch offen dafür ist, sich und seine Malerei zu verändern und weiterzuentwickeln.

 

Die Kalender für das Jahr 2007 liegen bereits vor. Die Motive der Vorderseiten werden auf den Rückseiten des Aquarellkalenders mit sorgfältig recherchierten Texten von Meyer-Gasters Frau Jutta noch einmal genau beschrieben.

 

Aquarell-, Notiz- und Geburtstagskalender sind beim Meyer-Gasters-Bildverlag in Gütersloh zu bestellen. Telefon (0 52 41) 8 04 04 79, Fax: 5 24 92 49 oder per E-Mail: susanne.breuer(at)bertelsmann.de. Weitere Informationen unter www.meyer-gasters.de.

Mehr von Avoxa