Pharmazeutische Zeitung online
Skulpturen

Anatomie der Seele

26.02.2013
Datenschutz bei der PZ

Von Ulrike Abel-Wanek / Anatomisch genau und faszinierend lebensecht sind die Skulpturen der Apothekerin und Künstlerin Kristin Kolb. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit Gefühls- und Seelenzuständen von Menschen in Grenzsituationen auseinander. Jetzt widmet ihr das Naturkundemuseum Berlin eine Ausstellung.

Kristin Kolb liebt die Alten Meister. Speziell deren Themen aus der christlich-biblischen Überlieferung und der antiken Mythologie inspirieren sie. Gleichzeitig will die Berliner Künstlerin Plastiken mit eigener Charakteristik im Stil unserer Zeit machen. »Ich habe den Anspruch, ästhetische, schöne Figuren zu modellieren, die beeindrucken und erfreuen«, sagt Kolb. Doch beim längeren Hinschauen entdecke der Betrachter auch die weniger schönen Dinge, die Spuren der inneren Konflikte, so die Künstlerin.

Die 1962 in Braunschweig geborene Kolb ist als Künstlerin Autodidaktin. Sie studierte in ihrer Heimatstadt Pharmazie und arbeitete von der Approbation 1989 bis 2010 in Braunschweig und Berlin als Apothekerin. Ihre Liebe galt aber schon früh der Kunst, die seit 2005 in ihrem Leben dann immer mehr Raum einnahm. Seit 2010 ist die Bildhauerei der alleinige Beruf. Zuerst arbeitete sie an Kleiderobjekten, ab 2009 auch an lebensgroßen Skulpturen.

 

Zwischen ihrem erlernten Beruf und ihrer Art zu modellieren gäbe es Parallelen: »Als Apothekerin bin ich es gewohnt, sehr exakt zu arbeiten und auf die vierte Stelle hinter dem Komma abzuwiegen. Präzision im erlernten Beruf und Präzision in der Bildhauerei, anders könnte ich gar nicht arbeiten.« Kolb distanziert sich in ihren Arbeiten von Oberflächlichkeit und der Reduktion auf äußeren Schein und Statussymbole. Ihr sei es wichtig, dass die Skulpturen genaues Hinschauen verlangten und über den ersten Eindruck hinaus Inhalt hätten.

 

Der Weg von der Inspiration über die Idee bis zur fertigen Skulptur sei oft kurz: »Ich finde eine Anregung, habe beispielsweise eine Arbeit eines Alten Meisters entdeckt, aus der ich die Idee für eine eigene Skulptur nehme. Dann hole ich mir ein ›Modellkind‹ dazu. Das Kind bringt seinen eigenen Typ und Charakter mit, und ich lasse es auch so sein, wie es ist. Durch dieses Zusammenspiel meiner Idee mit der Natur des Kindes wirken die Skulpturen sehr authentisch.«

Den Kindern sind in den Skulpturen meistens Vögel als Symbolfiguren zugeordnet. Prometheus mit einem gewaltigen Adler, der einen kleinen Jungen angreift, Leda mit einem Schwan oder eine Eule auf dem Rücken eines Kindes sind nur einige Beispiele. Die Skulpturen erzählen Geschichten, ohne dem Betrachter eine eindeutige Interpretation zu bieten. Manche Skulpturen wie »Trau, schau wem« erzeugen von jeder Blickrichtung aus unterschiedliche Assoziationen. Die Skulpturen-Gruppe »Die vier letzten Dinge« greift eines der großen klassischen Themen der abendländischen Kultur auf: »Vanitas«, die Vergänglichkeit alles Irdischen und die Frage: Was kommt danach? Die Gruppe besteht aus den vier Einzelskulpturen »der Tod«, »die Furcht«, »die Hölle« und »der Selige«.

 

Die Plastiken sind in Bronze oder Aluminium gegossen und wurden in Plastilin oder Gips modelliert. In der Ausstellung wird auch der Entstehungsprozess der Skulpturen von der Inspiration über die Ausarbeitung bis zum fertigen Guss gezeigt. Die Künstlerin und ihre Kindermodelle werden an Wochenenden im Museum anwesend sein und stehen für Fragen zur Verfügung. Weitere Informationen unter www.kristinkolb.de. /

Ausstellung

Anatomie der Seele. 1. März bis 28. April 2013. Museum für Naturkunde, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin. Geöffnet Di bis Fr: 9.30–18 Uhr, Sa, So, an Feiertagen: 10–18 Uhr, Mo geschlossen. Eintritt: Erwachsene: 5 Euro, ermäßigt: 3 Euro

 

www.naturkundemuseum-berlin.de

Mehr von Avoxa