Pharmazeutische Zeitung online
Prävention

Früh erkannt ist Darmkrebs heilbar

28.02.2011
Datenschutz bei der PZ

Von Claudia Borchard-Tuch / Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in den westlichen Ländern. Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 69 000 Menschen und etwa 27 000 sterben daran. Dabei ist ein rechtzeitig entdeckter Darmkrebs meist heilbar. Bei der Früherkennung spielen die Vorsorgeuntersuchungen eine wichtige Rolle.

Darmkrebs ist äußerst gefährlich, weil er im Frühstadium meist nur wenige Beschwerden verursacht. Daher bemerken die Betroffenen die Erkrankung häufig erst, wenn es zu schlimmen Komplikationen wie einem Darmverschluss oder Blutungen aus dem After kommt. Eine Heilung ist dann meist nicht mehr möglich. Berichtet ein Kunde in der Apotheke über verdächtige Symptome, sollte das Apothekenteam ihn sofort zum Arzt schicken, um eine rasche Klärung zu ermöglichen.

Mindestens ebenso wichtig sind Prävention und Früherkennung dieser Krebsart. Auch wenn Darmerkrankungen für viele Menschen immer noch ein Tabu sind: Die Apotheke kann und sollte über Vorsorgemaßnahmen und deren Nutzen informieren. Manchmal helfen auch praktische Tipps, zum Beispiel zum Ablauf des Tests auf okkultes Blut oder zur Vorbereitung auf eine Darmspiegelung, damit Kunden ihre Scheu vor diesen Verfahren verlieren. Der Titelbeitrag vermittelt Hintergrundwissen für die Beratung.

 

Achtung, Alarmzeichen!

 

Weitaus am häufigsten (in über 95 Prozent der Fälle) entsteht der Krebs im Dickdarm; man spricht dann vom Kolonkarzinom. Teilweise sind unklare Bauchschmerzen das einzige Symptom (1, 2). Manchmal verändern sich auch die Stuhlgewohnheiten: plötzlich auftretende Durchfälle, Verstopfung oder beides im Wechsel sowie Bleistiftstühle, bei denen der Stuhl in Bleistiftdicke ausgeschieden wird. Auch Blut oder Schleim im und auf dem Stuhl können Zeichen eines Kolonkarzinoms sein. Die Blutmenge kann jedoch so gering sein, dass sie nicht sichtbar ist. Dann spricht man von okkultem Blut, das sich mit chemischen Tests nachweisen lässt. Weitere Beschwerden können Leistungsminderung, Müdigkeit oder auch Gewichtsverlust und Fieber sein.

 

In fortgeschrittenen Stadien kann es zum Darmverschluss (Ileus) kommen. Der Darm versucht, die Engstelle durch starke Peristaltik zu überwinden, und der Patient leidet an heftigen kolikartigen Bauchschmerzen.

 

Manchmal macht sich der Krebs erst dadurch bemerkbar, dass er in ein großes Blutgefäß einbricht und es zu einer starken Blutung kommt. Sind die letzten Abschnitte des Darms betroffen, blutet es direkt aus dem After. Das Tumorgewebe kann auch die Nachbarorgane bedrängen und beispielsweise den Harnleiter verschließen. Dann staut sich der Urin zurück in die Nieren, bis es schließlich zum Nierenversagen kommt. Bricht der Tumor in Blase oder Scheide ein, kann Stuhl über diese Organe abgehen. Drückt er auf das Nervengeflecht vor dem Kreuzbein, treten starke ischias­artige Schmerzen auf.

 

Alle diese Spätsymptome sind Notfälle; der Patient muss sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus. Lebensgefährlich ist ein Darmdurchbruch (Perforation) in den Bauchraum mit anschließender Bauchfellentzündung (Peritonitis).

 

Lässt sich Darmkrebs verhindern?

 

Etliche Risikofaktoren erhöhen die Gefahr, an Darmkrebs zu erkranken. Man unterscheidet dabei nicht vermeidbare und vermeidbare Faktoren (Tabelle 1). Bei Letzteren setzt die Prävention an.

 

Aus langjährigen Beobachtungen und Studien weiß man, dass eine gesunde Lebensweise teilweise vor Darmkrebs schützen kann. Sehr hilfreich ist es, wenn Übergewichtige mit einem BMI über 25 kg/m2 ihr Gewicht normalisieren und Raucher ihren Nikotinkonsum einstellen. Auch Alkohol wirkt ungünstig. Schon relativ kleine Mengen von 10 bis 40 g pro Tag erhöhen die Gefahr für eine Darmkrebserkrankung. Zum Vergleich: Ein Glas Wein enthält rund 20 g, ein halber Liter Bier rund 25 g Alkohol.

 

Körperliche Aktivität hingegen schützt vor Darmkrebs. Dabei kommt es vor allem auf die Regelmäßigkeit an. Bereits 30 bis 60 Minuten mäßige körperliche Betätigung pro Tag verringern das Karzinomrisiko (8). Experten der Weltgesundheitsorganisation gehen davon aus, dass Übergewicht und Bewegungsmangel das Risiko für verschiedene Krebsarten um 25 bis über 30 Prozent erhöhen, darunter Brust- und Gebärmutterkrebs, Speiseröhren-, Nieren- und Darmkrebs. Der genaue Mechanismus dafür ist noch ungeklärt (1).

 

Empfehlenswert ist auch eine ballaststoffreiche Ernährung, also mit viel Gemüse und Obst (7). Ballaststoffe mindern den Kontakt der Darmschleimhaut mit krebserzeugenden Stoffen, indem sie Fremdstoffe binden, die natürliche Darmbewegung beschleunigen und damit die Passagezeit des Stuhls verringern. Rotes Fleisch hingegen sollte man nicht täglich essen. Auf welche Weise Fleisch die Krebshäufigkeit beeinflusst, weiß man noch nicht genau. Möglicherweise verstärkt das Eisen im Blutfarbstoff Hämoglobin, der in rotem Fleisch in großen Mengen vorhanden ist, im Körper die Bildung schädlicher Stickstoffverbindungen. Insgesamt sollte man bei tierischen Fetten zurückhaltend sein. So scheinen Abbauprodukte der Gallensäuren und von Cholesterol krebserregend zu wirken.

 

Auch wer viel Calcium über Milch und Milchprodukte aufnimmt, kann offenbar der Entstehung von Darmkrebs vorbeugen. Wie Calcium genau in die Krebsentstehung eingreift, ist noch hypothetisch. Ein weiterer Mineralstoff – Selen – verringert möglicherweise in Verbindung mit antioxidativen Vitaminen die Krebsrate.

Inzwischen steht eindeutig fest, dass die niedrig dosierte Einnahme von Acetylsalicylsäure das Risiko vermindert, an Darmkrebs zu erkranken. Um diese schützende Wirkung zu erreichen, müssen mindestens 75 mg ASS pro Tag eingenommen werden. Der Effekt nimmt mit der Dauer der Einnahme zu. Auch hier wissen die Forscher noch nicht genau, wie die vorbeugende Wirkung entsteht. Möglicherweise beruht der protektive Effekt von ASS auf einer Hemmung der Cyclooxygenase-2 (COX-2) (9).

 

Doch auch eine gesunde Lebensweise kann Darmkrebs nicht immer verhindern. Mittlerweile weiß man, dass einige Gene wie Zeitbomben wirken. Fast ein Drittel aller Betroffenen hat eine familiäre Vorgeschichte. Insbesondere sind Menschen gefährdet, die Verwandte ersten oder zweiten Grades mit Dickdarmkrebs haben (7).

 

Einige Sonderformen des erblich bedingten Darmkrebses sind bekannt (1, 6). Das sogenannte hereditäre nicht polypoid-assoziierte kolorektale Karzinom (HNPCC), auch Lynch-Syndrom genannt, bildet mit drei Prozent aller kolorektalen Karzinome die größte Gruppe. Bei dieser autosomal-dominant vererbten Erkrankung kommt es auch gehäuft zu Brust-, Endometrium- und Eierstockkrebs. Der Darmkrebs tritt bereits um das 45. Lebensjahr auf. Um einer Veranlagung zu HNPCC auf die Spur zu kommen, ist eine Stammbaumanalyse ganz wichtig. Es gibt spezielle Zentren für familiären Darmkrebs, die sich auf die Diagnose und Früherkennung von HNPCC und andere erbliche Formen spezialisiert haben (www.hnpcc.de).

 

Etwa ein Prozent aller Kolorektalkarzinome sind auf eine familiäre adenomatöse Polyposis coli (FAP) zurückzuführen. Die Ursache ist ein Defekt im sogenannten APC-Gen, der die Entstehung von Schleimhautwucherungen (Polypen) im Verdauungstrakt begünstigt. Praktisch alle Patienten mit der Genvariante entwickeln ein kolorektales Karzinom, oft schon als Jugendliche oder junge Erwachsene (6). Andere Erbkrankheiten, die mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs einhergehen, sind relativ selten.

 

Goldstandard Koloskopie

 

Tumoren des Darms können ein Jahrzehnt lang unbemerkt wachsen, bevor sie zu Symptomen führen. Bei der Früherkennung gilt die Darmspiegelung (Koloskopie) daher als Goldstandard (4). Sehr frühe Vorstadien wie Polypen können dabei festgestellt und entfernt werden. Man geht davon aus, dass eine Darmspiegelung alle zehn Jahre ausreicht, um eine mögliche Krebsentwicklung rechtzeitig zu erkennen. Denn es dauert mindestens fünf bis zehn Jahre, bis aus Polypen Krebs entsteht, und bis zum Wachstum des Dickdarmkrebses vergehen im Allgemeinen nochmals bis zu zehn Jahre (5).

Tabelle 1: Risikofaktoren für ein Kolonkarzinom; nach (7)

Risikofaktoren Beispiele
nicht vermeidbar Alter über 50 Jahre
Verwandte ersten und zweiten Grades mit kolorektalem Karzinom
Menschen mit genetisch bedingten Erkrankungen wie familiärer
adenomatöser Polyposis coli (FAP)
Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, zum
Beispiel Colitis ulcerosa
vermeidbar ballaststoffarme, fleisch- und fettreiche Ernährung
starkes Übergewicht
Rauchen und Alkohol
Bewegungsmangel

Bei der Koloskopie führt der Arzt ein biegsames, schlauchähnliches Untersuchungsgerät, das Endoskop, in den After ein und sieht sich den Mast- und Dickdarm bis zum Übergang in den Dünndarm oder noch ein kleines Stück in den Dünndarm hinein an. Die Untersuchung wird für Versicherte ab 55 Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen in einem Abstand von zehn Jahren bezahlt (Tabelle 2). Jedoch nimmt nur ein sehr kleiner Teil der Berechtigten die Untersuchung in Anspruch (7). Information und Aufklärung in der Apotheke können entscheidend dazu beitragen, dass mehr Menschen den Nutzen dieser, nicht gerade angenehmen, Untersuchung besser verstehen.

Tabelle 2: Von den gesetzlichen Krankenkassen angebotene Untersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung (nach 5)

Art des Tests,
Alter des Versicherten
Abstand zwischen den Untersuchungen Vorteile Nachteile
Okkultbluttest,
ab 50 bis 55 Jahre
einmal jährlich einfache unkomplizierte Handhabung geringe Sicherheit, mit dem Alter steigendes Restrisiko
Okkultbluttest,
ab 55 Jahre
zweimal jährlich, aber nur, wenn die Koloskopie nicht in Anspruch genommen wird einfache unkomplizierte Handhabung nicht blutende oder kleinere Karzinome werden möglicherweise nicht erfasst; (falsch-) positive Ergebnisse müssen durch Darmspiegelung überprüft werden
Darmspiegelung,
ab 55 Jahre
zweite Koloskopie nach zehn Jahren sehr große Sicherheit, Entfernung der Vorstufen von Darmkrebs aufwendige, eher unangenehme Untersuchung

Wichtig ist es, den Patienten vorab zu fragen, ob er bestimmte Medikamente einnimmt. Alle Pharmaka, die die Blutungszeit verlängern, erhöhen das Blutungsrisiko bei einer Darmspiegelung. Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure müssen daher in Absprache mit dem Arzt acht Tage vor der Untersuchung abgesetzt werden. Ist dies nicht möglich, können bei der Darmspieglung zwar Proben entnommen, Polypen jedoch nicht entfernt werden. Auch das Antikoagulans Phenprocoumon muss man acht Tage vor der Darmspiegelung absetzen.

 

Seine Antihypertensiva sollte der Patient am Morgen der Untersuchung einnehmen, damit der Blutdruck während der Prozedur nicht gefährlich ansteigt. Insulin darf er vor der Untersuchung hingegen nicht spritzen, da man nichts essen darf und somit die Gefahr einer Hypoglykämie besteht. Auch orale Antidiabetika darf er erst nach der Untersuchung einnehmen, wenn er wieder essen darf.

 

Den Darm gründlich reinigen

 

Je besser der Darm auf die Koloskopie vorbereitet ist, desto schneller, sicherer und aussagekräftiger verläuft diese. Drei Tage vor der Untersuchung darf man keine kern- oder faserhaltigen Nahrungsmittel zu sich nehmen, beispielsweise Obst (Kiwis, Trauben, Tomaten), Gemüse (Spargel, Salate) und Müsli (Sonnenblumenkerne, Körner). Am Tag vor der Untersuchung sollte der Teilnehmer nur besonders leicht verdauliche Kost essen (Nudeln, Kartoffelbrei) und viel trinken.

Zur eigentlichen Reinigung wird der Darm meist mit speziellen, abführend wirkenden Trinklösungen gespült (zum Beispiel Delcoprep® oder Moviprep®). Diese enthalten osmotisch wirksame Polyethylenglykole und Salze wie Kaliumchlorid, Natriumchlorid oder Natriumsulfat. Der Patient sollte drei bis vier Stunden vorher keine feste Nahrung zu sich nehmen. In der Regel liegt die zur Darmreinigung benötigte Spülmenge zwischen drei und fünf Litern. Empfohlen wird, alle 10 bis 15 Minuten einen Viertel Liter der Darmspüllösung zügig zu trinken. Machen sich Blähungen und Schmerzen bemerkbar, muss man die Einnahme verlangsamen oder vorübergehend einstellen, bis die Symptome abklingen. Die Lösung, die es mit verschiedenen Geschmackszusätzen gibt, ist im gekühlten (nicht kalten) Zustand angenehmer einzunehmen.

 

Die Darmreinigung braucht Zeit. Sie kann am Tag der Untersuchung erfolgen, besser ist es aber, schon am Vortag zu beginnen. Dies spart am Untersuchungstag Zeit. Die Lösung muss so lange getrunken werden, bis sich klare Flüssigkeit aus dem Darm zu entleeren beginnt. Wer das Abführen und Spülen auf den Vortag und den Untersuchungstag verteilt, sollte dafür jeweils etwa drei Stunden einplanen. Wichtig: immer in der Nähe einer Toilette bleiben und für den »Notfall« feuchtes Toilettenpapier bereit halten. Wer einen langen Anfahrtsweg zur Praxis hat, sollte sich keinen zu frühen Termin geben lassen, um die zweite Darmspülung in Ruhe zu Hause erledigen zu können.

 

Zwischen dem Ende des Trinkens und dem Beginn der Untersuchung sollte mindestens eine Stunde Abstand liegen, um eine letzte Entleerung des Darms zu gewährleisten. Nach der Darmreinigung bis zum Beginn der Untersuchung ist nur klare Flüssigkeit, zum Beispiel Wasser, erlaubt.

 

Wie die Untersuchung abläuft

 

Im Endoskop selbst befinden sich mehrere Kanäle. Über einen Kanal wird das Licht einer Halogenlampe zur Spitze geleitet. Über einen anderen wird dann das Bild von der Spitze zu einem Videoprozessor geleitet, sodass die Bilder vergrößert auf einem Bildschirm zu sehen sind. Über einen weiteren Kanal kann der Darm mit Luft aufgebläht werden, Restverschmutzungen können mit Wasser weggespült werden, und der Arzt kann mit einer Biopsiezange kleine Proben entnehmen.

Koloskopie bei erblicher Belastung

In HNPCC-Familien werden Koloskopien bereits ab dem 25. Lebensjahr beziehungsweise fünf Jahre vor Erstmanifestation eines Karzinoms in der Familie durchgeführt. Es konnte gezeigt werden, dass regelmäßige Koloskopien (alle drei Jahre) mit Abtragen der Polypen das Risiko für ein Kolorektalkarzinom halbieren und die Gesamtmortalität um 65 Prozent senken. Eine prophylaktische Entfernung des Dickdarms (Kolektomie) wird nicht empfohlen.

 

FAP-Risikopersonen wird geraten, bereits ab dem zehnten Lebensjahr einmal jährlich eine Rekto- oder Koloskopie machen zu lassen. Abhängig vom Befund der Untersuchung wird, meist um das 20. Lebensjahr, die Indikation zur Kolektomie gestellt (6).

Ist das Darminnere an einer Stelle stark eingeengt, kann das Endoskop diese Engstelle nicht passieren. Dann kann der Arzt den restlichen Darm nicht mehr koloskopieren. In diesem Fall wird der Darm zusätzlich mit einer Computer- oder einer Magnetresonanztomographie dargestellt.

 

Die gesamte Untersuchung dauert zwischen 15 und 45 Minuten. Sehr ängstlichen Menschen kann der Arzt vorher Medikamente verabreichen, die beruhigen und Angst und Schmerz nehmen. Sehr häufig werden das Opioid Pethidin, das Benzodiazepin Midazolam oder das Hypnotikum Propofol gegeben. Die Gabe eines Kontrastmittels ist nicht nötig. Da Darm und Bauchraum in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt werden, kann der Patient gleich nach der Koloskopie beziehungsweise nach Abklingen der Sedierung wieder essen und trinken.

 

Während der Endoskopie kann der Arzt an auffälligen Stellen Gewebeproben (Biopsie) entnehmen. Auch wenn der Patient keine Begleitmedikation erhalten hat, spürt er die Entnahme der sehr kleinen Gewebestückchen (Durchmesser etwa 2 mm) nicht. Gewebewucherungen (Polypen) kann der Arzt meist gleich entfernen: kleinere Polypen mit der Biopsiezange, größere mit einer Schlinge. Auch die Polypenabtragung (Polypektomie) spürt der Patient nicht. Die Gewebeproben und die Polypen werden anschließend in der Pathologie auf Krebszellen untersucht. Bis die Resultate vorliegen, dauert es in der Regel drei bis sieben Tage. Das Ergebnis der visuellen In­spektion des Darms erfährt der Patient im Anschluss an die Untersuchung.

 

Einige Menschen haben im Darm kleine erweiterte Gefäße (Angiodysplasien), die bluten können. Diese Gefäße sowie kleinere Polypenreste werden mit einem Argonlaser verödet. Sowohl die Polypenabtragung mit der Schlinge als auch die Verödung mit dem Laser benötigen elektrischen Strom. Die Spannung und die Stromstärke sind aber so gering, dass keine Gefahr besteht und der Patient die Anwendung nicht spürt.

 

Komplikationen sind selten

 

Wird der Darm nur inspiziert, ohne dass Polypen abgetragen werden, sind Komplikationen bei der Koloskopie äußerst selten. Da der Darm mit Luft gefüllt werden muss, um die Schleimhaut von innen ansehen zu können, besteht grundsätzlich eine geringe Gefahr, dass die Darmwand einreißt (Perforation). Blutungen der Darmwand kommen etwa bei jeder 1000. untersuchten Person vor. In der Regel lässt sich die Blutung während der Koloskopie zum Stillstand bringen.

 

Sehr selten kommt es zu allergischen Reaktionen gegen die zur Beruhigung oder Schmerzdämpfung gegebenen Medikamente. Diese klingen jedoch meist innerhalb kurzer Zeit ab. Die bei der Sedierung verwendeten Medikamente können zudem den Kreislauf und die Atmung beeinträchtigen. Daher werden beide Körperfunktionen während der Sedierung und in der Aufwachphase kontinuierlich überwacht.

 

Eine Infektion mit Krankheitserregern durch die verwendeten Geräte ist äußerst selten. Es besteht jedoch die Gefahr, dass Bakterien aus dem Darm des Patienten bei der Untersuchung in die Blutbahn gelangen, wenn die Darmwand verletzt wird. Bei Patienten mit stark vorgeschädigten Herzklappen kann dies zu einer Infektion der Herzklappe mit Darmbakterien führen. Daher muss der Patient den Arzt vorab über eine Vorschädigung der Herzklappen informieren. Vor der Untersuchung und sechs Stunden danach wird ein Antibiotikum gegeben werden, das eine Infektion verhindert.

 

Hat der Patient keine Sedativa bekommen, kann er die Praxis gleich nach der Koloskopie und dem Gespräch mit dem Arzt verlassen und darf auch Auto fahren. Anders ist es nach einer Sedierung: Fast alle Menschen sind in den ersten beiden Stunden sehr müde, sodass sie in einem Aufwachraum ausschlafen sollten. Für 24 Stunden kann die Reaktionsfähigkeit so stark eingeschränkt sein, dass sie nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen können. Sie sollten also nach einer Sedierung kein Auto steuern, sondern sich abholen lassen oder mit dem Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren. Ebenso ist zu beachten, dass man in dieser Zeit nicht »geschäftsfähig« ist und sich gegebenenfalls krank schreiben lassen muss.

 

Tests auf Blut im Stuhl

 

Weniger spezifisch, aber auch deutlich weniger aufwendig ist die biochemische Stuhltestung auf okkultes Blut. Ab dem 50. Lebensjahr steht den GKV-Versicherten jährlich der sogenannte Guajak-Test (beispielsweise Hämoccult®) zur Verfügung (Tabelle 2). Der Stuhlgang wird über drei Tage auf minimale, mit dem Auge nicht sichtbare Blutspuren untersucht. Der Patient muss zu Hause kleine Stuhlproben auf einen vorgefertigten Teststreifen aufbringen und diesen dann in der Arztpraxis abgeben (5).

 

Der Test beruht auf dem Nachweis der Pseudoperoxidase-Eigenschaft des Hämoglobins. Der Teststreifen enthält mit farblosem Guajakharz getränktes Filterpapier, das in der Arztpraxis mit Wasserstoffperoxid versetzt wird. Enthält die Stuhlprobe Hämoglobin, wird Sauerstoff freigesetzt, das mit dem Harz reagiert. Das Testfeld färbt sich blau.

Zur Vorbereitung auf den Guajak-Test ist eine mehrtägige Diät unerlässlich. Da auch tierisches Hämoglobin aus Fleisch- und Wurstwaren reagiert und manche Obst- und Gemüsesorten, zum Beispiel Blumenkohl, Rettich, Brokkoli, Bananen und Kirschen, Enzyme enthalten, die Wasserstoffperoxid spalten, kann es zu falsch-positiven Ergebnissen kommen. Diese werden mitunter auch durch Mineralien wie Eisen und Iod oder Medikamente wie Acetylsalicylsäure hervorgerufen. Antioxidanzien wie Vitamin C können zu falsch-negativen Befunden führen.

 

Der Guajak-Test ist nicht immer zuverlässig. Blutspuren im Stuhl können viele Ursachen haben, zum Beispiel Verzehr von rohem Fleisch, Blutungen aus Hämorrhoiden oder Einrissen am After. Ein positiver Test weist jedoch selbst bei blutenden Hämorrhoiden meist auf eine andere Blutquelle im Magen-Darm-Bereich hin und nicht auf die Hämorrhoiden. Auch ein negativer Test, also kein Blutnachweis im Stuhl, schließt einen Dickdarmkrebs nicht sicher aus, denn ein Tumor muss nicht immer bluten. Die Sensitivität des Tests, das heißt der Prozentsatz richtig-positiver Ergebnisse, beträgt bei einmaliger Stuhl­untersuchung für Karzinome nur etwa 40 Prozent und für Adenome lediglich 20 Prozent. Daher muss der Test regelmäßig wiederholt werden (Tabelle 2) (3). Die Spezifität, also der Prozentsatz von richtig-negativen Ergebnissen, liegt bei etwa 90 Prozent.

 

Immunologie und Biomarker

 

Bei den immunologischen Tests reagieren Antikörper mit unterschiedlichen, bei Blutungen freigesetzten Substanzen, beispielsweise mit Hämoglobin oder einem Komplex aus Hämoglobin und Haptoglobin. Da die Antikörper ausschließlich mit humanen Antigenen reagieren, haben tierisches Hämoglobin, Peroxidasen oder Vitamin C in der Nahrung keinen Einfluss auf das Ergebnis. Eine vorherige Diät, wie beim Guajak-Test nötig, entfällt.

 

Die Sensitivität der immunologischen Tests ist deutlich höher als die des Guajak-Tests. Obwohl sie zuverlässiger sind, werden diese Nachweismethoden für Blut im Stuhl derzeit nicht in der gesetzlichen Krebsvorsorge, sondern nur als IGeL-Leistung angeboten (7).

 

Noch moderner und ebenfalls hoch spezifisch sind Biomarker-Tests. Bereits in frühen Stadien geben Darmtumoren DNA ins Blut ab. Diese krebsspezifische DNA eignet sich als Biomarker. Seit Anfang 2010 ist beispielsweise ein Septin-9-Test im Handel. Man kann die Krebs-DNA im Blut von der dort ebenfalls vorliegenden DNA normaler Zellen unterscheiden, weil bei Krebs das Methylierungsmuster einiger Gene verändert ist, insbesondere das des Septin-9-Gens. Beim Test wird die im Blut befindliche methylierte DNA des Septin-9-Gens mit einer molekularbiologischen Methode nachgewiesen. Der Test ist allerdings keine Kassenleistung und teuer (10).

 

Ebenfalls keine Kassenleistung ist der Stuhltest auf Tumor-M2-Pyruvatkinase (PK). Dieser erfasst Änderungen im Zellstoffwechsel, die während der Tumorentstehung vorkommen. Unter anderem wechselt das Isoenzymmuster der Pyruvatkinase, einem Schlüsselenzym der Glykolyse. Das PK-Isoenzym Typ M2 wird überexprimiert und kann mit einem monoklonalen Antikörper nachgewiesen werden. Die Sensitivität des Tumor-M2-PK-Tests liegt für das kolorektale Karzinom in Studien bei knapp 80 Prozent (7). Es ist davon auszugehen, dass die Nachweisverfahren durch Biomarker in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen werden.

 

Früherkennung nützt

 

Noch immer wird dem Darmkrebs viel zu wenig Beachtung geschenkt. Dabei bietet die Früherkennung bei kaum einer anderen Krebsart einen derart großen Schutz. Nahezu 100 Prozent der manifesten Kolonkarzinome können verhindert oder noch geheilt werden, wenn Vorstadien oder Tumoren sehr früh entdeckt werden.

 

Diese wichtige Erkenntnis einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen, ist eines der Hauptanliegen der Felix-Burda-Stiftung. Diese wurde 2001 mit dem erklärten Ziel gegründet, die Darmkrebssterblichkeit in Deutschland zu senken. Seitdem steht der »Darmkrebsmonat März« ganz im Zeichen der Vorsorge. Gesundheitsorganisationen, Unternehmen, Städte, Kliniken, Apotheken, Ärzte und Privatpersonen sind aufgerufen, sich zu engagieren. Der März bietet somit einen guten Anlass für eine Info-Aktion in der Apotheke. /

Literatur

<typolist type="1">

Felix-Burda-Stiftung. Überblick Darmkrebs. www.darmkrebs.de

Consilium practicum: Handbuch für Diagnose und Therapie, CEDIP Verlag Österreich, 1. Auflage, 2007.

Ärztezeitung. Kolorektale Karzinome. Verbesserte endoskopische Diagnostik erleichtert Früherkennung, www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/kolorektales-karzinom/article/613978/kolon-ca-verbesserte-endoskopische-diagnostik-erleichtert-frueherkennung.html, 2011

Herzogin-Elisabeth-Krankenhaus. Dickdarmspiegelung (Koloskopie). http://193.30.79.84:8503/fileadmin/druckdateien/koloskopie_02_07.pdf, 2011

Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein-Westfalen. Merkblatt zur Darmkrebsfrüh­erkennung. www.kvno.de, 2011.

Mangold, E., Pagenstecher, C., Krankheiten mit erblicher Krebsdisposition. Dt. Ärztebl. 1-2 (2002) A56-A59.

Maronde, B., Beineke, M., Kolorektales Karzinom. Strategien für Prävention und Früherkennung. Beraterjournal zur Medical Tribune 9 (2006).

McTiernan, A., et al., Effect of a 12-Month Exercise Intervention on Patterns of Cellular Proliferation in Colonic Crypts: A Randomized Controlled Trial. Cancer Epidemiol. Biomarkers Prev. 9 (2006) 1588-1597.

Rothwell, P. M., Long-term effect of aspirin on colorectal cancer incidence and mortality: 20-year follow-up of five randomised trials. Lancet 376 (2010) 1741-1750.

Schwender, T., Bluttest zur Darmkrebsfrüherkennung. mSEPT9 und andere Biomarker. Ars medici 1 (2010) 6-7.

 

Die Autorin

Claudia Borchard-Tuch studierte Medizin an der Universität Düsseldorf, erhielt 1982 die Approbation und schloss ein Jahr später ihre Promotion ab. Nach einer Tätigkeit als Assistenzärztin studierte sie Informatik an der Fernuniversität Hagen und schloss mit dem Diplom ab. Seit 1983 ist Dr. Borchard-Tuch freiberuflich tätig als Fachjournalistin und bearbeitet naturwissenschaftliche und medizinische Themen für Fachzeitschriften und große Zeitungen. Zudem verfasst sie wissenschaftliche Publikationen für die Pharma­industrie und ist Autorin mehrerer Bücher.

 

Dr. med. Claudia Borchard-Tuch

Forsthofweg 9

86441 Zusmarshausen

claudia.borchardtuch(at)googlemail.com

Mehr von Avoxa